Was genau ist eigentlich ein Midijob und warum ist das für die Krankengeld-Berechnung relevant?
Wenn wir über den Midijob sprechen, reden wir immer noch über die sogenannte Gleitzone, auch wenn der Begriff offiziell etwas anders verwendet wird. Im Kern bedeutet es, dass Ihr Arbeitsentgelt über der Geringfügigkeitsgrenze (aktuell 538 Euro monatlich, Stand 2024) liegt, aber unterhalb der Grenze, ab der Sie den vollen Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung zahlen müssten. Das ist ja der ganze Witz daran: Sie zahlen weniger Beiträge, was gut für den Geldbeutel im Alltag ist, weil mehr Netto übrig bleibt.
Aber hier kommt der Haken, und das ist, wo ich denke, dass viele Leute falsch informiert sind: Das Krankengeld, das ist die Leistung der Krankenkasse, die nach sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber einsetzt, wird nicht nach dem Prinzip der Beitragsreduzierung berechnet. Es orientiert sich an dem Einkommen, das Sie tatsächlich erzielen.
Ich finde das logisch, wenn man es von der Seite der Kasse betrachtet – sie zahlt ja auch nur auf Basis dessen, was Sie regelmäßig eingezahlt haben, oder eben auf Basis Ihres tatsächlichen Bruttolohns. Wenn Sie also 800 Euro verdienen, bekommen Sie auch nur Krankengeld, das auf diesen 800 Euro basiert, nicht auf dem Betrag, den Sie zahlen würden, wenn Sie 1500 Euro verdienen würden. Das ist der fundamentale Unterschied, den man im Hinterkopf behalten muss.
Die Berechnung im Detail: Wie viel Geld kommt wirklich an?
Die Standardformel für das Krankengeld, egal ob Midijob oder nicht, ist ja ziemlich einfach: Die Kasse zahlt 70 Prozent Ihres regelmäßigen Bruttoentgelts, allerdings maximal 90 Prozent Ihres Nettoentgelts. Das soll sicherstellen, dass Sie trotz Krankheit nicht mehr Geld auf dem Konto haben als im Normalbetrieb, was ja auch irgendwie unfair wäre, oder? Aber für Midijobber wird es etwas spezifischer, und das ist der Punkt, der oft zu Verwirrung führt.
Bei einem Midijob, der genau in diesem Übergangsbereich liegt, wird das Krankengeld meistens auf Basis des tatsächlichen Bruttogehalts berechnet, das Sie vor der Erkrankung bezogen haben. Angenommen, Ihr Brutto liegt bei 1200 Euro. Dann sind 70 Prozent davon ungefähr 840 Euro. Das ist dann Ihr Krankengeldanspruch, abzüglich des Beitrags für die Kranken- und Pflegeversicherung, den Sie ja weiterhin zahlen müssen, weil Sie ja nicht komplett befreit sind.
Ich habe bemerkt, dass viele Leute denken, sie würden eine Art "Aufschlag" bekommen, weil sie ja offiziell noch nicht in der Vollversicherung sind. Das stimmt aber nicht. Die Ersparnis bei den Beiträgen im Alltag ist die eine Sache, aber die Absicherung im Krankheitsfall orientiert sich strikt an dem Gehalt, das sozialversicherungspflichtig war, auch wenn die Beiträge reduziert waren. Es ist wirklich wichtig, diese 70-Prozent-Regel als Basis zu nehmen und diesen Betrag dann mit dem eigenen Gehalt abzugleichen.
Der häufigste Fehler: Verwechslung von Beitragsersparnis und Leistungsanspruch
Der größte Fehler, den ich immer wieder sehe, ist die gedankliche Übertragung der Beitragsersparnis auf die Leistungsseite. Im Midijob sparen Sie monatlich vielleicht 50 bis 100 Euro an Sozialabgaben, weil die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung nur anteilig berechnet werden. Man denkt dann unbewusst: Wenn ich krank werde, bekomme ich ja auch diesen Vorteil irgendwie zurück.
Aber Krankengeld ist eine Leistung der Krankenversicherung, und die ist an das laufende Brutto gebunden. Wenn Ihr Brutto 1200 Euro beträgt, dann sind 70 Prozent davon die Obergrenze. Dieses Geld ist oft spürbar weniger als das, was jemand mit einem vollen sozialversicherungspflichtigen Gehalt bekäme, selbst wenn die Gehälter vor der Krankheit ähnlich hoch waren. Man muss sich also bewusst sein, dass die finanzielle Pufferzone im Krankheitsfall bei einem Midijob geringer ausfällt.
Was Sie prüfen sollten: Schauen Sie sich Ihre letzte Gehaltsabrechnung an, bevor Sie krank wurden. Nehmen Sie den Bruttobetrag und rechnen Sie 70 Prozent davon aus. Das ist Ihr realistischer Anhaltspunkt für das Krankengeld, bevor die Kasse die letzten Abzüge für Pflege und Krankenversicherung vornimmt.
Wie lange zahlt der Arbeitgeber und wann springt die Krankenkasse ein?
Das ist ein Punkt, der für alle Arbeitnehmer gleich ist, unabhängig davon, ob sie einen Midijob haben oder Vollzeit angestellt sind: die gesetzliche Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Der Chef muss Ihnen Ihr volles Gehalt für die ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit weiterzahlen. Das ist gesetzlich festgeschrieben und gilt auch für Midijobber.
Der Übergang zur Krankenkasse, also zum Krankengeld, erfolgt erst am 43. Tag der Krankschreibung, sofern die Arbeitsunfähigkeit ununterbrochen andauert. Ich finde diesen Sechs-Wochen-Puffer wichtig, weil gerade in dieser Zeit die Beitragsreduzierung des Midijobs noch keine Rolle spielt, da Sie ja Ihr volles Gehalt erhalten.
Danach beginnt die eigentliche Phase, in der man die Auswirkungen des Midijobs auf die Höhe der Leistung spürt. Die Krankenkasse prüft dann, wie hoch Ihr reguläres Einkommen war und berechnet das Krankengeld darauf. Wenn Sie also längerfristig ausfallen, wird die reduzierte Beitragsbasis schnell zum Thema, weil die Ausgleichszahlung eben nicht auf einem höheren Basisgehalt aufbaut.
Kann ich meine Krankengeldhöhe bei einem Midijob aktiv beeinflussen?
Ganz ehrlich, die Möglichkeiten sind begrenzt, weil die Regeln so strikt sind, aber es gibt theoretisch einen Weg, die Basis zu erhöhen, falls Sie absehen können, dass eine längere Krankschreibung droht oder Sie einfach vorsichtiger sein wollen.
Wenn Sie kurz vor der Erkrankung in eine höhere Gehaltsstufe wechseln würden, also über die Midijob-Grenze hinaus, oder wenn Sie Überstunden machen, die dann noch in die Berechnung einfließen, könnte das Krankengeld theoretisch steigen. Das ist aber natürlich keine Strategie, die man ernsthaft verfolgen sollte, nur um im Krankheitsfall besser dazustehen.
Der realistischere Weg, falls Sie sich absichern wollen, wäre eine private Krankentagegeldversicherung. Diese greift oft schneller und kann die Differenz zwischen dem niedrigeren Krankengeld der gesetzlichen Kasse und Ihrem Wunschgehalt ausgleichen. Ich denke, gerade für Midijobber, die sich an das höhere Netto gewöhnt haben, ist das eine Überlegung wert, weil die Lücke zwischen dem, was man gewohnt war, und dem Krankengeld von 70 Prozent des reduzierten Bruttos, manchmal schmerzhaft groß ist.
Wann gilt das reduzierte Krankengeld nicht für Midijobber? Die Ausnahmen
Es gibt natürlich immer Ausnahmen in der deutschen Bürokratie, und das ist auch gut so. Wenn Sie nämlich freiwillig versichert in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, oder wenn Sie privat versichert sind, dann greifen die Regeln des Midijobs bezüglich der Krankengeldhöhe gar nicht. Aber das ist meistens kein Midijob im klassischen Sinne mehr, sondern eher ein höherer Verdienst oder eine spezielle Konstellation.
Wichtig ist auch die Dauer der Beschäftigung. Wenn Sie schon sehr lange in der Gleitzone gearbeitet haben und Ihr beitragspflichtiges Einkommen im Laufe der Zeit durch Gehaltserhöhungen langsam an die volle Versicherungsgrenze herangeführt wurde, dann kann es sein, dass Ihr aktuelles Brutto bereits so hoch ist, dass die Berechnung des Krankengeldes dem normalen System gleicht. Es kommt immer darauf an, wo genau Sie in der Spanne stehen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es immer ratsam ist, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, wenn man unsicher ist. Die Mitarbeiter dort haben Zugriff auf die genauen Daten und können Ihnen verbindlich sagen, auf welche Basis Ihr Krankengeld berechnet wird. Lassen Sie sich nicht nur auf die allgemeinen Tabellen verlassen, weil Ihr individueller Status im Midijob entscheidend ist.
Zusammenfassung: Was Sie jetzt mitnehmen sollten, wenn Sie einen Midijob haben
Also, um das Ganze zusammenzufassen, weil es wirklich ein komplexes Thema ist: Beim Midijob sparen Sie Beiträge im Alltag, aber das Krankengeld ist fast immer niedriger als bei einem Vollversicherten mit gleichem Bruttogehalt, weil es auf dem reduzierten Brutto basiert und die 70-Prozent-Regel greift. Die ersten sechs Wochen sind durch den Arbeitgeber abgedeckt, danach kommt die Kasse, und die berechnet streng nach Ihren aktuellen Einkommensverhältnissen.
Wenn Sie also auf Nummer sicher gehen wollen und sich fragen, ob das Krankengeld bei einem Midijob ausreicht, um Ihre Fixkosten zu decken, dann rechnen Sie lieber konservativ. Ich persönlich würde immer empfehlen, die Lücke zwischen dem erwarteten Krankengeld und dem aktuellen Netto zu berechnen und dann über eine private Aufstockung nachzudenken. Es ist besser, vorbereitet zu sein, als sich im Krankheitsfall mit einem unerwartet niedrigen Einkommen herumschlagen zu müssen. Das Leben ist schon kompliziert genug, da sollte die finanzielle Absicherung im Ernstfall möglichst einfach und berechenbar sein.

