Deutsche in Afrika: Wer sind sie überhaupt?
Und ja, es gibt auch bestimmte Begriffe für sie. Manche davon sind neutral, andere... eher nicht so.
Historischer Kontext: Kolonialzeit und deutsche Siedler
Deutsch-Südwestafrika und seine Spuren
Zwischen 1884 und 1915 war Namibia (damals: Deutsch-Südwestafrika) eine deutsche Kolonie. Viele Deutsche wanderten dorthin aus – als Farmer, Beamte oder Händler. Einige blieben auch nach dem Ende der Kolonialzeit.
Ihre Nachfahren nennt man heute oft Deutsch-Namibier. Der Begriff ist sachlich und wird auch offiziell verwendet.
Deutsche Wurzeln in Südafrika
Auch in Südafrika leben seit dem 19. Jahrhundert deutsche Gemeinden – in der Region um Cape Town, aber auch im Osten (z.B. in der Region KwaZulu-Natal). Sie nennen sich meist einfach Deutsche Südafrikaner oder schlicht „Deutsche in Südafrika“.
Also, die Begriffe sind oft regional geprägt und hängen stark vom Selbstbild und dem lokalen Kontext ab.
Gängige Bezeichnungen – neutral bis heikel
Neutral: Deutsch-Namibier, Deutsche Auswanderer
Diese Begriffe sind sachlich und respektvoll. Sie werden in Medien, Statistiken und von den Personen selbst verwendet.
„Ich bin Deutsch-Namibierin, geboren in Windhoek“ – so hat mir das mal eine Frau ganz selbstverständlich gesagt, als ich sie in Swakopmund traf.
Umgangssprachlich oder umgangssprachlich gefärbt
Manchmal hört man auch:
„die Deutschen da unten“
„Weißafrikaner mit deutschem Hintergrund“
„Buren“ – wobei das eher auf niederländischstämmige Farmer in Südafrika zutrifft, aber manchmal fälschlich auf Deutsche angewandt wird.
Heikel: Koloniale oder abwertende Begriffe
Begriffe wie „Kolonialdeutsche“ oder „Kolonialisten“ werden oft mit einem kritischen Ton verwendet – besonders im historischen Zusammenhang.
Und ja, es gibt auch gelegentlich abwertende Slang-Begriffe in verschiedenen afrikanischen Sprachen für Europäer allgemein. Diese sind aber nicht spezifisch deutsch.
Deutsche Communities heute in Afrika
Namibia: Deutsch als Muttersprache
In Namibia gibt es heute noch Schulen, Radiosender und Kirchen, die auf Deutsch arbeiten. Die Community ist klein, aber gut organisiert.
Viele Deutsch-Namibier sprechen auch Englisch und Afrikaans, manche sogar Oshiwambo.
Südafrika: Mehr Vielfalt, weniger Sichtbarkeit
Die deutsche Community in Südafrika ist etwas verstreuter. Es gibt deutsche Schulen (wie die Deutsche Internationale Schule in Johannesburg), aber kein einheitliches „Label“ wie in Namibia.
Die meisten nennen sich einfach „Deutsche in Südafrika“.
Fazit: Wie nennt man Deutsche in Afrika?
Es kommt drauf an.
Historisch verwurzelt in Namibia? → Deutsch-Namibier
Aktueller Auswanderer oder Expats? → Deutscher in [Land]
Südafrika? → Meist einfach „Deutscher Südafrikaner“
Was wichtig ist: Kontext und Respekt. Manche Begriffe tragen Geschichte mit sich – und nicht immer eine einfache. Aber am Ende sind es Menschen mit zwei Welten im Herzen: Deutschland und Afrika.
Und das macht sie – ganz ehrlich – ziemlich einzigartig.
