Das Beben in Europa: Warum Italien zum zweiten Mal zuschaut
Es ist eine der größten Anomalien der modernen Fußballgeschichte: Eine Nation gewinnt die Europameisterschaft und scheitert nur wenige Monate später an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Italien, ein vierfacher Weltmeister, fehlte nach 2018 zum zweiten Mal in Folge bei einer Endrunde. Wer sich fragt, wer ist bei der WM 22 nicht dabei, kommt an der Squadra Azzurra nicht vorbei. Das Scheitern im Playoff-Halbfinale gegen Nordmazedonien durch ein Gegentor in der 92. Minute markierte einen historischen Tiefpunkt für den italienischen Fußball.
Die Gründe für dieses Desaster sind vielschichtig. Nach dem Triumph bei der Euro 2020 schlich sich eine gewisse Selbstgefälligkeit ein, gepaart mit einer eklatanten Abschlussschwäche. In der Gruppenphase vergab Jorginho zwei entscheidende Elfmeter gegen die Schweiz – zwei Fehlschüsse, die letztlich den direkten Weg nach Katar versperrten. Mit einem Kader-Marktwert von über 600 Millionen Euro war Italien das teuerste Team, das die Qualifikation verpasste. Die strukturellen Probleme in der Nachwuchsförderung der Serie A traten erneut offen zutage, da immer weniger junge italienische Talente Spielzeit in den Top-Klubs erhalten. Es ist ein Paradoxon, dass eine Liga, die taktisch als eine der anspruchsvollsten gilt, es nicht schafft, gegen eine Mannschaft wie Nordmazedonien, die auf Rang 67 der FIFA-Weltrangliste stand, ein Tor zu erzielen.
Neben Italien mussten auch andere europäische Schwergewichte zu Hause bleiben. Schweden, angeführt von einem alternden, aber immer noch präsenten Zlatan Ibrahimović, scheiterte im Playoff-Finale an Polen. Österreich und Tschechien konnten ebenfalls nicht das Ticket lösen, was die Dichte an Qualität in der UEFA-Zone unterstreicht. Wenn wir analysieren, wer ist bei der WM 22 nicht dabei, wird deutlich, dass das europäische Playoff-System keinen Raum für Fehler lässt. Ein schlechter Tag im März reicht aus, um die Arbeit von zwei Jahren zu vernichten.
Afrikas Schmerz: Das brutale Playoff-System der CAF
In Afrika ist die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft oft härter als das Turnier selbst. Das System sieht vor, dass die zehn Gruppensieger in fünf direkten Duellen mit Hin- und Rückspiel die Teilnehmer ermitteln. Dies führte dazu, dass absolute Giganten des Kontinents auf der Strecke blieben. Mohamed Salah, einer der besten Stürmer der Premier League, war der prominenteste afrikanische Name auf der Liste derer, die bei der WM 22 nicht dabei waren. Ägypten unterlag im Elfmeterschießen gegen den Senegal – eine bittere Wiederholung des Afrika-Cup-Finales nur wenige Wochen zuvor.
Diese Duelle sind oft von einer Intensität geprägt, die an die Grenze des Erlaubten geht. In Dakar wurden die ägyptischen Spieler während des Elfmeterschießens massiv mit Laserpointern irritiert. Dass ein Spieler vom Kaliber eines Salahs nicht auf der größten Bühne der Welt vertreten ist, schmerzt nicht nur die Fans in Liverpool, sondern mindert auch die globale Strahlkraft des Turniers. Aber Ägypten war nicht allein. Nigeria, die "Super Eagles", verpassten die Qualifikation aufgrund der Auswärtstorregel gegen Ghana. Ein 1:1 im Rückspiel in Abuja reichte nicht aus, um die enthusiastischen Fans zu beruhigen, was nach dem Spiel zu Ausschreitungen im Stadion führte.
Algerien erlebte das vielleicht grausamste Szenario. In der 118. Minute der Verlängerung gegen Kamerun erzielten sie das vermeintliche Siegtor, nur um in der 124. Minute durch Karl Toko Ekambi den K.o.-Schlag zu erhalten. Riyad Mahrez, ein weiterer Weltstar von Manchester City, musste somit ebenfalls zusehen. Wenn man die Frage stellt, wer ist bei der WM 22 nicht dabei, muss man die Härte des afrikanischen Modus kritisieren. Teams, die in der FIFA-Weltrangliste weit oben stehen, eliminieren sich gegenseitig, während in anderen Konföderationen deutlich schwächere Mannschaften leichtere Wege nach Katar hatten.
Südamerikas Wachablösung: Der Niedergang von Chile und Kolumbien
In Südamerika hat sich das Machtgefüge verschoben. Über ein Jahrzehnt lang waren Chile und Kolumbien feste Größen im Weltfußball. Chile gewann zweimal die Copa América (2015, 2016) und Kolumbien begeisterte mit Spielern wie James Rodríguez und Radamel Falcao. Doch zur WM 2022 blieben beide Nationen auf der Strecke. Die "Goldene Generation" Chiles um Arturo Vidal und Alexis Sánchez ist in die Jahre gekommen, und der Übergang zu jüngeren Talenten wurde schlichtweg verschlafen. Mit nur 19 Punkten aus 18 Spielen belegte Chile lediglich den siebten Platz in der Südamerika-Qualifikation.
Kolumbien hingegen scheiterte an einer beispiellosen Torflaute. Die Mannschaft blieb sieben Spiele in Folge ohne eigenen Treffer – ein Negativrekord, der bei der vorhandenen Offensivqualität mit Luis Díaz und Duván Zapata kaum zu erklären war. Am Ende fehlte ein einziger Punkt auf den Playoff-Platz, den sich Peru sicherte (die dann wiederum gegen Australien verloren). Ich denke, dass der Misserfolg Kolumbiens vor allem ein psychologisches Problem war; der Druck, die Erfolge von 2014 und 2018 zu wiederholen, lähmte das Team in den entscheidenden Momenten.
Die Abwesenheit dieser beiden Nationen bedeutete auch, dass wir auf die leidenschaftlichen Fans aus Bogotá und Santiago verzichten mussten, die normalerweise zu den farbenfrohsten bei jeder Weltmeisterschaft gehören. Dass Ecuador stattdessen das Ticket löste, zeigt, dass physische Stärke und eine konsequente taktische Ausrichtung momentan mehr wert sind als die verblasste individuelle Klasse alternder Stars. Wer also wissen will, wer ist bei der WM 22 nicht dabei, sieht hier ein klares Beispiel für den natürlichen Zyklus im Sport: Wenn der Umbruch nicht rechtzeitig eingeleitet wird, folgt unweigerlich der Absturz.
Erling Haaland und die norwegische Sehnsucht
Es ist fast schon tragisch, dass der derzeit wohl beste Mittelstürmer der Welt, Erling Haaland, bei einer Weltmeisterschaft zuschauen muss. Norwegen hat sich seit 1998 für kein großes Turnier mehr qualifiziert. Trotz einer Offensive, die mit Haaland und Martin Ødegaard von Arsenal London zwei absolute Weltklasse-Akteure besitzt, reichte es in der Qualifikationsgruppe G nur für den dritten Platz hinter den Niederlanden und der Türkei. Haaland verpasste zudem verletzungsbedingt entscheidende Spiele in der Endphase der Qualifikation, was die Abhängigkeit der Norweger von ihrem Ausnahmespieler verdeutlichte.
Das Fehlen von Haaland bei der WM 2022 war ein herber Verlust für das Branding des Turniers. Sponsoren und TV-Anstalten setzen auf Gesichter, und Haaland ist nach dem Abgang von Messi und Ronaldo aus Europa das neue Gesicht des Fußballs. Seine Quote von fast einem Tor pro Spiel in der Premier League lässt erahnen, was er in Katar hätte ausrichten können. Doch Fußball bleibt ein Mannschaftssport, und die norwegische Defensive konnte das Niveau der Offensive zu keinem Zeitpunkt halten. Wer ist bei der WM 22 nicht dabei? Ein Phänomen namens Haaland, das wahrscheinlich noch einige Jahre warten muss, bis die Infrastruktur des norwegischen Verbandes genug Qualität produziert, um ihn zu unterstützen.
Interessanterweise ist Norwegen kein Einzelfall. Auch andere Nationen mit einzelnen Top-Stars scheiterten. Jan Oblak, einer der besten Torhüter der Welt, fehlte mit Slowenien ebenso wie David Alaba mit Österreich. Diese Spieler teilen das Schicksal, in Nationen geboren zu sein, deren kollektive Stärke nicht immer für die Weltspitze ausreicht. Es bleibt die Hoffnung, dass die Aufstockung der WM auf 48 Teams ab 2026 solchen Spielern öfter die Bühne bietet, die sie verdienen.
Verletzungspech: Wenn der Körper den WM-Traum zerstört
Die Weltmeisterschaft 2022 fand mitten in der europäischen Saison statt, was zu einer enormen Belastung für die Profis führte. Die Liste der Spieler, die aufgrund von Verletzungen nicht dabei waren, liest sich wie eine Weltauswahl. Besonders hart traf es den Titelverteidiger Frankreich. Das zentrale Mittelfeld, das 2018 maßgeblich für den Titelgewinn verantwortlich war, existierte nicht mehr: Paul Pogba und N'Golo Kanté fielen beide monatelang aus. Kurz vor dem ersten Gruppenspiel erwischte es dann auch noch Karim Benzema im Training. Der frisch gekürte Weltfußballer musste Katar verlassen, bevor das Turnier für ihn überhaupt begonnen hatte.
Auch die deutsche Nationalmannschaft blieb nicht verschont. Timo Werner zog sich kurz vor der Nominierung einen Riss des Syndesmosebandes zu, was die ohnehin prekäre Stürmersituation bei der DFB-Elf verschärfte. Marco Reus, der Pechvogel der Nation, verpasste aufgrund einer Knöchelverletzung erneut ein großes Turnier, nachdem er bereits 2014, 2016 und 2021 fehlte. Diese Ausfälle verändern die Statik einer Mannschaft fundamental. Ohne Werner fehlte Deutschland die Tiefe im Spiel, ohne Kanté fehlte Frankreich die defensive Absicherung.
Ein weiterer prominenter Name auf der Liste "Wer ist bei der WM 22 nicht dabei" war Sadio Mané. Der senegalesische Anführer verletzte sich im letzten Bundesligaspiel vor der WM am Wadenbeinköpfchen. Trotz intensiver Behandlungsversuche und sogar dem Einsatz von traditionellen Heilern in seiner Heimat musste er operiert werden. Mané war das Herzstück des afrikanischen Meisters, und sein Fehlen schwächte den Senegal psychologisch und spielerisch massiv. Die Winter-WM hat gezeigt, dass die Regeneration zwischen Vereinsfußball und Nationalmannschaft bei nur einer Woche Vorbereitungszeit kaum möglich ist, was die Verletzungsrate signifikant nach oben trieb.
Taktische Härte: Warum Stars wie Sergio Ramos zu Hause blieben
Manchmal ist es nicht das Unvermögen in der Qualifikation oder eine Verletzung, die einen Spieler ausschließt, sondern die bewusste Entscheidung eines Trainers. Diese Form des Fehlens ist für die Betroffenen oft am schmerzhaftesten. In Spanien sorgte Luis Enrique für Schlagzeilen, als er Legenden wie Sergio Ramos und Thiago Alcântara nicht in den Kader berief. Enrique verfolgte eine strikte Philosophie des Kollektivs und des Positionsspiels, in der große Egos oder Spieler, die nicht perfekt in sein Pressing-System passten, keinen Platz hatten. Trotz der Erfahrung von 180 Länderspielen musste Ramos das Turnier vom Sofa aus verfolgen.
In Deutschland gab es ähnliche Diskussionen um Mats Hummels. Bundestrainer Hansi Flick entschied sich gegen den erfahrenen Dortmunder, da er auf mehr Geschwindigkeit in der Innenverteidigung setzen wollte – eine Entscheidung, die nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Mannschaft in der Vorrunde heftig kritisiert wurde. Hummels hatte zu diesem Zeitpunkt eine starke Hinrunde gespielt, doch Flick bevorzugte jüngere Alternativen wie Nico Schlotterbeck oder Armel Bella-Kotchap. Wer ist bei der WM 22 nicht dabei? Oft sind es diejenigen, deren Spielstil nicht mehr zum modernen, hochintensiven Umschaltspiel passt, das viele Nationaltrainer heute forcieren.
Auch Brasilien ließ namhafte Spieler zu Hause. Roberto Firmino, der beim FC Liverpool jahrelang zur Stammformation gehörte, fand keine Berücksichtigung im Kader von Tite. Die Konkurrenz in der Seleção war schlichtweg zu groß mit Spielern wie Richarlison, Gabriel Jesus und Gabriel Martinelli. Diese Härte in der Selektion zeigt, dass der Name allein nicht mehr ausreicht, um bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Die taktische Disziplin und die aktuelle Formkurve in den vier Wochen vor dem Turnier sind die entscheidenden Parameter für die Trainer geworden.
Der wirtschaftliche und sportliche Impact fehlender Top-Nationen
Das Fehlen großer Nationen hat nicht nur sportliche, sondern auch enorme wirtschaftliche Auswirkungen. Wenn Italien nicht dabei ist, fehlen den FIFA-Sponsoren rund 60 Millionen potenzielle Zuschauer in einem kaufstarken Markt. Die Einschaltquoten bei der WM 2022 in Ländern wie Italien oder Kolumbien brachen im Vergleich zu den Vorjahren massiv ein. Schätzungen zufolge verliert ein Verband wie der italienische durch das Verpassen einer Endrunde Einnahmen in Höhe von etwa 100 bis 150 Millionen Euro – zusammengesetzt aus entgangenen Preisgeldern, Sponsorenboni und Merchandising-Verkäufen.
Sportlich gesehen führt die Abwesenheit von Teams wie Chile oder Nigeria dazu, dass das Niveau in der Breite zwar ausgeglichener wirkt, aber die Spitzenqualität in der K.o.-Phase manchmal leidet. Ein Achtelfinale ohne die taktische Finesse der Italiener oder die individuelle Klasse eines Mohamed Salah ist objektiv betrachtet ärmer an Highlights. Auf der anderen Seite bietet es Platz für Überraschungen wie Marokko, die als erste afrikanische Mannschaft das Halbfinale erreichten. Dennoch bleibt die Frage, wer ist bei der WM 22 nicht dabei, ein wichtiges Thema für die FIFA, die durch die Aufstockung der Teilnehmerzahl ab 2026 sicherstellen will, dass die großen Märkte und die globalen Superstars fast garantiert vertreten sind.
Die Marktwert-Analyse zeigt: Die wertvollste "Nicht-Teilnehmer-Elf" der WM 2022 hätte einen Gesamtwert von über 800 Millionen Euro gehabt. Mit Spielern wie Jan Oblak im Tor, Milan Škriniar in der Abwehr, Marco Verratti im Mittelfeld und dem Sturmduo Haaland/Salah wäre diese Mannschaft ein ernsthafter Titelkandidat in Katar gewesen. Diese Diskrepanz zwischen individuellem Marktwert und tatsächlicher Turnierteilnahme ist ein Phänomen, das zeigt, wie sehr der Erfolg auf Nationalmannschaftsebene von funktionierenden Strukturen im Verband abhängt.
FAQ: Häufige Fragen zur Abwesenheit bei der WM 2022
Warum war Italien bei der WM 2022 nicht dabei?
Italien scheiterte überraschend im Playoff-Halbfinale der europäischen Qualifikation an Nordmazedonien (0:1). Zuvor hatten sie in ihrer Qualifikationsgruppe hinter der Schweiz nur den zweiten Platz belegt. Es war das zweite Mal in Folge nach 2018, dass der vierfache Weltmeister die Endrunde verpasste.
Welche Top-Stürmer fehlten in Katar?
Die prominentesten Stürmer, die fehlten, waren Erling Haaland (Norwegen), Mohamed Salah (Ägypten), Victor Osimhen (Nigeria) und Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun). Zudem fielen Karim Benzema und Sadio Mané kurz vor Turnierbeginn verletzungsbedingt aus, obwohl sie für ihre Kader nominiert waren.
Gibt es große Nationen, die noch nie bei einer WM dabei waren?
Während Nationen wie Italien oder Chile dieses Mal fehlten, gibt es bevölkerungsreiche Länder wie Indien oder Indonesien, die sportlich bisher kaum eine Rolle spielten. In Bezug auf die WM 2022 war jedoch das Fehlen etablierter Kräfte wie Nigeria oder Kolumbien die größere Geschichte, da diese Länder über eine reiche WM-Historie verfügen.
Fazit: Ein Turnier der verpassten Gelegenheiten
Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird nicht nur wegen des Sieges von Argentinien in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen derer, die fehlten. Wer ist bei der WM 22 nicht dabei? Die Antwort ist eine Liste von Giganten, die an ihren eigenen Erwartungen, dem harten Qualifikationsmodus oder schlicht am Pech scheiterten. Das Fehlen von Italien hat eine ganze Fußballnation in eine Identitätskrise gestürzt, während Spieler wie Erling Haaland und Mohamed Salah daran erinnert wurden, dass individuelle Brillanz allein nicht ausreicht, um sich auf der Weltbühne zu präsentieren.
Die Abwesenheit von Stars wie Benzema, Mané oder Pogba aufgrund von Verletzungen war zudem ein klares Signal an die Verantwortlichen des Weltfußballs, die Belastung der Spieler kritisch zu hinterfragen. Ein Turnier ohne diese Protagonisten verliert einen Teil seiner Magie. Dennoch hat die WM 2022 gezeigt, dass der Fußball keine Lücken kennt; neue Helden wie die marokkanische Nationalmannschaft sprangen in die Bresche und füllten das Vakuum, das die abwesenden Stars hinterlassen hatten. Letztlich bleibt die Erkenntnis: Eine WM ohne Italien oder Haaland ist möglich, aber sie ist zweifellos eine andere, weniger glanzvolle Veranstaltung.

