Das ist nicht nur dir so, glaub mir
Ich hab mal mit Lena, meiner Kollegin aus der Marketingabteilung, drüber geredet. Die ist eigentlich total fit, läuft jeden Morgen fünf Kilometer, isst Bio-Quinoa und trinkt grünen Tee wie Wasser. Und trotzdem: mittags um 13:30 Uhr? Kopf auf dem Tisch. Sie hat sogar mal gesagt: „Ich glaub, mein Körper hasst Mittag.“
Und genau das ist das Ding: Wir denken immer, wir sind allein damit. Aber nein. Fast jeder kennt das. Es ist nicht Schwäche. Es ist nicht Faulheit. Es ist einfach… was passiert.
Der Körper tickt halt so
Unser Körper hat so einen natürlichen Rhythmus, den man Chronobiologie nennt – klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz simpel. Unser innerer Uhr tickt in Zyklen, und einer davon ist so ein kleiner Tiefpunkt am frühen Nachmittag. Zwischen 13 und 15 Uhr ist das meistens. Also quasi, wenn die Welt von uns verlangt, dass wir am produktivsten sind. Ironie, oder?
Unser Gehirn produziert um die Zeit mehr Melatonin – das ist das Schlafhormon. Ja, genau, das, das wir abends brauchen. Aber mittags kommt ein kleiner Peak. Bei manchen stärker, bei anderen schwächer. Bei mir? Bei mir ist das wie ein Lkw, der über meinen Kopf fährt.
Und dann ist da noch das Essen
Ich dachte echt lange: Wenn ich nur gesund esse, ist das vorbei. Also hab ich angefangen, mittags nur noch Gemüse, Avocado, Kichererbsen, das ganze Bio-Zeug. Und was passiert? Mir war trotzdem schlecht. Eher noch schlimmer.
Weil: Es geht nicht nur um Gesundheit, sondern um Zusammensetzung. Wenn du zu viele Kohlenhydrate isst – selbst Vollkornnudeln oder Reis – steigt dein Blutzucker stark an. Dann schießt Insulin raus, um den Zucker zu verarbeiten. Und was bleibt? Ein Absturz. Und dieser Absturz? Der fühlt sich an wie Müdigkeit, Konzentrationslosigkeit, Gereiztheit. Also quasi: Du isst Mittag, und dein Körper sagt: „Ach so, jetzt schlafen wir?“
Ich hab’s bei mir erst kapiert, als ich mal mit meinem Bruder telefoniert hab. Der ist Ernährungsberater – nicht so der strenge Typ, aber einer, der weiß, was er redet. Und ich hab gesagt: „Ich verstehe nicht, warum ich nach Salat müde bin!“ Und er: „Weil da Brot dabei war, oder? Und vielleicht Käse? Und dann Trauben?“ Und ja. War alles dabei. Und Trauben sind Zucker. Viel Zucker.
Was hilft denn dann?
Also, ich hab rumprobiert. Und das klingt jetzt vielleicht doof, aber: ein Spaziergang. Ehrlich. Nur zehn Minuten. Nicht Sport, nicht Laufen, nur rausgehen. Licht sehen. Etwas anderes riechen als Kaffee und Drucker.
Ich mach das seit zwei Monaten, meistens nach dem Essen. Geh einfach um den Block. Manchmal mit Kollegen, manchmal allein. Und jedes Mal: Ich komm zurück, und es ist besser. Nicht perfekt, aber besser. Als hätte mein Kopf wieder Luft gekriegt.
Und dann hab ich auch angefangen, mein Mittagessen umzustellen. Weniger Kohlenhydrate, mehr Eiweiß. Also statt Nudeln mit Soße: Hähnchen mit Gemüse. Oder Ei mit Avocado auf Vollkorn – aber wirklich nur ein kleines Stück. Und vor allem: langsam essen. Ich hab gemerkt, wenn ich hetze, wird alles schlimmer. Also: kauen, atmen, Pause machen.
Was ist mit Kaffee?
Ach, der Kaffee. Der Retter in der Not. Aber… er kann auch Teil des Problems sein. Wenn du ihn zu spät trinkst – also nach 14 Uhr –, kann das deinen Schlaf nachts stören. Und wenn du schlecht schläfst, bist du mittags müde. Und trinkst dann wieder Kaffee. Und so weiter. Ein Teufelskreis.
Ich hab versucht, meinen Kaffee früher zu trinken. Vor 12 Uhr. Und nachmittags nur noch grünen Tee. Der hat zwar auch Koffein, aber weniger. Und irgendwie wirkt er anders. Sanfter. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich fühl mich danach nicht so aufgedreht.
Schlafmangel? Vielleicht doch?
Das Dumme ist: Oft denken wir, wir schlafen genug. Sieben Stunden, acht Stunden. Aber Qualität zählt mehr als Quantität. Wenn du ständig wach wirst, oder wenn du schnarchst, oder wenn du mitten in der Nacht plötzlich hellwach bist – also wie ich letztens, weil ich diesen gruseligen Traum hatte, dass ich den Arbeitslaptop ins Meer geworfen hab – dann war das kein erholsamer Schlaf.
Und dann kommt der Tag, und du bist schon müde, bevor du überhaupt angefangen hast. Und mittags? Da bricht’s dann raus.
Manchmal ist es auch einfach… der Alltag
Ich meine, mal ehrlich: Wer ist schon wirklich ausgeruht, wenn man ständig Meetings hat, Mails checken muss, und am Ende des Tages denkt: „Was hab ich heute eigentlich gemacht?“
Stress, Dauerbelastung, das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen – das schlaucht. Und das merkst du nicht immer sofort. Aber dein Körper merkt’s. Und mittags sagt er: „Pause. Jetzt.“
Ich hab mal zwei Wochen lang versucht, mittags wirklich nichts zu machen. Handy aus, keine Nachrichten, keine Podcasts. Nur ein bisschen Musik oder einfach still sitzen. War komisch am Anfang. Fühlte mich fast schuldig. Aber danach? Total klar im Kopf. Also… fast.
Was kannst du tun? (Ohne gleich dein Leben zu ändern)
Also, ich will dir jetzt nicht sagen, was du tun musst. Das kann ich nicht. Aber was mir geholfen hat:
- Einen kurzen Spaziergang machen – wirklich, probier’s einfach mal aus.
- Das Mittagessen umstellen: weniger Kohlenhydrate, mehr Eiweiß, langsamer essen.
- Kaffee früher trinken – und nachmittags lieber Tee.
- Mal bewusst nichts tun. Einfach nur atmen. Zehn Minuten.
- Und: Schlaf checken. Gehst du gut ein? Schläfst du durch? Wachst du ausgeruht auf?
Und wenn nichts hilft? Dann vielleicht mal zum Arzt. Weil: Manchmal steckt was anderes dahinter. Schilddrüse, Eisenmangel, Vitamin D – das merkt man nicht immer sofort.
Eigentlich… ist es okay, müde zu sein
Ich glaub, das Wichtigste, was ich gelernt hab: Es ist nicht schlimm, mittags müde zu sein. Der Körper braucht Pausen. Wir sind keine Maschinen. Und wenn wir ständig versuchen, durchzuputschen, bricht irgendwas.
Also, wenn du jetzt da sitzt, halb wach, Augen zu, und denkst: „Ja, genau so geht’s mir“, dann weißt du: Du bist nicht allein. Und es ist nicht deine Schuld.
Manchmal reicht es schon, das einfach zu wissen. Und vielleicht morgen mal fünf Minuten rauszugehen. Nur so.
Weil… du weißt schon: der Körper. Der will ja nur, dass du auf ihn hörst.
