Der Ursprung der Spaltung: Warum saßen Päpste plötzlich an zwei Orten?
Ich finde es immer wieder faszinierend, wie schnell eine Institution, die sich als der Fels Petri versteht, derart zerbrechen konnte. Der eigentliche Grund für die Wohnort-Verwirrung war die Rückkehr des Papsttums aus Avignon nach Rom im Jahr 1377. Nur ein Jahr später, 1378, starb Papst Gregor XI., und die anschließende Wahl war, nun ja, sagen wir mal, höchst umstritten und von römischem Tumult geprägt.
Die Kardinäle, die Urban VI. wählten, waren unter massivem Druck der römischen Bevölkerung, die einen Italiener wollte. Kurz darauf erklärten dieselben Kardinäle diese Wahl für ungültig, weil sie sich bedroht fühlten. Sie wählten einen neuen Papst, Clemens VII., der sich nach Avignon zurückzog. Und damit hatten wir sie: einen Papst in Rom und einen in Avignon. Das war der Beginn des Zweipolismus, der fast vier Jahrzehnte andauern sollte.
Man muss verstehen, dass die Loyalität der Fürsten und Königshäuser Europas sofort ins Spiel kam. Es ging nicht nur darum, wer die rechtmäßige geistliche Autorität war; es ging darum, welche Großmacht man politisch unterstützte. Länder wie Frankreich, Schottland und Kastilien hielten zu Avignon, während das Heilige Römische Reich, England und weite Teile Italiens Rom unterstützten. Es war ein echtes geopolitisches Puzzle, das sich über ganz Europa zog.
Rom versus Avignon: Zwei Hauptquartiere mit unterschiedlichem Flair
Die beiden Hauptsitze waren sehr unterschiedlich, nicht nur in ihrer geografischen Lage, sondern auch in ihrer Atmosphäre. Der Papst in Rom, der sich als der wahre Nachfolger Petri sah (Urban VI. und seine Nachfolger), residierte oft in kargen Verhältnissen, da der Vatikan nach der Rückkehr aus Avignon nicht mehr den Glanz und die Ausstattung eines modernen Hofes besaß. Sie waren ständig damit beschäftigt, ihre Machtbasis in Mittelitalien zu sichern.
Avignon hingegen war luxuriös. Ich habe gelesen, dass die Päpste dort, insbesondere unter Clemens VI., regelrechte Paläste bauten, den berühmten Palais des Papes. Dieser Komplex war ein Bollwerk französischer Macht und diente als ein Zentrum weltlicher Pracht, weit weg von den politischen Querelen Roms. Dieser Unterschied im Stil – die römische Tradition gegen den französischen Glanz – spiegelte die Spaltung der Christenheit wider.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Päpste in Avignon sich nicht als Gegenpäpste sahen; sie hielten sich für die einzigen legitimen Nachfolger. Das ist ein entscheidender Punkt, um die Mentalität dieser Zeit zu verstehen. Sie lebten dort, weil sie glaubten, dass die Verhältnisse in Rom nicht sicher oder legitim waren, um das Amt auszuüben.
Die Schwierigkeit der Nachfolge in Rom
Nach dem ersten römischen Papst folgten ihm weitere, die oft nur kurze Zeit regierten. Die Situation in Rom war chronisch instabil, was dazu führte, dass die tatsächliche Kontrolle über die Stadt und das Umland oft zwischen verschiedenen italienischen Adelsfamilien hin- und herwechselte. Das machte die Residenz Rom alles andere als eine ruhige geistliche Heimat, sondern eher eine Frontstadt.
Und wer war der Dritte? Die kurze, aber wichtige Rolle von Pisa
Hier wird es richtig kompliziert, und das ist der Punkt, an dem die Geschichte der "drei Päpste" ihren Anfang nimmt. Nach Jahrzehnten, in denen weder Rom noch Avignon nachgeben wollten, beriefen Gelehrte und einige neutrale Kardinäle 1409 das Konzil von Pisa ein. Die Hoffnung war, beide Amtierenden abzusetzen und einen neuen, universell anerkannten Papst zu wählen.
Was passierte? Das Konzil setzte beide ab – obwohl sie dies natürlich nicht akzeptierten – und wählte Alexander V. Nun hatten wir drei Päpste: Der eine in Rom, der andere in Avignon und der dritte in Pisa. Pisa wurde also nicht zu einer dauerhaften Residenz im Sinne einer etablierten Kurie, sondern zu einem Schauplatz einer gescheiterten Friedenslösung, die die Situation nur noch absurder machte.
Alexander V. residierte dann kurzzeitig in Pisa und zog später nach Bologna, bevor er starb. Sein Nachfolger, Johannes XXIII. (nicht zu verwechseln mit dem späteren Antipapst des 15. Jahrhunderts), hatte ebenfalls keine stabile Residenz. Diese Phase war kurz, aber sie zeigte, wie hoffnungslos die Lage war. Mein Eindruck ist, dass diese Phase die absolute Lächerlichkeit der kirchlichen Führung für Außenstehende perfekt illustrierte.
Häufige Irrtümer über die päpstlichen Residenzen während des Schismas
Wenn ich mit Leuten über diese Zeit spreche, fällt mir auf, dass oft zwei Dinge falsch verstanden werden. Erstens: Die Päpste waren nicht ständig auf Wanderschaft. Sie gründeten feste, wenn auch umstrittene, Verwaltungszentren. Der Papst in Avignon hatte seine Verwaltung, seine Archive, seine Kardinäle – er lebte dort, als wäre es der legitime Sitz des Papsttums, was er ja auch glaubte.
Zweitens: Viele denken, die Gläubigen hätten einfach wählen können, wen sie wollten. Das stimmt nicht ganz. Wenn dein König oder dein Herzog dir befahl, die römische Loyalität zu befolgen, dann war das die offizielle Linie deiner Region. Die Wahl des Papstes war im Mittelalter oft eine Frage der Staatsräson, nicht der persönlichen Frömmigkeit. Ich persönlich halte das für das tragischste Element dieser ganzen Epoche.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist die Dauer der Verwaltung. Während die Konzilien von Pisa und später Konstanz die politischen Entscheidungen trafen, liefen die jeweiligen Kurien in Rom und Avignon jahrelang weiter wie gewohnt, mit ihren eigenen Steuererhebungen und Ernennungen. Sie lebten nebeneinander her, als wären sie zwei völlig unabhängige Staaten.
Das Ende des Dreikampfes: Wie fand die Einheit statt?
Die Lösung kam erst durch das Konzil von Konstanz (ab 1414), welches die Autorität besaß, wirklich alle Seiten zu vereinen – oder zumindest zu zwingen, sich zu unterwerfen. Papst Johannes XXIII. (der Pisaner) floh, wurde gefangen genommen und abgesetzt, was ein historischer Vorgang war. Der römische Papst Gregor XII. trat freiwillig zurück, was ein Akt von enormer Demut war, den man nicht oft sieht.
Der Papst von Avignon (Benedikt XIII.) weigerte sich standhaft, trat aber nie offiziell zurück. Er wurde vom Konzil exkommuniziert und starb in Spanien, wo er von einigen wenigen Anhängern immer noch als rechtmäßiger Papst betrachtet wurde. Aber für die große Mehrheit war die Sache 1417 mit der Wahl von Martin V. in Rom beendet. Er residierte dann, wie es sich gehörte, wieder ausschließlich in Rom und beendete die Ära der geteilten Residenzen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die drei Päpste lebten nicht gleichzeitig an drei festen Orten wie in einem modernen Hauptquartier. Es war eine Abfolge von Machtzentren, die durch politische Krisen erzwungen wurden: Rom und Avignon als die Hauptakteure, und Pisa als der Ort des verzweifelten, aber fehlgeschlagenen Versuchs, die Spaltung zu beenden, was ironischerweise kurzfristig zu drei Ansprüchen führte.

