Grundlegend: Augen sind wichtig, aber nicht alles
Na klar, als Pilot musst du scharf sehen. Du musst Landekarten lesen, Instrumente checken, Signale von Türmen erkennen – und das oft bei schwierigen Lichtverhältnissen. Aber: Du musst nicht unbedingt perfekt sehen. Wirklich. Die wichtigste Regel? Du musst mit Brille oder Kontaktlinsen 100 % Sehschärfe erreichen können. Ohne geht’s nicht – zumindest nicht im Berufspilotenbereich.
Was sagt die EASA eigentlich?
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) legt die Standards fest. Und da steht: Bei der Klasse 1-Lizenz – also für Berufspiloten – darf die Fehlsichtigkeit (Myopie) bis zu -6,0 Dioptrien gehen. Die Hyperopie (Weitsichtigkeit) darf bis +5,0 Dioptrien reichen. Und Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) bis ±3,0 Dioptrien. Aber – und das ist wichtig – das ist nur die halbe Wahrheit.
Es geht nicht nur um die Zahlen. Die Augen müssen stabil sein, keine fortschreitende Kurzsichtigkeit, keine Netzhautprobleme. Und: Du musst beide Augen benutzen können. Monokularer Sehverlust? Da wird’s kritisch. Und Farbenblindheit? Da kannst du gleich vergessen – das schließt fast immer aus.
Ich hab’s mal probiert – fast
Vor ein paar Jahren hab ich mir das Fliegen selbst angeschaut. Bei einem Medizincheck in Frankfurt hab ich dann erfahren: meine -4,5 Dioptrien wären grundsätzlich okay. Aber – und jetzt kommt’s – meine Hornhaut war nach einer alten Verletzung leicht verformt. Das hat gereicht, dass der Gutachter skeptisch wurde. „Könnte bei Druckänderung Probleme machen“, meinte er. Also hab ich’s gelassen. War ein bisschen enttäuschend, aber ehrlich? Ich glaub, ich war mehr wegen der Romantik des Ganzen dabei, nicht wegen des Berufs.
Brille oder Kontaktlinsen – was ist besser?
Beides ist erlaubt, aber: Du musst immer eine Ersatzbrille dabei haben, wenn du mit Brille fliegst. Kontaktlinsen sind erlaubt, aber nur weiche – und keine Tageslinsen, die einfach verschwinden können. Ich kenn einen Piloten bei der Lufthansa, der fliegt mit Kontaktlinsen, hat aber trotzdem eine ultraleichte Brille im Handschuhfach. „Für den Fall der Fälle“, sagt er. Und weißt du was? Das leuchtet ein. Stell dir vor, du fliegst über dem Atlantik und die Linse verrutscht – und du hast kein Ersatz. Ganz schlechtes Szenario.
Laser-OP? Geht das?
Ja, aber – du ahnst es – mit Bedingungen. Die EASA erlaubt refraktive Chirurgie (also LASIK, LASEK etc.), aber du musst mindestens sechs Monate warten, bis du wieder fliegen darfst. Und: Du musst nachweisen, dass die Sehkraft stabil ist, keine Nebenwirkungen wie Lichtstreuung oder trockene Augen. Ein Kumpel von mir, Max, hat’s gemacht. Nach drei Monaten war er fast 0 Dioptrien. Aber er hat noch ein halbes Jahr gewartet, zusätzlich zum offiziellen Zeitraum, „weil ich mir sicher sein wollte“. Wirklich clever. Und jetzt fliegt er bei einer Charterfirma. Ohne Brille. Ist schon krass.
Und bei der Bundeswehr?
Da ist es noch strenger. Militärpiloten müssen oft ohne Sehhilfe fliegen können – oder zumindest war das früher so. Heute geht’s auch mit Brille, aber die Limits sind niedriger. Ich hab mal mit einem Fliegerarzt in Köln gesprochen – der meinte, bei ihnen wäre alles über -4,0 schon kritisch. Und die Auswahl ist brutal. Da geht’s nicht nur um Dioptrien, sondern um Gesamtpotential. Also – wenn du Militärpilot werden willst: Augen zu, und beten.
Fazit: Dioptrien sind kein Ausweg, aber kein Freibrief
Also, um’s klarzustellen: Du kannst mit Brille Pilot werden. Selbst mit -5 oder -6 Dioptrien. Aber – und das ist groß geschrieben – es kommt auf deinen gesamten Gesundheitszustand an. Die Augen sind nur ein Teil. Und die Regeln sind da, um Sicherheit zu garantieren. Nicht, um dich auszuschließen, sondern um sicherzustellen, dass du im Ernstfall wirklich scharf siehst.
Wenn du träumst, Pilot zu werden – tu’s. Lass dich checken. Sprich mit Fliegerärzten. Die sind oft viel offener, als man denkt. Und hey – vielleicht bist du der Nächste, der mit dicker Brille im Cockpit sitzt und trotzdem die Welt von oben sieht. Ganz scharf.
Hast du schon mal einen Piloten mit Brille gesehen und gedacht: „Kann der das wirklich?“ Ich schon. Und mittlerweile weiß ich: Ja, kann er. Hauptsache, die Papiere stimmen – und die Augen auch.
