Was bedeutet eigentlich „Linkshändigkeit“?
Denn Händigkeit wird im Gehirn gesteuert – genauer gesagt: sie hängt stark von der funktionellen Asymmetrie der beiden Gehirnhälften ab. Und genau da wird’s spannend, wenn wir über Autismus reden...
Autismus und Händigkeit: Gibt es eine Verbindung?
Studienlage – was sagt die Forschung?
Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, z.B. von Geschwind & Behan (1982) und später auch Markou et al. (2017), deuten darauf hin, dass Menschen im Autismus-Spektrum tatsächlich häufiger linkshändig oder "nicht-rechtshändig" sind als neurotypische Menschen.
Nicht-rechtshändig meint übrigens: Linkshänder, Beidhänder oder unklare Händigkeit. Und ja, genau das macht es etwas kompliziert. Viele Autisten zeigen keine klare Dominanz – sie benutzen manchmal beide Hände abwechselnd oder situationsabhängig.
Konkrete Zahlen? Naja…
In der allgemeinen Bevölkerung sind etwa 10–12% Linkshänder. Bei Menschen mit Autismus variieren die Zahlen je nach Studie: zwischen 15% und über 40% wird da alles genannt. Nicht sehr einheitlich, zugegeben.
Aber trotzdem: die Tendenz ist da.
Warum könnte das so sein?
Gehirnentwicklung und Asymmetrie
Ein häufig genannter Grund ist, dass die Gehirnentwicklung bei Autisten oft anders verläuft, speziell im Bereich der lateralen Spezialisierung – also der Frage, welche Hirnhälfte welche Aufgaben übernimmt.
Normalerweise ist bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte fürs Sprechen und Sprache zuständig. Bei Autisten kann das manchmal weniger klar verteilt sein. Und das kann dann – vielleicht – auch mit der Händigkeit zusammenhängen.
Genetik spielt natürlich auch mit
Es gibt Hinweise, dass sowohl Autismus als auch Linkshändigkeit eine gewisse genetische Basis haben. Gene wie LRRTM1 oder PCSK6 wurden in Studien mit beidem in Verbindung gebracht – wobei das alles noch im Bereich der Hypothese steckt.
Ehrlich gesagt: Das menschliche Gehirn ist eh ein riesiges Puzzle. Da passt nicht immer sofort alles zusammen.
Praktische Auswirkungen im Alltag?
Ja – manchmal überraschend
Viele linkshändige Autisten (besonders Kinder) stoßen im Alltag doppelt auf Herausforderungen: Erstens wegen der sozialen Besonderheiten durch den Autismus, und zweitens, weil viele Werkzeuge und Gegenstände nun mal auf Rechtshänder ausgelegt sind.
Beispiel: eine Lehrerin erzählte mir mal, dass ein linkshändiger autistischer Junge in ihrer Klasse große Probleme mit der Schere hatte – aber nicht wegen der Feinmotorik, sondern weil alle Scheren „falschrum“ waren. Als sie ihm eine Linkshänder-Schere gab, konnte er plötzlich super schneiden. Whoa.
Gleichzeitig gibt’s auch Vorteile
Einige Studien deuten darauf hin, dass linkshändige Menschen oft kreative Lösungen finden und flexibler denken. In Kombination mit den einzigartigen Perspektiven vieler Autisten kann das zu ganz schön innovativen Denkansätzen führen.
Also ja – nicht nur Herausforderung, sondern vielleicht auch ein Talent.
Fazit: Sind Autisten häufiger Linkshänder?
Kurz gesagt: wahrscheinlich ja. Die Daten zeigen, dass Menschen im Autismus-Spektrum öfter linkshändig oder beidhändig sind als die Durchschnittsbevölkerung. Die Gründe sind komplex – von Genetik über Gehirnasymmetrie bis zu Umwelteinflüssen.
Aber ob links, rechts oder beides: Am Ende zählt nicht, welche Hand du benutzt, sondern was du damit machst.
Und naja… ein bisschen linkshändige Magie schadet ja nie.
