Ein Klassiker, der die Geister scheidet (oder auch nicht)
Die rote Wurst – für viele ist das der Inbegriff des Schwäbischen, ein Muss auf jedem Grillfest, am liebsten mit einem ordentlichen Bissen Brot und Senf. Und ja, ich spreche hier natürlich von der
Regionale Unterschiede und ein kleines Missverständnis
Da fängt die Sache nämlich an, interessant zu werden. Während in Baden-Württemberg und Teilen Bayerns die "Rote Wurst" fast ausschließlich die Saitenwurst meint, kann es in anderen Regionen Deutschlands zu Verwirrungen kommen. Manchmal, und das ist mir mal in Norddeutschland passiert, wurde ich ganz verdutzt angeschaut, als ich nach einer "Roten" fragte und man mir eine ganz andere Wurst präsentieren wollte. Eine Mettwurst vielleicht, oder eine grobe Bratwurst, die eben auch eine rötliche Färbung hatte. Das war schon witzig, weil ich dachte, das sei doch klar, was ich meine!
Die Herkunft der Farbe: Chemie oder Natur?
Aber mal abgesehen von regionalen Spitznamen: Was macht eine Wurst eigentlich "rot"? Wie schon kurz erwähnt, ist das Pökelsalz, genauer gesagt Natriumnitrit, der Hauptverantwortliche. Es reagiert mit dem Muskelfarbstoff Myoglobin und erzeugt die charakteristische rote Farbe, die wir von vielen Brüh- und Kochwürsten kennen. Gleichzeitig ist es auch ein Konservierungsmittel, das die Wurst vor dem Verderb schützt und den typischen Pökelgeschmack erzeugt. Ganz schön clever, diese Metzger, oder?
Manchmal sind es aber auch Gewürze wie Paprika, die zur rötlichen Färbung beitragen, ohne dass es sich um eine gepökelte Wurst handeln muss. Das ist dann aber eher eine optische Beigabe und nicht der primäre Grund für die Bezeichnung "rote Wurst" im traditionellen Sinne. Es ist also nicht immer nur die Chemie, manchmal spielt auch die Küche mit den Farben.
Meine persönliche Anekdote: Die Verwechslung in Berlin
Ich erinnere mich noch genau: Es war vor ein paar Jahren, ich war auf einem Streetfood-Markt in Berlin. Ich hatte riesigen Appetit auf eine richtig gute "Rote", so wie ich sie von zuhause kenne. Bin zum Grillstand, frage den Verkäufer: "Haben Sie eine Rote Wurst?" Er grinst, zeigt auf eine Currywurst und sagt: "Na klar, hier ist sie doch, schön rot von der Soße!" Ich musste lachen, hab's ihm erklärt, und er meinte nur: "Ach so, Sie meinen eine Bratwurst!" Tja, so unterschiedlich kann das sein. Am Ende gab's dann doch eine leckere Wurst, aber eben keine "Rote" im schwäbischen Sinne. Manchmal muss man eben präzise sein, auch wenn man denkt, man wäre es schon.
Was bedeutet "rote Wurst" also im Kern?
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn jemand im süddeutschen Raum von "roter Wurst" spricht, meint er fast immer die Saitenwurst, oft auch als Bockwurst bekannt, die durch Pökelsalz ihre charakteristische Farbe und ihren Geschmack erhält. Außerhalb dieser Regionen kann es zu Missverständnissen kommen, da der Begriff dann eher deskriptiv für jede Wurst mit rötlicher Färbung verwendet werden könnte. Es ist also ein bisschen wie mit dem "Brötchen" und der "Semmel" – regionale Eigenheiten, die das Leben und die Sprache so herrlich vielfältig machen.
Also, das nächste Mal, wenn ihr eine "Rote Wurst" bestellt, überlegt kurz, wo ihr seid. Oder fragt einfach nach der "Saitenwurst", dann seid ihr auf der sicheren Seite. Hauptsache, es schmeckt! Und ganz ehrlich, eine gut gemachte Saitenwurst vom Grill, die ist doch einfach unschlagbar, oder? Da gibt's keine zwei Meinungen, finde ich.
