Ein Muli ist kein Packesel – oder doch?
Also, erstmal kurz zur Klärung: Ein Muli ist das Kind aus einem Pferd und einem Esel. Meistens ist die Mama ein Pferd, der Papa ein Esel. Und das Ergebnis? Ein Tier, das stärker ist als ein Esel, ausdauernder als ein Pferd, und mit einem Charakter, der… sagen wir mal… interessant ist. Hartnäckig. Intelligent. Manchmal stur. Aber wenn es dich mag, dann bist du sein bester Freund.
Vor zwei Jahren war ich in Südfrankreich, unterwegs mit einer kleinen Trekkinggruppe. Unser Guide hieß Julien, ein Kerl mit buschigen Augenbrauen und einer Stimme wie Kies. Er hat uns gleich am ersten Tag gesagt: „Ein Muli trägt maximal 20 Prozent seines Körpergewichts. Punkt.“ Klingt einfach, oder? Aber dann sah ich, wie er selbst einem der Tiere fast 80 Kilo auflud – und das Muli war vielleicht 380 Kilo schwer. Also irgendwie knapp drüber. Und Julien meinte nur: „Ach, das geht schon. Der ist stark. Und der Pfad ist gut.“
Die 20-Prozent-Regel – Mythos oder Regel?
Also, die 20-Prozent-Regel ist überall zu finden. In Reiterforen, in Trekkingbüchern, sogar auf offiziellen Seiten von Naturschutzgebieten. Aber – und das ist ein großes Aber – es ist keine gesetzliche Vorschrift, zumindest nicht überall. In Deutschland gibt’s da kaum klare Gesetze für Mulis. In Österreich und der Schweiz ist’s strenger, vor allem wenn es um gewerblichen Transport geht.
Aber praktisch gesehen: Ja, 20 Prozent sind eine gute Faustregel. Bei einem durchschnittlichen Muli mit 400 Kilo wären das 80 Kilo. Und das ist schon eine Menge. Stell dir vor, du müsstest 16 Kilo auf dem Rücken durch die Berge schleppen – und das den ganzen Tag. Genau. Nicht lustig. Und das Muli trägt fast das Fünffache.
Aber was zählt wirklich?
Die Zahl allein sagt nicht alles. Ehrlich gesagt, viel wichtiger ist: Wie ist das Gepäck verteilt? Ist der Sattel gut gepolstert? Wie ist das Wetter? Wie steil ist der Weg? Und – ganz wichtig – wie fit ist das Tier?
Ich hab mal gesehen, wie ein Muli mit 70 Kilo locker einen steilen Hang hochspazierte, während ein anderes mit 60 Kilo schwitzte und langsamer wurde. Der Unterschied? Das erste war trainiert, kannte den Weg, war entspannt. Das zweite war jung, unerfahren, und sichtlich überfordert. Also: Körpergewicht ist eine Sache. Kondition, Alter, Temperament – das ist mindestens genauso wichtig.
Die Schweizer machen’s vor – mit Regeln
In der Schweiz, wo ich letztes Jahr eine Tour gemacht hab, ist alles ein bisschen strenger. Da darf ein Muli maximal 70 Kilo tragen, und das auch nur, wenn der Pfad befahrbar ist und das Tier regelmäßig Pausen kriegt. Außerdem muss der Führer eine Ausbildung nachweisen. Gefällt mir ehrlich gesagt ganz gut. Da merkt man, dass Tierschutz nicht nur ein Wort ist.
Ein Guide aus Zermatt, den ich getroffen hab – Pascal, glaub ich – meinte: „Wir messen nicht nur das Gewicht, sondern auch die Herzfrequenz der Tiere. Wenn der Puls zu hoch ist, machen wir Schluss. Punkt.“ Respekt, fand ich. Nicht jeder macht das.
Und was ist mit dem Gepäck?
Übrigens: Es geht nicht nur um Gewicht, sondern auch um Balance. Wenn das Gepäck schlecht verteilt ist, kann selbst 60 Kilo das Tier lahmlegen. Ich hab mal einen Typen gesehen, der seine Ausrüstung einfach mit Kordel drumgebunden hat. Sah aus wie ein Paket vom Online-Shop. Das arme Muli hinkte sofort. Julien – ja, der aus Frankreich – hat ihm dann geholfen, alles neu zu packen. Mit richtigem Sattel, gepolstert, symmetrisch. Danach ging’s besser. Also: Gutes Equipment ist halbe Miete.
Meine eigene Erfahrung – und ein schlechtes Gefühl
Vor drei Jahren war ich in Norditalien, in den Dolomiten. Klein, abgelegen, wunderschön. Aber der lokale Anbieter… naja. Die Mulis sahen müde aus. Eines hatte offene Stellen am Rücken. Und sie trugen alle über 80 Kilo. Ich hab nichts gesagt. Fühlte mich schlecht danach. Bis heute. Weil: Wir als Touristen haben auch Verantwortung. Wenn was falsch aussieht, sollten wir fragen. Oder den Anbieter wechseln.
Du weißt, was ich meine? Man will ja entspannen, die Natur genießen. Aber nicht auf Kosten eines Tieres.
Zusammenfassung: Wie viel darf’s denn jetzt sein?
Also, um es klar zu sagen: 80 Kilo ist das absolute Maximum – und das auch nur bei einem gut trainierten, gesunden Muli auf gutem Gelände. Aber ideal sind eher 60 bis 70 Kilo. Und nochmal: Es kommt auf so viel mehr an als nur die Zahl auf der Waage.
Wenn du planst, mit Mulis unterwegs zu sein – frag nach. Wie alt sind die Tiere? Wie oft machen sie Pause? Werden sie tierärztlich betreut? Und: Wie wird das Gepäck verteilt? Ein guter Guide freut sich über solche Fragen. Ein schlechter weicht aus.
Und am Ende: Ein Muli ist kein Lastesel aus dem 19. Jahrhundert. Es ist ein Lebewesen. Stark, ja. Belastbar, klar. Aber auch sensibel. Und wenn du es richtig behandelst, trägt es dich nicht nur durch die Berge – sondern bleibt dir auch im Herzen hängen.
Übrigens: Mein Lieblingsmuli hieß Bruno. Hat mir mal fast das Zelt geklaut. Aber das ist eine andere Geschichte…
