Der Kern des Problems: Die Fusion von Kasady und dem Symbionten
Man muss sich erst einmal vor Augen führen, was Carnage überhaupt ist. Wir reden hier nicht von einem Symbionten, der einfach nur hungrig ist oder einen schlechten Tag hat, wie es bei Venom manchmal der Fall ist. Nein, der Carnage Symbiont, dieser rote Ableger von Knulls Kräften (oder je nach Comic-Ära einfach ein fehlgeleiteter Klyntar), hat sich mit jemandem verbunden, der von Grund auf nihilistisch war. Ich habe mir einige der alten Hefte angesehen, und ich finde, dass die Verbindung zwischen Cletus Kasady und dem Symbionten eine Art perfektes, dunkles Echo geschaffen hat.
Kasady war schon vor der Symbiose ein Serienmörder, jemand, der Freude am Chaos hatte. Als der Symbiont ihn fand, hat er seine Macht nicht genutzt, um zu überleben oder vielleicht sogar Gutes zu tun – was wir bei Eddie Brock ja manchmal sehen, wenn er widerwillig zum Anti-Helden wird. Stattdessen hat der Symbiont Kasadys tiefste, destruktivste Wünsche verstärkt. Ich denke, das ist der entscheidende Unterschied: Venom wird durch seinen Wirt beeinflusst, aber Carnage wird durch Kasady perfektioniert.
Warum die Unterscheidung zwischen Symbiont und Wirt wichtig ist
Viele Leute fragen sich, ob der Symbiont an sich moralisch neutral ist. Das ist eine berechtigte Frage, weil wir wissen, dass Klyntar grundsätzlich keine Dämonen sind. Sie suchen nach einer Verbindung, oft nach Akzeptanz. Wenn man sich die Geschichte von Venom ansieht, sehen wir, dass Eddie Brock zwar brutal sein kann, aber er hat Linien, die er nicht überschreitet, zumindest nicht dauerhaft. Er hat eine Art Kodex entwickelt, der manchmal sogar dem Schutz Unschuldiger dient.
Aber bei Carnage? Bei Carnage gibt es diesen Kodex nicht. Ich habe den Eindruck, dass der Carnage Symbiont, weil er an Kasady gebunden ist, gelernt hat, dass absolute Anarchie und das Töten für den Spaß das höchste Gut sind. Es ist eine Art symbiotische Eskalation der Gewalt. Wenn wir also fragen, ist der Carnage Symbiont böse, müssen wir sagen: Ja, weil er sich entschieden hat, die dunkelste Seite seines Wirtes zu fördern, anstatt sie zu unterdrücken oder zu mildern. Das ist ein aktiver moralischer Fehltritt auf symbiotischer Ebene, ausgelöst durch den Menschen.
Die seltenen Momente, in denen Carnage "gut" erscheint (und was wirklich dahintersteckt)
Es gab natürlich diese Momente in den Comics, wo Carnage kurzzeitig mit Spider-Man oder Venom zusammengearbeitet hat. Das passiert meistens, wenn eine noch größere, existenzielle Bedrohung auftaucht, oft etwas, das die gesamte Erde oder sogar das Universum gefährdet – denken Sie an die Ereignisse um Knull oder bestimmte kosmische Schurken.
Aber das ist keine Moral, das ist reine Zweckgemeinschaft. Ich finde, man muss das ganz klar benennen: Wenn Carnage vorübergehend "gut" handelt, dann nur, weil die Alternative das Ende seiner eigenen Existenz bedeuten würde. Es ist keine altruistische Entscheidung. Sobald die größere Bedrohung beseitigt ist, oder sobald Kasady glaubt, dass er die Oberhand zurückgewonnen hat, kehrt er sofort zu seinem bevorzugten Zustand zurück: dem Massenmord. Diese kurzen Team-Ups sind für mich eher ein Beweis für seine extreme Rücksichtslosigkeit als für ein verborgenes gutes Herz.
Moralische Vergleiche: Carnage im Vergleich zu anderen Symbionten
Um die Frage besser einzuordnen, hilft es, ihn direkt mit seinem Vorgänger zu vergleichen. Venom ist oft ein Anti-Held, ein Beschützer der Underdogs, wenn er nicht gerade seinen eigenen Kopf durchsetzen will. Er hat eine Vergangenheit, die ihn formte, aber er hat auch die Chance zur Läuterung ergriffen, auch wenn es holprig zuging.
Carnage hingegen ist die pure, ungefilterte Chaos-Theorie in Aktion. Er wird oft als der ultimative Ausdruck des Bösen im Symbionten-Universum dargestellt. Ich habe gelesen, dass er einst gesagt hat, dass er das Leben nur als eine Reihe von Gelegenheiten sieht, um Blut zu vergießen – das ist eine Aussage, die Eddie niemals machen würde, selbst wenn er wütend ist. Sein Ziel ist nicht Macht, nicht Rache im klassischen Sinne, sondern die Zerstörung selbst. Das macht ihn aus meiner Sicht zu einer viel gefährlicheren und moralisch eindeutigeren Figur als viele andere Marvel-Bösewichte.
Was wäre nötig, damit Carnage jemals als "gut" gelten könnte?
Diese Frage ist fast philosophisch, aber ich versuche mal, realistisch zu bleiben, basierend auf dem, was wir über die Charaktere wissen. Damit Carnage jemals als "gut" gelten könnte, müsste entweder Cletus Kasady verschwinden oder komplett neu geschrieben werden, was die Essenz seiner Figur zerstören würde. Oder, und das ist vielleicht wahrscheinlicher im Comic-Universum, der Symbiont müsste von Kasady getrennt werden und eine neue, gesunde Bindung eingehen, vielleicht mit jemandem, der eine enorme Willensstärke besitzt, ähnlich wie Captain America oder Doctor Strange, um die dunkle Programmierung zu überschreiben.
Selbst dann wäre es zweifelhaft, ob er je wirklich "gut" wäre, oder nur "weniger böse". Ich neige dazu zu glauben, dass die Kombination aus Kasady und diesem spezifischen Symbionten eine Art moralischen Totalschaden darstellt. Es ist eine Verbindung, die nur für das Ende konzipiert wurde, nicht für den Aufbau.
Fazit: Carnage bleibt der Schrecken im Roten
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie mich fragen, ob Carnage gut oder böse ist, antworte ich mit einem klaren "Böse". Er repräsentiert die absolute Verneinung von Moral, verstärkt durch eine außerirdische Lebensform, die sich ihrem Wirt perfekt angepasst hat, um maximale Zerstörung anzurichten. Es ist faszinierend zu beobachten, wie tief diese Figur in die Dunkelheit reicht, aber es gibt keinen Raum für Interpretation, wenn es um seine Handlungen geht.
Dennoch, die Faszination bleibt. Vielleicht ist es gerade diese kompromisslose, fast schon künstlerische Darstellung des Bösen, die uns immer wieder dazu bringt, diese Frage erneut zu stellen. Was denken Sie, hätte eine andere Umgebung den Symbionten retten können?

