Das war mal ganz anders
Früher, weißt du noch? Du bist ins Autohaus spaziert, hast dich hingesetzt, gesagt: „Den da, in blau, mit Navi und Ledersitz“, und zwei Tage später war er da. Vielleicht mit ein paar Extras drauf, aber fair. Kein Drama. Kein Warten. Kein Gefühl, als würdest du beim Lotto mitmachen.
Heute? Vergiss es. Ich war letzten Sommer in Ulm bei einem VW-Händler – ein netter Kerl, Thomas hieß er glaub ich. Hat mir den ID.4 gezeigt, total in Ordnung, aber: „Bestellung gerade eingegangen, Lieferung frühestens Februar. Wenn überhaupt.“ Februar! Und wir reden von Sommer! Ich hab mich hingesetzt, Kaffee bekommen, wir haben über die Chips geklagt, über die Logistik, über China, über alles. Und am Ende? Hab ich einen Jahreswagen genommen. Nicht ganz mein Traumauto, aber besser als nichts.
Warum ist alles so verrückt?
Also, wo fangen wir an? Bei den Halbleitern, natürlich. Wer hätte gedacht, dass so winzige Chips die ganze Welt lahmlegen können? Aber genau das ist passiert. Während die Pandemie kam, haben viele Hersteller die Produktion runtergefahren. Die Chipfirmen haben umgeschwenkt – mehr Laptops, mehr Tablets, Homeoffice-Zeug. Und dann, plopp, will plötzlich wieder jeder Auto fahren. Aber die Chips fehlen. Und sie fehlen immer noch. Nicht mehr so krass wie 2021 oder 2022, aber immer noch. Jede Woche liest man von Werkschließungen in Wolfsburg, im Ruhrgebiet, bei BMW in München.
Und dann die E-Mobilität. Jeder will plötzlich elektrisch fahren. Politik pusht, Subventionen gab’s, jetzt weniger, aber der Trend steht. Die Hersteller bauen um, investieren Milliarden in neue Fabriken, Batteriezellen, Ladeinfrastruktur. Aber das braucht Zeit. Und Geld. Und Fachkräfte. Und die haben wir nicht genug, ehrlich gesagt.
Die Preise – oje
Ich hab letztens einen Kollegen getroffen, Michael, der arbeitet bei einem Audi-Händler in Stuttgart. Der hat mir erzählt: „Früher haben wir mit 10–15 % Aufschlag verkauft und waren happy. Jetzt? Bei manchen Modellen ist es dreißig, vierzig Prozent – und die Kunden zahlen es noch!“ Unglaublich, oder? Weil so wenig da ist, können sie es. Und viele kaufen, weil sie Angst haben: „Wenn ich nicht jetzt zuschlage, krieg ich nie was.“
Und dann die Gebrauchtwagen. Die sind auch durch die Decke. Mein Neffe wollte sich einen alten Golf kaufen, Baujahr 2018, 80.000 km. Hat 18.000 gekostet! Für einen Diesel! Ich hab fast den Kaffee verschüttet, als er es mir gesagt hat. Früher war das die Hälfte. Aber klar – wer kein Neuwagen kriegt, nimmt eben gebraucht. Und wer sein altes Auto behält, weil er keins Neues kriegt, nimmt es vom Markt. Weniger Autos, mehr Nachfrage – klassische Marktwirtschaft. Nur dass sie diesmal komplett aus dem Ruder läuft.
Aber wird’s besser?
Das ist die große Frage. Wann beruhigt sich der Automarkt? Ehrlich gesagt – ich glaub, wir sind schon am Abflachen. Nicht dramatisch, aber langsam. Die Chipsituation entspannt sich Stück für Stück. Neue Halbleiterwerke laufen an, in Dresden, in München, sogar in Frankreich und Polen. Die Produktion läuft wieder hoch. Bei Stellantis, bei VW, bei Mercedes – die Zahlen steigen langsam.
Aber: Die E-Auto-Phase ist noch lange nicht vorbei. Die EU will 2035 kein neues Verbrenner-Auto mehr zulassen. Also bauen alle wie verrückt auf Elektro um. Das kostet. Und verursacht Unsicherheit. Und viele Kunden warten ab. Wegen der Reichweite, wegen der Ladezeiten, wegen der Preise. Ich selbst? Ich hab noch einen Benziner. Und ich genieße es noch. Aber irgendwann muss ich auch umsteigen. Die Frage ist nur wann – und zu welchem Preis.
Was kannst du tun?
Wenn du jetzt ein Auto brauchst – Geduld ist das A und O. Oder Flexibilität. Vielleicht nimmst du einen Jahreswagen, wie ich. Oder ein Vorführfahrzeug. Oder du schaust bei kleineren Marken – bei Dacia, bei Skoda, bei Toyota. Die haben oft bessere Verfügbarkeit. Oder du gehst in ein anderes Bundesland. Ich kenn einen, der ist extra nach Schleswig-Holstein gefahren, weil da ein Händler noch einen Passat übrig hatte. Klingt verrückt, ist aber wahr.
Und: Verzichte auf Extras. Willst du wirklich Panorama-Dach und adaptiver Distanzregeltempomat? Oder reicht dir ein Auto, das fährt, sparsam ist und sicher? Meine Oma hat immer gesagt: „Fahrzeug ist zum Fahren da, nicht zum Angeben.“ Hat sie nicht genau so gesagt, aber du weißt, was ich meine.
Fazit: Langsam, aber sicher
Wann beruhigt sich der Automarkt? Ich würd sagen: bis Ende 2025 wird sich einiges normalisiert haben. Die Chips sind dann hoffentlich kein Thema mehr. Die Elektrofabriken laufen. Die Nachfrage pendelt sich ein. Aber ganz wie früher wird es nie wieder. Die Welt ist anders. Die Preise bleiben höher. Die Autos werden teurer – auch gebraucht. Und der Umstieg auf E-Auto wird für viele noch eine Herausforderung.
Aber hey – wir haben schon schlimmere Zeiten gesehen. Erinnerst du dich an die Ölkrise? An den Diesel-Skandal? An den Leerlauf in der Pandemie? Wir kriegen das hin. Vielleicht nicht perfekt, vielleicht nicht billig. Aber wir kriegen ein Auto. Irgendwann. Wahrscheinlich.
Hast du gerade ein Auto gesucht? Wie war deine Erfahrung? Ich würd echt gern wissen, wie es bei anderen läuft. Schreib mal, wenn du magst. Und bis dahin – bleib geduldig. Und lass dich nicht verarschen von Händlern, die glauben, sie könnten alles verkaufen, was Räder hat.
