Die Epoche, die traditionell mit der Geburt Jesu von Nazareth beginnt – die sogenannte Zeitenwende –, markiert einen der faszinierendsten und turbulentesten Abschnitte der europäischen und nahöstlichen Geschichte. Wenn man sich der historischen Frage widmet, wer in den Jahrzehnten und Jahrhunderten unmittelbar nach diesem epochalen Wendepunkt starb, blickt man auf ein gewaltiges Panorama aus Kaisern, Feldherren, Philosophen, Märtyrern und Rebellen. Die Jahre nach dem Beginn unserer Zeitrechnung waren keineswegs friedlich; sie waren geprägt von machtpolitischen Intrigen im Römischen Reich, blutigen Aufständen in den Provinzen und einem tiefgreifenden kulturellen Wandel, der die antike Welt von Grund auf umgestaltete.
Das Römische Weltreich im Umbruch: Die ersten Kaiser und ihre Sterbestunden
Im Zentrum der Macht, Rom, stand das Imperium Romanum unter der eisernen Hand des Prinzipats, das Augustus begründet hatte. Sein Tod im Jahr 14 n. Chr. in Nola leitete eine neue Phase des frühen KaiserTums ein. Als Augustus, der Schöpfer des römischen Friedens (Pax Romana), im hohen Alter verschied, hinterließ er ein straff organisiertes, aber auch verwundbares Reich. Sein Ableben war nicht nur ein biologisches Ereignis, sondern ein staatspolitischer Beben, das die Frage der Nachfolge aufwarf.
Sein Stiefsohn und Nachfolger Tiberius übernahm die Regentschaft, ein Mann, dessen späte Jahre auf der Insel Capri von Paranoia, Rückzug und grausamen Säuberungen gezeichnet waren. Als Tiberius im Jahr 37 n. Chr. in Misenum starb, war die Erleichterung im Senat und im Volk spürbar. Doch auf ihn folgte mit Caligula ein Herrscher, dessen Regierungszeit nach nur knapp vier Jahren in einem blutigen Attraktiv endete: Im Jahr 41 n. Chr. wurde Caligula von Verschwörern der Prätorianergarde ermordet. Dieser gewaltsame Tod zeigte exemplarisch, wie unsicher das Leben selbst an der Spitze der Weltmacht war. Es folgten die Tode weiterer historischer Schlüsselgestalten wie Kaiser Claudius (vermutlich 54 n. Chr. durch Gift) und schließlich der berüchtigte Untergang Neros im Jahr 68 n. Chr., der sich durch Selbstbezichtigung und Flucht seinem Ende entzog, als der Senat ihn zum Staatsfeind erklärte.
Die jüdische Welt und die Wirren in Judäa
Zeitgleich spielten sich in der Provinz Judäa und den angrenzenden Regionen dramatische Ereignisse ab. Die jüdische Gesellschaft stand unter starkem römischen Druck, was zu innergesellschaftlichen Spannungen und dem Aufkommen verschiedener messianischer Bewegungen führte. Während Herodes der Große bereits kurz vor Beginn der neuen Zeitrechnung (ca. 4 v. Chr.) verstarb, hinterließ seine Dynastie ein politisch instabiles Erbe.
Sein Sohn Herodes Antipas, der als Tetrarch von Galiläa und Peräa in die Geschichte einging, spielte eine zentrale Rolle im Leben und Wirken von Jesus von Nazareth sowie bei der Hinrichtung von Johannes dem Täufer. Antipas selbst starb im Exil, nachdem er politisch bei den römischen Machthabern in Ungnade gefallen war. Die Spannungen in Judäa eskalierten in den folgenden Jahrzehnten unaufhaltsam, was schließlich zum großen Jüdischen Krieg führte – einem Konflikt, der das Ende des Zweiten Tempels im Jahr 70 n. Chr. und den Tod Hunderttausender Menschen zur Folge hatte.
Die ersten christlichen Märtyrer und Apostel
Mit der Entstehung und Ausbreitung der jungen christlichen Bewegung nach dem Tod Jesu traten neue Persönlichkeiten auf die historische und hagiografische Bühne, deren gewaltsames Ende das kollektive Gedächtnis der frühen Kirche prägte. Die Apostel und ersten Gemeindeleiter mussten ihren Glauben häufig mit dem Leben bezahlen.
Stephanus: Er gilt traditionell als der erste christliche Märtyrer (Protomärtyrer). Seine Steinigung in Jerusalem, die in der Apostelgeschichte überliefert wird, markiert den Beginn der systematischen Verfolgung der Jerusalemer Urgemeinde.
Jakobus, der Ältere: Als einer der zwölf Apostel wurde er nach biblischem Zeugnis unter König Herodes Agrippa I. um das Jahr 44 n. Chr. mit dem Schwert hingerichtet.
Petrus und Paulus: Beide prägten das antike Rom durch ihre Missionstätigkeit und fanden dort der kirchlichen Überlieferung zufolge während der brutalen Christenverfolgungen unter Kaiser Nero (um 64–67 n. Chr.) den Märtyrtod – Petrus durch die Kreuzigung (angeblich kopfüber), Paulus als römischer Bürger durch das Schwert.
Interessanterweise bildete der Apostel Johannes hierbei eine Ausnahme: Er soll nach frühkirchlichen Überlieferungen als einziger der engsten Jünger eines natürlichen Altersendes gestorben sein, wenngleich er zuvor Verfolgung und Verbannung auf der Insel Patmos erleiden musste.
(Wird im nächsten Teil fortgesetzt mit den wissenschaftlichen Methoden zur Datierung antiker Todesfälle, den philosophischen Größen der Epoche und den Auswirkungen dieser Tode auf das antike Weltgefüge.)
Der Wandel der Antike: Bedeutende Persönlichkeiten nach der Zeitenwende
Die Epoche unmittelbar nach Beginn der christlichen Zeitrechnung war von gewaltigen politischen Umwälzungen, Machtkämpfen im Römischen Reich und radikalen gesellschaftlichen Veränderungen geprägt. Während die ersten Jahrzehnte des 1. Jahrhunderts n. Chr.
Römische Kaiser und ihr oft gewaltsames Ende
Mit dem Tod von Kaiser Augustus im Jahr 14 n. Chr. endete eine Ära des inneren Friedens (Pax Romana). Sein Adoptivsohn Tiberius übernahm die Macht, zog sich jedoch zunehmend auf die Insel Capri zurück, ehe er im Jahr 37 n.
Caligula (gestorben 41 n. Chr.): Seine kurze Herrschaft wurde zum Synonym für Tyrannei und exzessiven Wahnsinn. Er fiel schließlich einer Verschwörung der Prätorianergarde zum Opfer, die ihn nach nur knapp vier Jahren auf dem Thron niedermetzelte.
Claudius (gestorben 54 n. Chr.): Der Nachfolger Caligulas wurde von seiner eigenen Ehefrau Agrippina der Jüngeren der Überlieferung nach mit einem Teller Giftpilzen vergiftet, um ihrem leiblichen Sohn Nero den Weg zur Macht zu sichern.
Nero (gestorben 68 n. Chr.): Seine Herrschaft endete in totalem Chaos. Nach dem verheerenden Brand Roms, für den er oft verantwortlich gemacht wurde, und wachsendem Widerstand des Senats sowie der Legionen erklärte der Senat ihn zum Staatsfeind. Nero entging seiner Hinrichtung durch Selbst Mord.
Religiöse Führungspersönlichkeiten und das Schicksal der Apostel
Die neue Zeitrechnung sah auch das Aufkommen neuer religiöser Bewegungen, deren Protagonisten meist einen gewaltsamen Tod erlitten. Johannes der Täufer wurde zwischen 30 und 36 n. Chr. auf Befehl des Herodes Antipas enthauptet.
Auch die direkten Wegbegleiter und Jünger Jesu, die Apostel, starben in den darauffolgenden Jahrzehnten fast alle den Märtyrertod:
Petrus und Paulus: Beide fielen vermutlich während der ersten großen Christenverfolgung unter Kaiser Nero in Rom um das Jahr 64 bis 67 n. Chr. ihrem Glauben zum Opfer. Petrus soll laut traditioneller Überlieferung mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sein.
Jakobus, der Ältere: Er war der erste Apostel, dessen Hinrichtung (durch das Schwert auf Befehl von König Herodes Agrippa I. um das Jahr 44 n. Chr.) im Neuen Testament direkt dokumentiert ist.
Der Erste Jüdisch-Römische Krieg und das Jahr 70 n. Chr.
Ein epochaler Wendepunkt im östlichen Mittelmeerraum war der Jüdisch-Römische Krieg (66–73 n. Chr.). Im Jahr 70 n. Chr. stürmten die römischen Truppen unter dem Befehl des späteren Kaisers Titus die Stadt Jerusalem.
Die Zerstörung des Zweiten Tempels markierte das Ende des antiken jüdischen Opferkultes und stürzte die Region in eine tiefe humanitäre und religiöse Krise.
Tausende Menschen verloren bei der Belagerung und Eroberung Jerusalems ihr Leben, während die Überlebenden in die Sklaverei verkauft oder über die gesamte Mittelmeerwelt verstreut wurden (Diaspora).
Historischer Hinweis: Das 1. Jahrhundert nach Christi Geburt war somit nicht nur die Geburtsstunde einer Weltreligion, sondern auch eine Phase, in der politische Macht und gewaltsames Sterben untrennbar miteinander verknüpft waren.
Welcher Aspekt dieser bewegten Epoche – die römische Kaisergeschichte oder das Schicksal der frühen Christen und des Judentums – interessiert dich besonders?
