Die vier Stufen der Datenfresser: Von SD bis Ultra HD
Wenn wir über den Datenverbrauch sprechen, müssen wir uns zuerst darüber einig sein, was wir gerade schauen. Netflix ist da ziemlich transparent, aber die Standardeinstellung ist oft nicht das, was Sie erwarten, besonders wenn Sie unterwegs sind. Ich finde es faszinierend, wie stark die Unterschiede sind, je nachdem, ob Sie nur schnell eine Folge in der Bahn schauen oder ob Sie das volle Kinoerlebnis zu Hause genießen wollen.
Grundsätzlich unterscheidet Netflix vier Hauptstufen, die bestimmen, wie viele Megabyte oder besser gesagt Gigabytes pro Stunde durch Ihre Leitung gesaugt werden. Die niedrigste Stufe, oft als "Standard Definition" (SD) bezeichnet, ist überraschend sparsam. Hier sprechen wir von ungefähr 0,7 GB pro Stunde. Das ist gut, wenn Sie wirklich nur Text lesen oder wenn Ihr Internetanschluss wirklich am Limit ist, aber die Bildqualität ist halt auch entsprechend bescheiden, finde ich.
Die mittlere Stufe, die viele Leute unbewusst nutzen, ist meistens HD (720p oder 1080p). Hier pendelt es sich, basierend auf meinen Tests, um die 1,5 GB bis 3 GB pro Stunde ein, je nachdem, wie dynamisch die Szene ist. Szenen mit viel Bewegung, wie zum Beispiel eine Verfolgungsjagd, ziehen mehr als ein ruhiges Gespräch im Wohnzimmer, das ist logisch, aber man vergisst das schnell.
Und dann kommt die Königsklasse, das Ultra HD oder 4K. Hier wird es ernst für Ihr Datenbudget. Wenn Sie die beste verfügbare Qualität wählen, müssen Sie mit etwa 7 GB pro Stunde rechnen. Manchmal, wenn die Kompression wirklich minimal ist, kann es sogar noch mehr sein. Das ist der Grund, warum ich immer rate, 4K nur über schnelles, unlimitiertes WLAN zu nutzen.
Was ich beim mobilen Streaming so beobachtet habe
Ich erinnere mich gut an den Sommerurlaub letztes Jahr, als ich dachte, ich könnte mal eben ein paar Filme über das mobile Netz schauen, weil das Hotel-WLAN so lala war. Ich hatte mein Datenvolumen auf 10 GB begrenzt, und ich war schockiert, wie schnell Netflix das weggeatmet hat. Ich hatte vielleicht vier Stunden geschaut, und weg waren fast 6 GB, weil mein Handy automatisch auf "Hoch" gestellt hatte, ohne dass ich es gemerkt habe.
Das ist ein häufiger Fehler, den ich immer wieder sehe: Man stellt die Qualität einmal im Hauptmenü von Netflix ein, aber das Gerät selbst, also das Smartphone oder der Tablet-PC, kann manchmal trotzdem höhere Raten anfordern, wenn die Verbindung kurzzeitig gut ist. Man muss wirklich in die Einstellungen der jeweiligen Wiedergabe-Session schauen, wenn man sichergehen will, dass man nicht aus Versehen das gesamte Monatsbudget an einem Wochenende verballert.
Ich denke, die größte Gefahr liegt in der Bequemlichkeit. Netflix will, dass Sie das beste Erlebnis haben, also stellen sie die Qualität oft aggressiv hoch ein, wenn sie können. Wenn Sie also ein begrenztes Datenpaket haben – und seien wir ehrlich, das haben die meisten von uns, wenn sie unterwegs sind – dann ist es fast schon Pflicht, die Einstellungen manuell auf "Mittel" oder sogar "Niedrig" zu drücken, bevor Sie auf Play tippen. Die Differenz zwischen 1,5 GB und 0,7 GB pro Stunde klingt vielleicht nicht riesig, aber multipliziert mit einer langen Serie wird es schnell ein ganzer Batzen.
Warum die Bitrate der heimliche Held (oder Bösewicht) ist
Um zu verstehen, warum die Zahlen so stark schwanken, muss man das Konzept der Bitrate verstehen. Das ist im Grunde die Menge an Daten, die pro Sekunde übertragen wird, um das Bild und den Ton darzustellen. Höhere Auflösung (4K statt HD) erfordert zwangsläufig eine höhere Bitrate, um alle feinen Details zu erhalten.
Aber es ist nicht nur die Auflösung. Auch die Komplexität der Szene spielt eine große Rolle. Wenn Sie sich eine statische Szene anschauen, zum Beispiel jemanden, der in einem Wald steht und sich kaum bewegt, kann Netflix die Bitrate reduzieren, weil es weniger neue Informationen zu senden gibt. Das ist das sogenannte adaptive Streaming. Wenn aber plötzlich ein Feuerwerk explodiert oder eine schnelle Schwenkung über eine belebte Stadt gemacht wird, muss das System blitzschnell hochfahren, um keine Artefakte oder Ruckler zu erzeugen. Und genau diese Spitzen sind es, die den Durchschnitt nach oben ziehen.
Ich habe gelesen, dass Netflix für 4K oft Bitraten von 15 Mbit/s bis zu 25 Mbit/s verwendet, während HD vielleicht mit 5 Mbit/s auskommt. Wenn man diese Zahlen in Megabyte umrechnet, sieht man sofort, wo die Diskrepanz herkommt. Es ist nicht nur ein bisschen mehr Detail, es ist ein exponentieller Anstieg der erforderlichen Rohdaten.
Kontrollieren Sie Ihren Datenverbrauch: So geht's bei Netflix
Der wichtigste Tipp von mir ist, die Kontrolle zurückzugewinnen. Sie können das direkt in Ihren Kontoeinstellungen auf der Netflix-Website vornehmen. Gehen Sie zu Ihrem Profil, dann zu "Kontoeinstellungen" und suchen Sie nach "Wiedergabeeinstellungen". Dort finden Sie die Option "Datennutzung pro Bildschirm".
Hier können Sie festlegen, was für das spezifische Gerät gelten soll, das Sie gerade nutzen. Ich empfehle, für mobile Geräte immer "Mittel" oder "Sparsam" einzustellen. Sparsam ist oft SD, aber es ist sicher. Wenn Sie unterwegs sind und wissen, dass Sie nur eine Stunde Zeit haben und es Ihnen um die Handlung geht, dann ist das die beste Wahl. Für das Tablet im Zug, wo man vielleicht etwas mehr Platz auf dem Bildschirm hat, ist Mittel oft ein guter Kompromiss zwischen Qualität und Datensicherheit.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist das Herunterladen von Inhalten. Wenn Sie Filme und Serien für die Offline-Nutzung herunterladen, fragt Netflix Sie auch hier nach der Qualität. Wenn Sie die Downloads zu Hause über WLAN tätigen, können Sie natürlich die höchste Qualität wählen. Aber denken Sie daran: Ein heruntergeladener Film in 4K kann leicht 10 bis 15 GB groß sein, also laden Sie nur herunter, wenn Sie wirklich genug Speicherplatz und eine gute WLAN-Verbindung haben.
Antworten auf die Fragen, die Sie wahrscheinlich noch haben
Oft werde ich gefragt, ob die Audiospur einen großen Unterschied macht. Nun, im Vergleich zum Video ist es marginal. Hochauflösender Dolby Atmos-Sound zieht zwar ein paar zusätzliche Kilobytes pro Minute, aber im Vergleich zu den Gigabytes für das 4K-Bild ist das vernachlässigbar. Es ist nicht der Haupttreiber des Datenverbrauchs, aber es trägt bei, wenn Sie wirklich auf jedes MB achten müssen.
Eine andere Sache, die mich immer wieder beschäftigt: Ist es besser, HD auf einem kleinen Handy-Display zu schauen oder SD auf einem großen 4K-Fernseher? Objektiv betrachtet, ist es auf dem kleinen Bildschirm schwerer, den Qualitätsunterschied zwischen HD und SD überhaupt wahrzunehmen, daher ist SD auf dem Handy oft eine sehr gute Sparmaßnahme. Auf dem großen Fernseher hingegen wird Ihnen jede niedrigere Qualität sofort ins Auge springen, weshalb ich dort, wenn das WLAN es zulässt, immer zu mindestens HD tendiere.
Abschließend lässt sich sagen, dass die genaue Zahl, wie viel MB Netflix pro Stunde zieht, immer eine dynamische Größe bleibt, die von Ihren Sehgewohnheiten und den gewählten Einstellungen abhängt. Aber mit den Richtwerten von 0,7 GB (SD) bis 7 GB (4K) pro Stunde haben Sie jetzt eine solide Grundlage, um Ihr Datenmanagement besser zu planen.

