Ich erinner mich noch: Pizza-Wars in München
Da war ich letztens mit Freunden in München, in so einem kleinen Italiener in der Maxvorstadt. Und die Diskussion bricht aus: „Die beste Pizza der Welt – wo gibt’s die?“ Sofort fangen alle an zu streiten. Paul schwört auf Neapel, Giulia meint, ihre Oma macht die beste, und ich, ich sag halt: „Na, hier natürlich! Die ist mega lecker!“
Und genau da war’s: Mein Urteil war subjektiv. Weil? Weil ich das mit meinen Sinnen wahrnehme, mit meinem Geschmack, mit meiner Laune an dem Tag. Vielleicht war ich hungrig, vielleicht mochte ich den Typ hinter der Theke. Spielt alles mit rein.
Objektiv hingegen – das wäre gewesen, wenn wir mit einem Gerät gemessen hätten: Wie heiß ist der Ofen? Welche Temperatur hat der Teig innen? Wie viel Fett, wie viel Salz? Das wären Fakten. Unabhängig davon, wer sie wahrnimmt.
Aber was heißt das jetzt eigentlich?
Subjektiv – kommt vom lateinischen „subiectum“, also so viel wie „das, was unterliegt“. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Es geht um das, was in uns drin ist. Unsere Meinung, unsere Gefühle, unsere Erfahrungen. Wenn ich sage: „Dieser Film ist langweilig“, dann sag ich was über mich – nicht über den Film. Vielleicht ist er für dich spannend. Und beides kann stimmen.
Objektiv dagegen – „objectum“, das, was da draußen ist – unabhängig von uns. Wenn ich sage: „Der Film dauert 128 Minuten“, dann kann das jeder nachprüfen. Mit einer Uhr. Egal ob du ihn magst oder hasst.
Also: Subjektiv = Innenleben. Objektiv = Außenwelt, messbar, überprüfbar.
Warum verwechseln wir das ständig?
Weil wir Menschen halt sind. Und wir denken oft, unsere Sicht ist die einzige. Du kennst das: Jemand sagt „Das ist doch offensichtlich!“, und meint damit sein eigenes Gefühl. Aber „offensichtlich“ ist schon mal kein objektiver Begriff. Haha.
Ich hab’s neulich bei einer Besprechung gemerkt – Kollege sagt: „Die Präsentation war schlecht.“ Und ich so: „Wieso?“ – „Na, langweilig.“ Okay, aber war sie schlecht oder langweilig für dich? Das ist ein Unterschied. Vielleicht war sie objektiv gut strukturiert, hatte klare Daten, aber ihm fehlte die Begeisterung. Das ist kein Fehler der Präsentation – das ist ein subjektives Empfinden.
Und in den Nachrichten? Da wird’s heikel.
Da soll ja eigentlich alles objektiv sein, oder? Aber ist es das? Wenn ein Bericht sagt: „Demonstranten blockierten die Straße“, klingt objektiv. Aber wenn er sagt: „Aktivisten kämpfen für Klimagerechtigkeit“, dann steckt schon eine Wertung drin. Beides beschreibt dasselbe Ereignis – aber mit anderer Brille.
Objektiv wäre: „150 Personen hielten sich drei Stunden lang auf der B10 auf, Verkehr stockte.“ Alles andere – „blockierten“, „kämpften“, „protestierten“ – das sind Interpretationen. Also subjektiv.
Häufig schummeln Medien ein bisschen. Oder Journalisten, die denken, sie sind objektiv, aber eigentlich ihre Meinung verpacken. Ist ja auch schwer, komplett neutral zu sein. Du kannst nicht denken, ohne deine Brille aufzuhaben.
Also kann überhaupt nichts objektiv sein?
Na ja. Bei einfachen Dingen schon. Der Tisch ist 1,50 m lang. Der Zug fährt um 14:07 Uhr ab. Die Sonne geht morgen um 6:52 Uhr auf. Das kannst du überprüfen. Wiederholen. Messen.
Aber sobald Menschen involviert sind, wird’s unscharf. War der Krieg gerechtfertigt? Ist die Politik gut? Ist die Kunst schön? Da gibt’s keine eindeutige Antwort. Da geht’s um Perspektive. Um Hintergrund. Um Gefühl.
Und weißt du was? Das ist eigentlich okay. Wir müssen nicht immer objektiv sein. Sogar besser, wenn wir ehrlich sagen: „Das ist meine Meinung.“ Statt zu behaupten: „Das ist so.“
Mein kleiner Moment der Erkenntnis
Vor zwei Jahren war ich in Berlin, bei so einer Ausstellung – ganz modern, viel Beton, Licht, Geräusche. Und ich stand da vor einem leeren Raum, nur ein Stuhl in der Mitte. Und das Schild daneben: „Stille“. Ich dachte: „Alter, was soll das?“ Und hab mich fast kaputt gelacht.
Aber dann kam eine Frau, setzte sich auf den Stuhl, weinte. Und ich dachte: Okay. Für sie ist das hier tief. Bedeutungsvoll. Vielleicht Erinnerung, Trauer, was weiß ich. Und plötzlich checkte ich: Es geht nicht darum, ob das Kunst ist. Es geht darum, was es bei wem auslöst.
Objektiv: Da steht ein Stuhl. Subjektiv: Das ist der letzte Platz, an dem ich mit meinem Vater saß.
Fazit: Beides hat seinen Platz
Objektiv ist wichtig, wenn’s um Fakten geht. Um Sicherheit, Wissenschaft, Recht. Wenn ein Arzt sagt: „Ihr Blutdruck ist zu hoch“, dann willst du, dass das stimmt – nicht, dass er das nur so findet.
Aber subjektiv – das macht das Leben aus. Unsere Liebe, unsere Träume, was uns berührt. Und das zu leugnen, wäre… kalt. Unmenschlich irgendwie.
Der Trick ist: zu wissen, wann was zählt. Und wann du gerade deine Brille aufhast – und nicht die Wirklichkeit.
Hast du auch so einen Moment gehabt, wo dir klar wurde: „Ach so, deshalb seh ich das so“? Ich glaub, das passiert uns allen. Irgendwann. Manchmal braucht’s nur einen Stuhl. Oder eine Pizza.
