Ehrlich gesagt, ja – ein bisschen schon
Ich meine, ich bin kein Neurologe, aber wenn ich bei 35 Grad im Schatten versuche, eine E-Mail zu schreiben, die halbwegs Sinn ergibt, dann fällt mir das einfach schwerer. Und nein, das ist nicht bloß Faulheit – zumindest rede ich mir das ein. Tatsächlich zeigen Studien immer wieder: Hohe Temperaturen wirken sich negativ auf kognitive Leistung aus. Nicht dramatisch, aber deutlich genug, um nervig zu sein.
Vor zwei Jahren, im August – also so richtig Sommerhitzewelle – musste ich eine Präsentation für die Uni vorbereiten. Ich hatte mir extra den kühlen Keller ausgesucht, aber die Klimaanlage funktionierte nicht richtig. Nach zwei Stunden war ich mental fertig. Hatte drei Mal denselben Satz umformuliert, ohne dass er besser wurde. Und plötzlich fiel mir der Name von meinem eigenen Dozenten nicht ein. Jan? Jens? Jens! Jens Petersen! Ich war kurz vorm Heulen. Später las ich, dass solche „Mikro-Blackouts“ bei Hitze durchaus normal sind. Das hat mich irgendwie erleichtert.
Wie genau stört Hitze das Denken?
Unser Gehirn braucht Energie. Und bei Hitze muss der Körper zusätzlich arbeiten – schwitzen, Kreislauf stabil halten, Temperatur regulieren. Das kostet Ressourcen. Also wird dein Kopf quasi „unterversorgt“. Es ist, als würdest du zwei schwere Programme gleichzeitig auf einem alten Laptop laufen lassen. Irgendwas läuft dann automatisch langsamer – bei dir ist das oft die Konzentration.
Verschiedene Studien, unter anderem aus Harvard, haben gezeigt, dass Studenten in heißen Zimmern bei kognitiven Tests schlechter abschnitten. Selbst bei Temperaturen, die noch nicht extrem waren – also so um die 30 Grad. Die Reaktionszeit sank, die Fehlerquote stieg. Und besonders betroffen waren Aufgaben, die Aufmerksamkeit, logisches Denken oder Gedächtnis erforderten.
Interessant ist auch: Es reicht nicht aus, sich nur warm zu fühlen. Die Wirkung kommt direkt aus der körperlichen Temperatur. Wenn dein Gehirn ein paar Zehntel Grad wärmer wird, verlangsamen sich die neuronalen Prozesse. Ganz einfach. Du denkst dann nicht „dümmer“, aber langsamer. Und anfälliger für Ablenkung.
Und was ist mit der Stimmung?
Ach, das ist ein ganz anderes Thema. Weil Hitze auch einfach schlechte Laune macht, oder? Du schwitzt, bist müde, hast vielleicht Kopfschmerzen – und dann kommt noch die Hitzefrust-Stimmung dazu. Ich sag mal so: Wenn es draußen wie in einer Sauna ist, bin ich nicht gerade der empathischste Mensch. Ein Kollege fragt nach einem Stift, und ich denk schon: „Musst du jetzt stören?“
Und diese Gereiztheit – die frisst auch kognitive Kapazität. Weil du dann emotional reagierst statt rational. Du bist innerlich beschäftigt mit „Warum ist es so heiß?“ oder „Warum hat keiner die Jalousien runtergelassen?“, während du eigentlich eine Tabelle ausfüllen solltest. Also, indirekt macht Hitze auch deshalb das Denken schwerer: Weil sie dich aus dem emotionalen Gleichgewicht bringt.
Aber ist das bei allen gleich?
Nein, klar nicht. Meine Schwester zum Beispiel schwört darauf, dass sie im Sommer besonders kreativ ist. „Da fließen die Gedanken einfach“, sagt sie. Lebt auch in Hamburg, wo es selten so extrem heiß wird wie in München oder Berlin. Vielleicht gewöhnt man sich auch an gewisse Temperaturen? Ich weiß es nicht.
Was aber stimmt: Ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit Vorerkrankungen reagieren oft stärker auf Hitze. Aber auch gesunde Erwachsene merken den Effekt – besonders, wenn die Hitze anhält. Die sogenannte „Hitzeakkumulation“. Also wenn es Nacht für Nacht nicht richtig abkühlt. Dann kann das Gehirn sich nicht erholen. Und dann wird’s echt mühsam.
Was kann man dagegen tun?
Ganz ehrlich: Nicht viel, wenn du keine Klimaanlage hast. Aber kleine Dinge helfen. Ich trinke viel Wasser – nicht erst, wenn ich Durst habe, sondern regelmäßig. Und ich versuche, die heißesten Stunden des Tages für einfache Aufgaben zu nutzen. Aufräumen, E-Mails sortieren, Sachen abhaken. Für komplexere Sachen nehme ich mir die Morgenstunden oder Abendstunden, wenn’s kühler ist.
Einmal hab ich sogar versucht, mit einem Ventilator im Nacken zu arbeiten – klang doof, hat aber irgendwie geholfen. Weil der Luftzug das Gefühl von Schwüle ein bisschen gebrochen hat. Und: kalte Hände halten. Ich weiß nicht warum, aber wenn ich ein kaltes Getränk in der Hand halte, fühle ich mich mental klarer. Vielleicht psychologisch? Egal, funktioniert.
Fazit: Ja, Hitze bremst das Denken – aber du bist nicht dumm
Also, um es klar zu sagen: Du denkst bei Hitze nicht plötzlich wie ein Trottel. Aber dein Gehirn arbeitet unter erschwerten Bedingungen. Wie ein Sportler, der bei 90% Luftfeuchtigkeit laufen muss. Natürlich ist er langsamer – aber er ist immer noch fit.
Manchmal musst du dir einfach zugestehen: Heute ist kein Denktag. Und das ist okay. Du musst nicht jeden Gedanken perfekt formulieren. Manchmal reicht es, zu überleben. Und ein bisschen Eis essen. Ganz ehrlich – das hilft auch.
Weißt du, was ich letzte Woche gemacht hab? Hab die Arbeit nach draußen verlegt – in den Schatten, unter einen Baum. Mit Laptop, Wasserflasche und einer Banane. Ging überraschend gut. Natürlich nur, solange kein Wind war und das Display nicht geblendet hat. Aber das ist ein anderes Problem.
Hast du das auch – dass du bei Hitze einfach mental abschmierst? Oder bist du einer der Glücklichen, die dann besonders scharf denken? Ich glaub, das wäre ein super Superhelden-Power: Hitze = Intelligenz-Boost. Wär mal was anderes.
