Erstmal tief durchatmen
Ja, ja, klingt kitschig. Aber im Ernst: bevor du die nächste App runterlädst oder ein neues Bullet-Journal anfängst – atme mal kurz durch. Nicht fünf Minuten, nicht zehn. Eine Minute. Nur du, deine Lunge und die Tatsache, dass du gerade lebst. Ich mach das jetzt jeden Tag. Morgens, bevor ich das Handy anschalte. Manchmal auch mittags, wenn der Kollege Markus mal wieder eine „kurze Rückfrage“ per Mail schickt – zwei Seiten lang.
Denn hier ist die Wahrheit: du musst nicht alles schaffen. Klingt verrückt, oder? Aber es stimmt. Die meisten Dinge auf deiner Liste sind wichtig – aber nicht lebensnotwendig. Außer du bist Arzt in der Notaufnahme oder fliegst gerade ein Flugzeug, kann fast alles warten. Auch die blöde Steuererklärung. Ehrlich.
Die Liste – Freund oder Feind?
Ich hab lange gedacht: mehr Liste = mehr Kontrolle. Totaler Quatsch. Meine Liste letztes Jahr hatte 47 Punkte. Am Tag. Nach drei Tagen hab ich sie nicht mehr angeguckt, aus Scham. Dann hab ich sie in den Müll geworfen. Und mich gefragt: warum eigentlich?
Also hab ich angefangen, anders ranzugehen. Statt alles aufzuschreiben, hab ich nur die drei Dinge aufgeschrieben, die *wirklich* heute erledigt werden müssen. Nicht mehr. Drei. Manchmal waren das nur: 1. Kaffee kochen. 2. Meeting um 10. 3. Mutter anrufen. Und weißt du was? Ich hab mich besser gefühlt. Weil ich die drei Dinge auch geschafft hab. Und wenn dann noch Zeit war – toll, dann kam Nummer vier. Aber nicht als Druck, sondern als Bonus.
Zeitblocken? Oder doch lieber Chaos?
Ich hab’s ausprobiert, das Zeitblocken. Jede Aufgabe in 25-Minuten-Blöcke packen, Pomodoro-Timer, alles ganz schick. Hat bei mir drei Tage funktioniert. Dann kam der Anruf von meiner Schwester, wegen Oma, und alles war hin. Ich bin einfach kein Typ für starre Pläne. Aber – und das ist wichtig – ich hab gelernt, dass ich *meine* Rhythmen kenne.
Ich weiß jetzt: zwischen 9 und 11 Uhr arbeite ich am besten. Danach sackt alles ab. Also nutze ich die Zeit für die Dinge, die Konzentration brauchen. E-Mails? Die mach ich nachmittags, beim zweiten Kaffee, mit Musik im Ohr. Und am Abend? Da mach ich meistens nur noch Kleinzeug – Wäsche, Küche, aufräumen. Nicht weil es perfekt sein muss, sondern weil es mich runterbringt.
Delegieren – auch wenn’s schwerfällt
Ich hab ewig alles allein gemacht. Weil ich dachte: „Wenn ich’s will, muss ich’s auch tun.“ Blödsinn. Vor zwei Monaten hab ich endlich meine Praktikantin gebeten, mir die Recherchen für den Newsletter zu machen. Sie war super. Und ich hatte plötzlich zwei Stunden mehr pro Woche. Zwei Stunden! Da hab ich sogar mal wieder ein Buch gelesen. Der alte Mann und das Meer. War gut.
Und zu Hause? Ja, auch da. Mein Freund kocht nicht so gern, aber er kann Spülmaschine ausräumen. Und die Wäsche sortieren. Und den Müll rausbringen. Und – hey – das ist schon mal die Hälfte. Man muss nicht alles perfekt machen. Man muss es nur *tun*. Und wenn jemand anderes es tut – umso besser.
Die Sache mit dem Perfektionismus
Hier wird’s persönlich: ich will immer alles perfekt machen. Der Vortrag, das Essen, die Geburtstagskarte. Aber weißt du was? Niemand merkt es, wenn der Salat ein bisschen zu salzig ist. Oder die Präsentation zwei Folien zu lang. Außer du. Und deshalb machst du dir Stress. Ich hab gelernt: „gut genug“ ist oft besser als „perfekt, aber nie fertig“.
Letztes Wochenende hab ich eine Einladung geschrieben – per Hand, auf kariertem Papier, mit Flecken vom Kuli. War nicht hübsch. Aber die Leute kamen. Und haben gelacht. Und das Essen war trotzdem lecker. Manchmal ist das Leben eben kariert und ein bisschen verschmiert. Und das ist okay.
Was, wenn du einfach mal nichts machst?
Ich hab lange gedacht: Pause = Faulheit. Total falsch. Pausen sind Teil der Arbeit. Ohne Pausen geht der Akku runter. Und dann machst du Fehler. Oder weinst vor der offenen Kühlschranktür. (Ja, das war wieder ich.)
Heute erlaube ich mir, einfach mal nichts zu tun. 20 Minuten auf der Bank im Park, ohne Handy. Oder ein Nickerchen nachmittags. Ich nenne es „Regenerationszeit“. Klingt edel, ist aber nur Faulenzen mit gutem Gewissen.
Am Ende zählt das Gefühl
Es geht nicht darum, alles zu schaffen. Es geht darum, am Abend nicht das Gefühl zu haben, du wärst gescheitert. Es geht darum, dass du dich erinnerst: du hast heute gelebt. Du hast gelacht, gegessen, jemandem zugehört, vielleicht sogar was geschafft.
Letzte Woche hab ich nur zwei Dinge von meiner Liste geschafft. Zwei. Aber ich hab mit meiner Nichte gebacken – Kekse in Form von Dinosauriern. Und sie hat gesagt: „Tante, du bist die beste!“
Das war es wert. Mehr als jede To-Do-Liste.
Weißt du was? Es ist okay, wenn nicht alles klappt. Wirklich. Versuch’s mal mit weniger Druck. Mit mehr „gut genug“. Und mit der Erkenntnis: du bist kein Maschine. Du bist ein Mensch. Mit müden Augen, vollem Postfach – aber auch mit Herz. Und das zählt mehr als alles andere.
Hast du auch so Tage, an denen du einfach nur atmen willst? Ich verstehe dich. Ehrlich.
