Religion und Kalender – was passt zusammen?
Syrien ist ein muslimisches Land, zumindest was die Mehrheit angeht. Aber – und das ist wichtig – das heißt nicht, dass alle anderen Feste automatisch verschwinden. Der islamische Kalender ist lunar, klar, also läuft der anders als unser gregorianischer. Silvester am 31. Dezember? Das gibt’s da nicht offiziell, kein staatlicher Feiertag, keine Raketen über Damaskus um Mitternacht.
ABER – und das ist ein großes aber – viele Syrer kennen das Datum. Vor allem die jüngere Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, die Serien schaut, Musik hört, die auch im Westen populär ist. Und ja, einige feiern es. Leise. Im Kreis. Oder gar nicht.
Christen in Syrien – die anderen Silvesterfeierer
Ach so, das vergessen viele: Es gibt auch eine christliche Minderheit in Syrien. Und zwar schon seit ewigen Zeiten. In Städten wie Aleppo oder Homs, auch in Maaloula, wo sogar noch aramäische Dialekte gesprochen werden – also echt uralt. Und die feiern Weihnachten und Neujahr nach dem gregorianischen Kalender.
Ich erinnere mich an eine Geschichte von Samira, einer Bekannten aus Latakia, die ich vor Jahren mal in einer Sprachcafé-Kneipe in Stuttgart kennengelernt habe. Sie hat mir erzählt, wie sie als Kind bei ihrer Tante in Damaskus war, wo die ganze Familie zusammenkam, Lichter angezündet, gebacken, gesungen. Nicht für Weihnachten – sondern für den 31. Dezember. Weil: „Wir Christen, wir sagen einfach: Warum nicht? Das Jahr endet, wir freuen uns, wir hoffen.“
Und die Muslime? Tun sie’s oder tun sie’s nicht?
Hier wird’s nuanciert. Also – offiziell sagen viele: „Nein, das ist nicht unser Fest.“ Und religiös betrachtet, ja, da hat das nichts mit dem Islam zu tun. Aber – und jetzt kommt’s – privat? Manche tun’s halt. Einfach so. Weil die Kinder es aus Videos kennen. Weil der Nachbar auch was macht. Weil man sagt: „Warum nicht einfach mal lachen, wenn’s so viel Trauriges gibt?“
Ich hab mal gelesen – oder war’s ein Video? – von einem jungen Typen aus Homs, der mit Freunden um Mitternacht Cola-Flaschen knallen ließ, weil sie keine echten Sektkorken hatten. Kein Feuerwerk, keine laute Musik, bloß ein kleiner Moment, um zu sagen: „Wir sind noch da.“
Kein Vergleich zu Deutschland – aber auch kein Nullprogramm
Wenn du jetzt denkst: „Aha, da gibt’s bestimmt riesige Partys an der Küste!“, dann – nein. Nicht wirklich. Keine öffentlichen Feiuerwerke, keine Konzerte auf dem Maidan. Aber in privaten Wohnungen, besonders in städtischen Gebieten, kann es durchaus mal ein paar Snacks geben, ein kleines Essen, vielleicht ein Lied im Hintergrund. Nichts Großes. Eher symbolisch.
Und jetzt kommt was Wichtiges: Seit dem Krieg? Noch viel leiser. Wer hat schon Lust, groß zu feiern, wenn du vor fünf Jahren dein Haus verloren hast? Wenn dein Bruder im Libanon lebt? Wenn Strom nur zwei Stunden am Tag geht?
Ehrlich jetzt – ist es überhaupt wichtig?
Das frage ich mich manchmal. Warum wollen wir alle wissen, ob andere „unsere“ Feste feiern? Geht’s um Verständnis? Neugier? Oder einfach nur, um uns selbst besser zu fühlen? Denn eigentlich geht’s doch nicht um Silvester. Sondern darum, wie Menschen Hoffnung halten. Wie sie Rituale brauchen. Wie selbst ein kleiner Moment am 31. Dezember – ohne Raketen, ohne Sekt – eine Art Widerstand sein kann.
Ich glaube, das ist das eigentlich Schöne. Dass man nicht groß feiern muss, um zu sagen: „Ich gebe nicht auf.“
Fazit: Ja, aber anders
Also – wird in Syrien Silvester gefeiert? Ja, von manchen. Leise. Stillschweigend. Mit einer Tasse Tee statt Sekt. Mit einem Gebet statt Disco-Musik. Aber immerhin. Und manchmal ist das genug.
Du weißt, was? Vielleicht sollten wir alle mal darüber nachdenken, was Feiern wirklich bedeutet. Nicht die Lautstärke. Sondern das Gefühl dahinter.
