Meine erste Reaktion? „Aber… und Kinder? Willst du denn keine Familie?“ Er lächelte nur dieses ruhige Lächeln, das er immer aufsetzt, wenn er etwas erklärt, das andere nicht sofort verstehen.
Die offizielle Regel: Zölibat
Fangen wir mal mit dem an, was jeder zu wissen glaubt: der Zölibat. In der katholischen Kirche, und ich meine jetzt die römisch-katholische, ist es tatsächlich so, dass Priester keine Ehe eingehen und somit auch keine Kinder haben sollen. Das ist eine Art Disziplin, eine Regel, die schon seit Jahrhunderten besteht. Aber warum eigentlich?
Die Idee dahinter ist, dass der Priester sich ganz auf Gott und seine Gemeinde konzentrieren kann, ohne die Ablenkung oder Verpflichtung einer Familie. Klingt erstmal logisch, oder? Aber ich finde, das ist auch eine verdammt schwere Entscheidung. Ich meine, stell dir vor, du musst dich zwischen deiner Berufung und dem Wunsch nach Kindern entscheiden. Heftig.
Aber es gibt Ausnahmen, oder?
Jetzt kommt’s: Ja, die gibt es! Ganz ehrlich, ich war auch überrascht. Denn in einigen orthodoxen Kirchen – zum Beispiel der griechisch-orthodoxen – dürfen Priester sehr wohl heiraten, bevor sie geweiht werden. Wenn sie einmal verheiratet sind und dann Priester werden, dürfen sie auch Kinder haben. Das ist doch schon mal was!
Und dann sind da noch die evangelischen Geistlichen. Die heißen zwar oft Pfarrer oder Pastor, aber im Prinzip machen sie ähnliche Arbeit wie katholische Priester. Und die dürfen natürlich heiraten und Kinder kriegen. Mein Nachbar, Pfarrer Martin, hat drei Jungs und die spielen manchmal Fußball im Garten, während er predigt schreibt. Irgendwie süß, finde ich.
Was ist mit Diakonen?
Ach ja, und dann gibt’s noch die ständigen Diakone in der katholischen Kirche. Die können verheiratet sein und Kinder haben, auch wenn sie geweiht sind. Allerdings sind sie keine Priester im vollen Sinn, sondern haben etwas andere Aufgaben. Kompliziert, ich weiß.
Und was, wenn doch was passiert?
Okay, jetzt mal hypothetisch: Angenommen, ein katholischer Priester wird Vater – was dann? Also, offiziell ist das ein Problem. Er hat gegen den Zölibat verstoßen. In der Praxis… naja, es kommt drauf an. Ich erinnere mich an einen Fall in meiner Heimatstadt, wo ein Priester ein Kind gezeugt hat. Es war ein riesiger Skandal, und er musste sein Amt niederlegen. Traurig, aber wahr.
Allerdings gibt es auch Priester, die heimlich Familien haben. Das ist nicht erlaubt, aber es passiert. Menschlich gesehen kann ich das sogar verstehen, auch wenn es gegen die Regeln verstößt.
Mein Cousin Thomas und seine Entscheidung
Zurück zu Thomas. Letztes Jahr traf ich ihn wieder, und wir sprachen darüber. Er sagte mir, dass der Verzicht auf Kinder für ihn ein Opfer ist, aber eines, das er gerne bringt. „Es ist nicht so, dass ich Kinder nicht lieben würde“, erklärte er. „Aber ich spüre einfach, dass das mein Weg ist.“
Ich respektiere das, auch wenn ich selbst nicht so könnte. Aber weißt du was? Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Ob mit Kindern oder ohne.
Am Ende des Tages geht es doch darum, ob man glücklich ist und ob man das Gefühl hat, das Richtige zu tun. Ob man nun Priester ist oder nicht.
Was denkst du dazu? Könntest du auf Kinder verzichten, wenn du dafür deine Berufung leben könntest? Schwere Frage, oder?
