Der ultimative Ratgeber: Die perfekte Rahmenhöhe für eine Körpergröße von 175 cm (Teil 1)
Die Wahl der richtigen Rahmenhöhe ist das A und O beim Fahrradkauf. Wer hier Kompromisse eingeht, riskiert nicht nur schmerzhafte Knie, Verspannungen im Nacken oder einen schmerzenden Rücken, sondern verschenkt auch wertvolle Kraft und Kontrolle auf dem Rad. Besonders bei einer Körpergröße von 175 cm stellt sich oft die Frage: Liege ich genau zwischen zwei Rahmengrößen?
In diesem ersten Teil unseres umfassenden Experten-Ratgebers tauchen wir tief in die Materie ein. Wir erklären dir Schritt für Schritt, warum die reine Körpergröße allein oft nicht ausreicht, wie du deine Schrittlänge richtig misst und welche Rolle die verschiedenen Fahrradkategorien bei der Wahl der perfekten Rahmengröße spielen.
Warum die Körpergröße allein trügt: Die Anatomie des Körpers
Zwei Menschen, die beide exakt 175 cm groß sind, können völlig unterschiedliche Körperproportionen haben. Person A hat vielleicht einen langen Oberkörper und relativ kurze Beine, während Person B über einen kurzen Rumpf und lange Beine (einen sogenannten „Sitzriesen“ bzw. lange Beine im Verhältnis zur Größe) verfügt.
Der Trugschluss: Würden beide exakt dasselbe Fahrrad mit derselben Rahmenhöhe kaufen, würde sich mindestens einer von beiden unwohl fühlen.
Die Lösung: Die Schrittlänge (auch Innenpfeil- oder Innenbeinlänge genannt) ist der entscheidende anatomische Messwert, der mit der Körpergröße kombiniert werden muss, um ein exaktes Ergebnis zu erhalten.
Schritt für Schritt: So misst du deine Schrittlänge richtig
Bevor du auch nur einen Blick auf Größentabellen wirfst, solltest du deine Schrittlänge ermitteln. Das geht ganz einfach zu Hause mit wenigen Handgriffen:
Hilfsmittel bereitstellen: Du brauchst ein Buch (mit hartem Einband), einen Zollstock oder ein Maßband und idealerweise eine Wasserwaage sowie eine zweite Person zum Helfen.
Die richtige Haltung: Stelle dich barfuß oder in Socken, mit leicht geöffneten Beinen (ca. 15 cm Abstand), mit dem Rücken gerade an eine Wand.
Das Buch ansetzen: Klemme dir das Buch zwischen die Beine und ziehe es so weit nach oben, wie es sich im Schritt angenehm anfühlt – so, als würdest du auf einem Fahrradsattel sitzen. Der Buchrücken muss dabei waagerecht zur Wand ausgerichtet sein (nutze hierbei die Wasserwaage).
Messen: Miss nun mit dem Zollstock den Abstand von der Oberkante des Buches (bzw. des Buchrückens) senkrecht bis zum Boden.
Notieren: Der abgelesene Wert in Zentimetern ist deine persönliche Schrittlänge. Bei einer Körpergröße von 175 cm liegt die durchschnittliche Schrittlänge meist zwischen 80 cm und 85 cm, es gibt jedoch Abweichungen nach oben und unten.
Die Faustformel zur Berechnung der Rahmenhöhe
Sobald du deine Schrittlänge ermittelt hast, kannst du die theoretische Rahmenhöhe für dein Fahrrad berechnen. Da sich die Geometrien je nach Fahrradtyp (Trekkingrad, Rennrad, Mountainbike) stark voneinander unterscheiden, gibt es unterschiedliche Faktoren, mit denen die Schrittlänge multipliziert wird.
Formel:
Je nachdem, welches Fahrrad du fahren möchtest, verändert sich dieser Faktor maßgeblich. Im Folgenden schauen wir uns die ersten beiden wichtigsten Fahrradkategorien im Detail an, um herauszufinden, welcher Rahmen bei 175 cm Körpergröße zu dir passt.
Kategorie 1: Das Trekking- und Citybike (Der Allrounder)
Trekking- und Cityräder sind auf Komfort, aufrechte Sitzpositionen und Alltagstauglichkeit ausgelegt. Hier fährst du meistens entspannt zur Arbeit, machst Wochenendtouren oder erledigst Einkäufe.
Der passende Faktor: Für Trekkingbikes liegt der Multiplikator für die Schrittlänge bei ca. 0,66 bis 0,70.
Das Rechenbeispiel: Angenommen, du bist 175 cm groß und hast eine durchschnittliche Schrittlänge von 82 cm.
Das bedeutet: Eine Rahmenhöhe zwischen 54 cm und 57 cm ist ideal für dich.
Tipp für Trekkingbikes: Liegst du genau zwischen zwei Größen (z. B. bietet ein Hersteller nur 53 cm und 56 cm an), gilt die goldene Regel:
Wähle den kleineren Rahmen, wenn du ein agileres, wendigeres Fahrverhalten bevorzugst oder eine sportlichere Haltung einnehmen möchtest.
Wähle den größeren Rahmen, wenn du extrem aufrecht sitzen und maximalen Langstreckenkomfort genießen willst.
Kategorie 2: Das Rennrad (Geschwindigkeit und Aerodynamik)
Beim Rennrad sieht die Welt völlig anders aus. Hier ist eine sportliche, gestreckte Sitzposition erwünscht, um den Luftwiderstand zu minimieren und effizient in die Pedale zu treten.
Der passende Faktor: Für Rennräder nutzt man einen niedrigeren Faktor, meist ca. 0,665 (oder klassisch Schrittlänge mal 0,665).
Das Rechenbeispiel: Bei derselben Schrittlänge von 82 cm:
Hier greift man im Regelfall zu einem Rahmen in 54 cm (oder je nach Marke 53/55 cm).
Viele Rennradfahrer bei einer Körpergröße von 175 cm landen in der Praxis meist bei einer Rahmenhöhe zwischen 52 cm und 56 cm, wobei 54 cm der absolute "Sweet Spot" für diesen Körperbau ist.
Im zweiten Teil dieses Experten-Artikels widmen wir uns ausführlich den Mountainbikes (Hardtails und Fully-Rahmen in Zoll), gehen auf die Besonderheiten von Gravelbikes ein und erklären dir, wie du bei einer Probefahrt sofort merkst, ob die Rahmenhöhe wirklich zu dir passt!
Welche Art von Fahrrad (z. B. Trekkingrad, Rennrad oder Mountainbike) möchtest du dir als Nächstes zulegen?
Unterschiedliche Fahrradtypen im Detail: Was bedeutet 175 cm Körpergröße für Trekking-, MTB- und Rennräder?
Die pauschale Aussage „Bei 175 cm Körpergröße passt Rahmengröße X“ greift zu kurz, sobald man den Einsatzzweck des Fahrrads betrachtet. Die Geometrie unterscheidet sich drastisch, je nachdem, ob Sie ein agiles Rennrad, ein geländegängiges Mountainbike oder ein komfortables Trekkingrad steuern möchten.
1. Das Trekking- und Cityrad: Komfort steht an erster Stelle
Bei Alltags- und Tourenrädern ist eine aufrechte Sitzposition oft erwünscht. Mit 175 cm Körpergröße bewegt sich die klassische Rahmenhöhe meist zwischen 50 cm und 54 cm (bzw. 28-Zoll-Laufräder vorausgesetzt).
Der Vorteil: Ein etwas kleinerer Rahmen (50 cm) lässt sich im Stadtverkehr durch eine längere Sattelstütze leicht anpassen und bleibt extrem handlich.
Der Nachteil: Wer zu aufrecht sitzt, drückt das gesamte Körpergewicht auf den Sattel, was bei langen Touren zu Sitzbeschwerden führen kann. Ein 54er-Rahmen bietet hier mehr Laufruhe auf langen Strecken.
2. Das Mountainbike (Hardtail und Fully): Kontrolle im Gelände
Im Offroad-Bereich hat sich in den letzten Jahren viel getan. Früher wurde in Zoll gemessen (hier liegt der Wert bei 175 cm meist bei 17 bis 19 Zoll oder in modernen Bezeichnungen oft bei M).
Moderne Geometrien (Long, Low, Slack): Heutige Mountainbikes haben längere Oberrohre und flachere Lenkwinkel. Dadurch sitzt man zentraler im Rad.
Die Empfehlung für 175 cm: Wer ein verspieltes, wendiges Bike sucht (z. B. für enge Kurven und Trails), greift eher zu Größe M (ca. 44–46 cm bzw. 17,5 Zoll). Wer eher tourig und mit viel Laufruhe unterwegs ist, kann bei vielen Herstellern auch zu L tendieren – vorausgesetzt, die Überstandshöhe (Abstand Oberrohr zum Schritt im Stand) stimmt.
3. Das Rennrad und Gravelbike: Aerodynamik und Effizienz
Auf dem Rennrad oder Gravelbike ist eine sportlichere Haltung gewünscht. Die klassische Formel für die Rahmenhöhe beim Rennrad (Körpergröße in cm mal 0,665) ergibt bei 175 cm einen Wert von ca. 116 cm, was umgerechnet in Rahmenhöhen etwa 52 cm bis 55 cm entspricht (abhängig von der Hangneigung des Oberrohrs – Sloping-Geometrie).
Gravelbikes: Da diese Kategorie Komfort und Sportlichkeit verbindet, wählen viele Fahrer bei 175 cm eine Rahmenhöhe von 53 bis 54 cm oder Größe M. Ein etwas kürzerer Rahmen mit höherem Steuerrohr verhindert Nackenschmerzen auf langen Schotterpisten.
Jenseits der Norm: Warum Schrittlänge und Proportionen entscheidend sind
Zwei Menschen mit exakt 175 cm Körpergröße können völlig unterschiedlich gebaut sein. Der eine hat einen langen Oberkörper und kurze Beine (Sitzriese), die andere lange Beine und einen kurzen Oberkörper (Langbeiner). Das führt dazu, dass die reine Rahmenhöhe nur die halbe Miete ist.
Wichtiger Merksatz: Die Überstandshöhe schützt vor schmerzhaften Kontakten mit dem Oberrohr, während die effektive Oberrohrlänge (zusammen mit dem Vorbau) darüber entscheidet, ob Sie entspannt oder verkrampft auf dem Rad sitzen.
So bestimmen Sie Ihre Schrittlänge richtig:
Stellen Sie sich ohne Schuhe mit dem Rücken an eine gerade Wand.
Klemmen Sie ein Buch (am besten mit einer Wasserwaage obendrauf) möglichst waagerecht zwischen Ihre Beine – so, wie später der Fahrradsattel sitzen würde. Der Druck nach oben sollte dem einer echten Sattelbelastung entsprechen.
Messen Sie mit einem Maßband den Abstand vom Boden bis zur Oberkante des Buches in Zentimetern.
Multipliziert man diesen Wert (typischerweise liegt er bei 175 cm Körpergröße irgendwo zwischen 78 cm und 84 cm) mit dem Faktor 0,66 (für Trekking/Cross) oder 0,685 (für Rennrad), erhält man die individuell passende Rahmenhöhe.
Beispiel: Bei einer Schrittlänge von 82 cm und einem Trekkingrad ergibt das: cm. Hier wäre ein 54er-Rahmen ideal.
Stack und Reach: Die modernen Geometriedaten verstehen
Wer sich professionell mit dem Fahrradkauf auseinandersetzt, schaut heute nicht mehr nur auf die klassische Rahmenhöhe, sondern auf zwei geometrische Kernwerte:
Stack (Überstandshöhe bzw. vertikale Rahmentiefe): Gibt an, wie hoch das Steuerrohr gemessen von der Tretlagerachse aus ist. Ein hoher Stack bedeutet eine aufrechtere, rückenfreundlichere Position.
Reach (Reichweite bzw. horizontale Rahmendistanz): Misst den horizontalen Abstand von der Tretlagermitte bis zur Mitte des Steuerrohrs. Ein langer Reach erfordert einen gestreckteren Oberkörper.
Für eine Person mit 175 cm Körpergröße liegt ein typischer Reach im Rennradbereich je nach Vorliebe zwischen 380 mm und 395 mm, während der Stack sich meist um 550 mm bis 580 mm bewegt. Wer eher auf Langstreckenkomfort ausgrenzt, sucht nach Werten mit etwas mehr Stack und weniger Reach (oft als "Endurance-Geometrie" bezeichnet).
Feinabstimmung: Wie Sie einen fast passenden Rahmen perfekt machen
Häufig steht man vor dem Dilemma, dass man genau zwischen zwei Rahmengrößen liegt (z. B. zwischen 52 cm und 54 cm oder M und L). Keine Sorge: Ein nicht zu 100 Prozent perfekter Rahmen lässt sich durch kluge Komponentenwahl anpassen:
Der Vorbau (Stem): Ist das Rad zu lang, können Sie einen kürzeren Vorbau (z. B. statt 100 mm nur 80 mm) montieren. Das verkürzt die Sitzposition spürbar und macht das Lenkverhalten direkter. Ist es zu kurz, wählen Sie einen längeren Vorbau.
Die Sattelposition: Durch das Verschieben des Sattels auf den Sattelstreben (nach vorn oder hinten) lässt sich der Kniewinkel zur Tretlagerachse optimal einstellen. Achten Sie darauf, die Sattelhöhe primär nach der Beinstrecke (fast durchgestrecktes Bein bei unterster Pedalstellung, leichte Kniebeuge) und nicht zur Korrektur der Rahmengröße zu missbrauchen.
Lenker und Spacer: Über Spacer (Distanzringe unter dem Vorbau) lässt sich die Lenkerhöhe bei vielen modernen Rädern um einige Zentimeter variieren, um den Rücken zu entlasten.
Fazit: Der Weg zum perfekten Fahrrad für 175 cm
Mit einer Körpergröße von 175 cm haben Sie den großen Vorteil, dass Sie bei fast allen Fahrradmarken eine exzellente Auswahl in den Standardgrößen (M, 52–54 cm oder 18 Zoll) finden.
Nichts ersetzt jedoch die klassische Probefahrt. Gehen Sie im Idealfall zu einem Fachhändler, der Ihr Rad vermisst oder zumindest einen Ergonomie-Check durchführt. Achten Sie beim Aufsteigen darauf, dass Sie im Stand sicher mit beiden Füßen den Boden berühren (zumindest mit den Ballen), dass die Schultern beim Greifen des Lenkers entspannt bleiben und dass Ihre Knie beim Treten eine flüssige, gerade Linie beschreiben.
Wenn diese Grundvoraussetzungen stimmen, steht unzähligen Kilometern Fahrspaß – egal ob auf dem Weg zur Arbeit, im steilen Gelände oder auf dem Rennrad-Abenteuer – absolut nichts mehr im Weg.
Haben Sie beim Fahrradkauf schon einmal die Erfahrung gemacht, genau zwischen zwei Größen zu liegen, und wie haben Sie das Problem gelöst?
