Die kurze Antwort: Es kommt drauf an
Weil – Überraschung – nicht alle Priester gleich sind. Das ist so ein bisschen wie mit Autos: Ein Fiat Punto ist auch ein Auto, aber du würdest ihn nicht mit einem Mercedes vergleichen, oder? Ähnlich ist das bei den Priestern. In der römisch-katholischen Kirche gilt: Priester heiraten in der Regel nicht. Zölibat – das klingt erstmal nach einem fremden Wort, dabei bedeutet es einfach: Keuschheit, Verzicht auf Ehe und sexuelle Beziehungen.
Warum eigentlich kein Heiraten?
Die Idee dahinter ist eigentlich ganz schön poetisch: Der Priester widmet sich ganz Gott und seiner Gemeinde. Keine Familie im engeren Sinn, dafür eine große geistliche Familie. So wie Jesus, der ja auch nicht verheiratet war (zumindest nach kirchlicher Lehre – danke, Dan Brown, aber das ist ein anderes Thema). Man sagt, der ungeteilte Dienst an Gott sei wichtiger als eine Ehe.
Und ja, das war nicht immer so. Im Mittelalter? Da gab’s verheiratete Priester wie Sand am Meer. Aber dann kam die Reformbewegung, vor allem im 11. Jahrhundert mit Papst Gregor VII. Der wollte die Kirche „reinigen“, auch von Erbfolgen über Kinder von Priestern. Klingt logisch, wenn du drüber nachdenkst. Warum sollte der Sohn vom Pfarrer automatisch den Posten übernehmen? Also wurde der Zölibat zur Pflicht gemacht – zumindest in der lateinischen Kirche.
Aber in anderen Kirchen heiraten Priester ganz normal
Stell dir vor: In der orthodoxen Kirche? Da dürfen Priester heiraten – aber nur vor der Priesterweihe. Danach ist Schluss. Und nur einmal. Wenn die Frau stirbt, darf der Mann nicht noch mal heiraten, wenn er Priester bleiben will. Und Bischöfe? Die müssen dann doch zölibatär leben – meistens werden nur Mönche zu Bischöfen gewählt.
Und in der evangelischen Kirche? Da ist es ganz einfach: Pfarrer dürfen heiraten, haben oft sogar Kinder, und du siehst sie samstags auf dem Spielplatz mit dem kleinen Lukas oder der kleinen Emma. Bei uns in München kannte ich mal eine evangelische Pfarrerin, die mit ihrem Mann und drei Kindern in der Pfarrscheune wohnte. Total normal, fast wie eine Nachbarin. Nur halt mit Predigt am Sonntag.
Und was ist mit verheirateten Männern in der katholischen Kirche?
Hier wird’s interessant. Es gibt tatsächlich Ausnahmen. Weißt du, was ein konvertierter Priester ist? Das ist z. B. ein ehemaliger anglikanischer Pfarrer, der zur katholischen Kirche übertritt – und dann darf er, unter bestimmten Bedingungen, als verheirateter Mann Priester bleiben. Ist das nicht krass? Also praktisch: Ja, er traut, segnet, zelebriert – und abends geht er nach Hause zu seiner Frau. Habe ich mal in einer kleinen Gemeinde in Österreich gesehen. Die Leute waren total entspannt damit. Irgendwie hat es funktioniert.
Warum hält die katholische Kirche trotzdem am Zölibat fest?
Gute Frage. Eigentlich wird darüber immer wieder diskutiert, besonders in Zeiten von Priestermangel. In Deutschland fehlen sie, in Afrika und Asien wachsen die Gemeinden – aber die westliche Kirche schrumpft. Und trotzdem: kein offizielles Nachgeben beim Zölibat.
Die Argumente der Befürworter: Der Zölibat sei ein Zeichen. Ein prophetisches Zeichen. Dass Gott genug ist. Dass man sich ganz hingeben kann. Dass nicht alles funktionieren muss nach dem Prinzip „Familie, Haus, Hund“. Und viele Priester sagen tatsächlich: Es ist ein Geschenk. Dass sie Zeit haben für die Menschen, für Gebet, für Seelsorge.
Aber – ehrlich gesagt – ich frag mich manchmal: Ist das noch zeitgemäß? Kann man heute wirklich erwarten, dass junge Männer sich für immer entscheiden, ohne jemals eine feste Beziehung auszuprobieren? Ich meine, wir wählen heute unseren Job, unsere Wohnung, unsere Partner – alles mit Probezeit. Nur beim Priesteramt: lebenslänglich, ohne Rücktrittsrecht. Das ist heftig.
Ein Erlebnis, das mich nachdenken ließ
Vor ein paar Jahren war ich in Rom, besuchte einen alten Schulfreund, der dort Theologie studierte. Abends saßen wir im Garten eines Seminarhotels, tranken billigen Rotwein und redeten. Irgendwann kam ein älterer Priester dazu, Pater Luigi, Italiener mit grauen Haaren und Augen, die müde, aber warm waren.
Er erzählte, wie er mit 24 geweiht wurde, nachdem er fünf Jahre im Seminar verbracht hatte. Und dass er manchmal – ganz selten – denkt: Was wäre gewesen, wenn? Ob er Vater geworden wäre. Ob er mit einer Frau alt geworden wäre. Nichts Dramatisches, sagte er. Nur so ein Gedanke, der kommt, wenn man abends allein ist und der Regen gegen die Scheibe prasselt.
Ich hab das nie vergessen. Weil es mir zeigte: Hinter der Regel steht ein Mensch. Mit Gefühlen. Mit Sehnsüchten. Mit Zweifeln.
Gibt es Bewegung? Vielleicht bald?
Papst Franziskus – du kennst ihn, der mit dem einfachen Auto und der warmen Art – der hat schon mehrfach gesagt: Man müsse über den Zölibat reden. Nicht unbedingt ihn abschaffen, aber diskutieren. Vor allem im Amazonas-Region, wo es kaum Priester gibt, hat er zugelassen, dass verheiratete Männer geweiht werden – sogenannte Viri probati, erfahrene, gläubige Männer. Aber das ist eine Ausnahmeregelung, kein Durchbruch.
Viele glauben, dass der Zölibat irgendwann weichen wird. Vielleicht nicht morgen, nicht in zehn Jahren. Aber vielleicht in einer Kirche, die sich verändern muss, um zu überleben.
Zum Schluss: Was denkst du?
Weil – mal ehrlich – ist die Fähigkeit, gut zu hören, zu trösten, zu segnen, wirklich abhängig davon, ob jemand verheiratet ist oder nicht? Ich glaube nicht. Ich kenne wunderbare Priester, die allein leben. Und ich kenne tolle Pfarrer, die mit Frau und Kindern unterwegs sind. Beide haben ihre Stärken.
Die Frage „Kann ein Priester heiraten?“ ist also eigentlich keine theologische Randnotiz. Sondern eine über Menschlichkeit. Über Freiheit. Über, wie wir Kirche heute verstehen wollen.
Vielleicht geht es nicht darum, ob er heiraten kann – sondern ob er es dürfen sollte. Und wer das entscheidet.
Weißt du, was? Ich glaub, ich hol mir noch einen Kaffee. Und denk weiter drüber nach.
