Die einfache, aber irreführende Antwort: Marvel und Disney
Wenn wir von den Charakteren im Allgemeinen sprechen, die im Comicbuch-Kanon existieren, dann gehört Venom natürlich Marvel. Er ist tief verwurzelt in der Geschichte von Spider-Man, und seit Disney Marvel aufgekauft hat, liegt die ultimative Kontrolle bei diesem Medienriesen. Das ist die theoretische Wahrheit, die in jedem Comic-Lexikon steht. Ich finde, das wird oft als die einzige Wahrheit verkauft, aber das ist, als würde man nur die Verpackung eines Geschenks sehen und nicht den Inhalt.
Tatsächlich ist die Art und Weise, wie Marvel seit Jahren mit seinen Charakteren umgeht, sehr zentralisiert. Alle großen Entscheidungen, wer wann wo auftauchen darf, laufen über die Chefetage in New York. Aber das ist eben nur die Comic-Seite der Medaille. Sobald es um große Filmproduktionen geht, geraten wir in die Grauzonen, die durch Verträge aus den späten 90er Jahren entstanden sind.
Das komplizierte Filmrecht-Puzzle: Sony und der Deal
Hier wird es spannend, und ich glaube, das ist der Punkt, den die meisten Leute nicht verstehen, wenn sie fragen: Wem gehört Venom? Vor langer Zeit, als Sony Pictures die Rechte an Spider-Man erworben hat – und das war lange bevor Disney überhaupt an Marvel dachte –, sicherten sie sich nicht nur den Wandkrabbler selbst, sondern auch alle Charaktere, die eng mit ihm verbunden sind. Und Venom ist, nun ja, sehr eng verbunden.
Das bedeutet, dass Sony die Rechte besitzt, Filme über Venom zu produzieren, ohne zwingend Marvel Studios (also Disney) einbeziehen zu müssen. Das ist der Grund, warum wir die Tom Hardy Venom-Filme sehen, die sich anfühlen, als wären sie in einem leicht anderen Universum angesiedelt als die MCU-Filme mit Tom Holland. Sony hat die Filmrechte für die Charaktere rund um Spider-Man, solange sie diese aktiv nutzen. Es ist ein klassischer Fall von "Use it or lose it", vermute ich.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Sony und Marvel?
Ich habe bemerkt, dass diese beiden Giganten in den letzten Jahren gelernt haben, miteinander zu reden, was großartig für uns Fans ist. Es gibt diese komplizierten Vereinbarungen, die es Spider-Man erlauben, im MCU aufzutauchen, obwohl Sony die Filmrechte besitzt. Im Gegenzug scheint Sony die Erlaubnis zu haben, Venom in seinen eigenen Projekten zu entwickeln. Es ist ein Geben und Nehmen, das auf sehr spezifischen juristischen Klauseln basiert, die wir Außenstehende wahrscheinlich nie ganz durchschauen werden. Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich beeindruckend, wie sie das managen, auch wenn es manchmal zu seltsamen erzählerischen Lücken führt.
Wer hat Venom in den Comics erschaffen? Die kreativen Wurzeln
Wenn wir über Eigentum sprechen, müssen wir auch die Schöpfer würdigen, nicht wahr? Venom, wie wir ihn kennen – der außerirdische Symbiont, der sich an Eddie Brock bindet – ist im Grunde das Ergebnis einer Kette von Ereignissen und kreativen Köpfen. Die Idee für den Anzug kam ursprünglich von einem Leser namens Randy Schueller, der dafür von Marvel bezahlt wurde. Das ist eine tolle Anekdote.
Aber die eigentliche Ausarbeitung des Charakters, die Verbindung zu Spider-Man und die spätere Transformation zu dem Antihelden, den wir heute lieben, das ist das Werk von David Michelinie und dem damals aufstrebenden Künstler Todd McFarlane. Als McFarlane anfing, Venom zu zeichnen, explodierte die Popularität. Ich denke, man kann sagen, dass Michelinie und McFarlane die kreativen Eltern sind, aber Marvel ist der rechtliche Eigentümer des geistigen Eigentums, des sogenannten IP.
Häufige Missverständnisse: Ist Venom wirklich ein Bösewicht?
Viele Leute, die nur die neueren Filme gesehen haben, fragen sich vielleicht, ob Venom überhaupt Marvel gehört, weil er so anders agiert als die typischen Helden. Die Frage "Wem gehört Venom?" wird oft falsch gestellt. Die eigentliche Frage sollte sein: "Welche Version von Venom gehört wem?"
Im klassischen Sinne war Venom ein reiner Bösewicht, der Erzfeind von Spider-Man. Eddie Brock war getrieben von Hass. Aber im Laufe der Jahre, besonders in den 2000er Jahren, hat sich das gewandelt. Er wurde zu einem "Lethal Protector", einem Antihelden, der seine eigene, sehr brutale Moral hat. Ich persönlich bevorzuge diese dunklere Phase. Es ist dieses moralische Grau, das Venom so interessant macht, und es ist ein Beweis dafür, dass selbst ein vom Rechteinhaber kontrollierter Charakter eine enorme Entwicklung durchmachen kann.
Was bedeutet das für die Zukunft des Charakters im Kino?
Die Zukunft ist spannend, weil wir nun sehen, wie Sony und Marvel die Figur Venom wieder zusammenführen könnten, vielleicht sogar mit dem MCU. Wenn Venom eines Tages offiziell im Haupt-MCU ankommt, bedeutet das, dass Sony und Disney sich auf eine noch tiefere Ebene der Zusammenarbeit geeinigt haben, als wir es bisher gesehen haben. Das ist gut, weil es die Konsistenz der Geschichten stärkt.
Ich persönlich hoffe, dass sie die dunkle, fast schon komödiantische Chemie zwischen Eddie und dem Symbionten beibehalten. Diese innere Debatte, wer das Sagen hat, ist das Herzstück des Charakters. Wenn Disney die volle Kontrolle über die Filmrechte zurückerlangt oder wenn Sony entscheidet, dass die Partnerschaft nicht mehr rentabel ist, dann wird sich die Darstellung ändern. Aber momentan deutet alles darauf hin, dass wir weiterhin zwei parallele Venom-Welten haben werden, die sich gelegentlich berühren.
Mein Fazit zur Eigentumsfrage und was wirklich zählt
Also, um das zusammenzufassen, was ich mir über die Jahre zusammengesucht habe: Rechtlich gehört das geistige Eigentum Marvel/Disney. Aber die Filmrechte für die Spider-Man-Spin-offs – und Venom ist das größte Spin-off – liegen bei Sony, bis auf weiteres. Ich finde, das ist eine wunderbar chaotische Situation, die aber paradoxerweise zu einigen der besten Comic-Filme der letzten Jahre geführt hat.
Am Ende des Tages, egal wem die Verträge gehören, zählt für mich als Fan nur eines: Dass die Geschichten gut geschrieben sind und der Geist des Charakters erhalten bleibt. Wenn Sie das nächste Mal jemanden fragen, wem Venom gehört, können Sie ihm erzählen, dass es eine Geschichte ist, die komplizierter ist als eine einfache Antwort auf einer Postkarte. Es geht um Verträge, um die Vergangenheit von Spider-Man und um die unendliche Kreativität, die aus einem schwarzen Anzug entstehen kann.

