Erinnerst du dich noch an den Hype?
Ich meine, klar, manche kennen die Geschichte, aber wer war denn überhaupt BamSchool? Also, für alle, die neu im Raum sind: Das war dieses Projekt von Daniel Fröschl, einem Münchner, der ursprünglich als Physiklehrer unterwegs war. Aber irgendwie hat er gemerkt: Hey, Schule ist krass, aber die Leute wollen nicht nur Formeln, sie wollen verstehen. Und zwar Dinge, die sie im echten Leben brauchen – Finanzen, Psychologie, Klima, Politik. Sachen, die nicht im Lehrplan stehen, aber mega relevant sind.
Und dann kam der Durchbruch: YouTube. 2020, Anfang 2021 – die Videos explodierten. Ich erinnere mich noch, wie ich im Zug saß, Berlin–München, und mir zufällig dieses Video über Wie funktioniert eigentlich Inflation? anschaute. Fand ich erst langweilig – aber nach drei Minuten war ich geflasht. So einfach erklärt, mit diesen Zeichnungen, der ruhigen Stimme, diesem „Ich erklär’s dir wie im Café“-Vibe. Das war damals echt frisch.
Warum wurde BamSchool so groß?
Also, das war nicht nur Zufall. Daniel hatte was, das viele YouTuber nicht haben: Glaubwürdigkeit. Er war kein Finanzguru in Anzug, der von der Börse schwärmt, ohne je einen Schüler gesehen zu haben. Er war echt. Lehrer, mit Brille, Sweatshirt, ohne Show. Und das hat Vertrauen geschaffen.
Dazu kamen die Themen: „Wie funktioniert Kapitalismus?“, „Was ist so schlimm am CO₂?“, „Warum streiken Schüler fürs Klima?“ – alles Fragen, die Jugendliche hatten, aber niemand richtig beantwortete. Und BamSchool hat das auf YouTube gepackt, mit Animationen, klaren Beispielen, ohne zu beschönigen.
Ich erinner mich, wie meine kleine Schwester Anna damals – 15, Gymnasium in Stuttgart – plötzlich anfing, über Steuern zu quatschen beim Abendessen. „Papa, weißt du, dass du eigentlich mehr Steuern zahlen könntest, wenn du…“, und mein Vater guckte nur, als hätte sie Alien-Sprache gesprochen. Das war BamSchool. Die hat Jugendliche plötzlich interessiert an Dingen gemacht, die sonst nur langweilig klingen.
Aber dann… wurde es still
Und genau da fängt’s an, komisch zu werden. Irgendwann 2022, Anfang 2023 – fast nichts mehr. Keine neuen Videos. Instagram-Stories wurden seltener. Die App, die sie mal angekündigt hatten? Fehlanzeige. Die Website? Noch da, aber irgendwie… tot.
Ich hab rumgefragt, geschaut, gegoogelt – und rausgefunden: Daniel hat sich zurückgezogen. Nicht dramatisch, nicht mit einem Abschiedsvideo, sondern so… leise. Wie jemand, der sagt: „Okay, ich mach mal Pause. Vielleicht für immer.“
Und das ist das Seltsame: Es gab keine große Erklärung. Kein „Ich brenne aus“, kein „Ich mache jetzt was anderes“. Einfach Stille. Und das macht natürlich Gerüchte. Ich hab sogar mal in einem Reddit-Thread gelesen, jemand behauptete, die BamSchool hätte Schulden gehabt. Aber das konnte ich nirgends bestätigen. Klingt eher nach Internet-Mythos.
Eigentlich wollte er ja mehr als nur Videos
Das ist mir erst später klar geworden: BamSchool war nie nur ein YouTube-Kanal. Daniel wollte eine neue Lernform schaffen. Einen Ort, wo junge Leute selbst Themen vorschlagen, Inhalte mitgestalten, vielleicht sogar eine eigene Plattform aufbauen. Er hat mal in einem Interview gesagt: „Ich will keine Helden erzeugen, sondern Neugier wecken.“
Aber das braucht Geld. Und Zeit. Und Leute, die mitmachen. Und irgendwie… ist das nicht passiert. Oder es war zu viel. Vielleicht war der Druck einfach zu groß. Millionenaufrufe, Erwartungen, Follower, die jeden Tag was Neues wollen – das frisst dich auf, auch wenn du cool bleibst.
Und heute?
Die alten Videos sind noch da. Auf YouTube, über 500.000 Abonnenten. Manche haben über 3 Millionen Aufrufe. Und sie sind immer noch gut. Ehrlich, vor zwei Wochen hab ich mir noch mal das Video über Grundeinkommen angesehen – und fand es immer noch top. Aktuell, klar, fair.
Aber neue Inhalte? Nee. Daniel ist auf Social Media kaum noch aktiv. Auf Instagram letzter Post: Februar 2023. Twitter? Tot. Nur ab und zu ein Hinweis auf seinem alten Blog, dass er an Projekten arbeite. Aber was? Keine Ahnung.
Ich hab mal einer Freundin davon erzählt – Lena, sie unterrichtet SoWi in Hamburg – und die meinte: „Vielleicht war’s genau richtig, dass er aufhört. Nicht alles muss viral gehen. Manchmal reicht’s, wenn du ein paar Leute wirklich was beigebracht hast.“ Und irgendwie hat sie recht.
Was bleibt von BamSchool?
Ich glaube, das Wichtigste, was bleibt, ist die Idee. Dass Bildung nicht langweilig sein muss. Dass man komplexe Dinge einfach erklären kann – ohne zu dumm zu machen. Dass Lehrer auch online was bewegen können, ohne Influencer-Show abzuziehen.
Und ja, klar, es wäre cool gewesen, wenn’s weitergegangen wäre. Eine App, ein Netzwerk, mehr Schülerbeteiligung. Aber vielleicht war das nie der Punkt. Vielleicht war’s nur ein Moment. Ein kurzer, intensiver Blitz, der einfach… leuchtet. Und dann ausgeht.
You know what? Manchmal ist das okay. Nicht alles muss ewig laufen. BamSchool hat was verändert – zumindest bei mir. Seitdem guck ich anders auf YouTube. Frage mehr. Will verstehen. Und das, finde ich, war’s wert.
Ob Daniel das liest? Keine Ahnung. Aber wenn ja: Danke. Wirklich. Auch wenn du jetzt anders weitermachst – du hast was bewegt.
Und wer weiß? Vielleicht kommt ja irgendwann BamSchool 2.0. Mit mehr Ruhe, mehr Beteiligung, weniger Druck. Wäre cool. Aber auch ohne – die alten Videos? Die bleiben. Und die wirken weiter.
