Denn mal ehrlich: Wer hat nicht schon einmal „Standard“ mit „Standart“ verwechselt, obwohl er es eigentlich besser weiß? Oder sich gefragt, ob „im Voraus“ nun groß- oder kleingeschrieben wird? Die Liste der Fehler, die uns verfolgen, ist lang – und sie verrät mehr über unser Denken, als uns lieb ist. (Und nein, es liegt nicht nur an der Rechtschreibreform.)
Warum wir immer wieder dieselben Fehler machen – eine psychologische Spurensuche
Es beginnt mit einem simplen Mechanismus: Unser Gehirn liebt Abkürzungen. Wenn wir „dass“ schreiben, denken wir nicht an Nebensätze oder Relativpronomen – wir greifen auf das zurück, was sich in der Vergangenheit bewährt hat. Und genau hier liegt das Problem. Die meisten Rechtschreibfehler entstehen nicht aus Unwissenheit, sondern aus Gewohnheit. Wir schreiben, wie wir es immer getan haben, und ignorieren dabei, dass sich Regeln ändern oder Ausnahmen existieren. Nehmen wir „des Weiteren“: Viele schreiben es fälschlicherweise „des weiteren“, weil es sich „natürlicher“ anhört. Doch Sprache ist kein Demokratie – sie folgt eigenen Gesetzen, und die sind oft alles andere als intuitiv.
Doch es gibt noch einen zweiten Faktor: die Macht der Ähnlichkeit. Wörter wie „wieder“ und „wider“ klingen identisch, haben aber völlig unterschiedliche Bedeutungen. Unser Gehirn verknüpft sie automatisch – und schon ist der Fehler passiert. Dasselbe gilt für „seit“ und „seid“: Beide klingen gleich, aber eines beschreibt eine Zeitspanne, das andere eine Verbform. Und dann ist da noch die Groß- und Kleinschreibung, die selbst Profis in die Knie zwingt. Warum schreibt man „im Voraus“ groß, aber „vorher“ klein? Weil es keine logische Regel gibt – nur eine willkürliche Konvention, die wir uns einprägen müssen. (Und selbst dann vergessen wir sie wieder.)
Die Krux: Je häufiger wir einen Fehler machen, desto tiefer gräbt er sich in unser Gedächtnis ein. Studien zeigen, dass es bis zu 30 Wiederholungen braucht, um einen falsch gelernten Begriff zu korrigieren. Bei „das“ und „dass“ sind es oft Hunderte – und trotzdem schreiben wir es beim nächsten Mal wieder falsch. Weil wir im Moment des Schreibens nicht nachdenken, sondern einfach nur flüssig formulieren wollen. Und genau das ist der Punkt: Rechtschreibung ist kein Test, den wir bestehen müssen – sie ist ein Werkzeug, das uns im Weg steht, wenn wir es falsch benutzen.
Die Rolle der Rechtschreibreform – Segen oder Fluch?
Als 1996 die erste große Rechtschreibreform in Kraft trat, sollte sie alles vereinfachen. Doch was als Befreiung gedacht war, entpuppte sich für viele als Albtraum. Plötzlich gab es neue Regeln, Ausnahmen wurden gestrichen, und Wörter wie „Schifffahrt“ (früher „Schiffahrt“) oder „Ketchup“ (ehemals „Ketschup“) sorgten für Verwirrung. Die Reform sollte die deutsche Sprache zugänglicher machen – doch stattdessen schuf sie eine Generation von Schreibern, die sich fragten: „Darf ich das jetzt so schreiben, oder war das früher falsch?“
Die Ironie: Viele der heutigen Fehler sind direkte Folgen dieser Reform. Nehmen wir „ß“ und „ss“: Vor 1996 galt die Regel, dass nach kurzem Vokal ein „ß“ stand („muss“ vs. „muß“). Heute schreibt man „muss“ immer mit „ss“, egal ob der Vokal lang oder kurz ist. Klingt logisch – bis man auf Wörter wie „dass“ trifft, das nach wie vor mit „ss“ geschrieben wird, obwohl es sich um einen Nebensatz handelt. Und dann ist da noch „wieder“ und „wider“, die trotz Reform weiterhin für Verwirrung sorgen. Die Reform hat nicht nur neue Fehler geschaffen, sondern auch alte zementiert.
Warum wir uns nicht auf die Autokorrektur verlassen sollten
„Die Autokorrektur macht’s schon.“ Das denken viele – und liegen damit falsch. Denn während Tools wie Word oder Grammarly grobe Fehler erkennen, versagen sie bei den subtilen Fallstricken der deutschen Sprache. Ein Beispiel: „Sie hat sich des Weiteren geweigert“ wird korrigiert, wenn man „des weiteren“ schreibt. Doch was ist mit „Er hat im Voraus bezahlt“? Hier versagt die Autokorrektur oft, weil sie nicht zwischen „voraus“ und „Voraus“ unterscheiden kann. Und dann sind da noch die falschen Freunde: „Das ist wieder passiert“ vs. „Er hat wider Erwarten gewonnen“. Beide Wörter klingen gleich, bedeuten aber etwas völlig anderes – und die Autokorrektur erkennt den Unterschied nicht.
Doch das größte Problem ist nicht die Technik, sondern unser Umgang damit. Wir gewöhnen uns daran, dass uns die Software rettet – und hören auf, selbst nachzudenken. Das Ergebnis: Wir machen mehr Fehler, nicht weniger. Denn wer sich auf die Autokorrektur verlässt, verliert das Gefühl für die Sprache. Und das ist gefährlich. Weil Sprache nicht nur aus Regeln besteht, sondern aus Nuancen. Und die erkennt keine Software der Welt.
Die Top 10 der hartnäckigsten Rechtschreibfehler – und wie man sie endlich vermeidet
Manche Fehler sind so verbreitet, dass sie fast schon Kultstatus haben. „Das“ vs. „dass“ ist der Klassiker – aber es gibt noch Dutzende andere, die uns das Leben schwer machen. Hier sind die zehn häufigsten Stolpersteine, die selbst Profis in die Verzweiflung treiben. Und vor allem: Wie man sie ein für alle Mal ausmerzt.
1. „Das“ oder „dass“? Der ewige Zweikampf
Es ist der Fehler, der jeden Schreiber verfolgt: Wann schreibt man „das“ mit einem „s“, wann „dass“ mit zwei? Die Regel klingt einfach: „Das“ ist ein Artikel oder ein Relativpronomen („Das Haus, das dort steht“), „dass“ leitet einen Nebensatz ein („Ich hoffe, dass du kommst“). Doch in der Praxis sieht es anders aus. Denn unser Gehirn denkt nicht in Grammatik, sondern in Klang. Und „das“ und „dass“ klingen identisch. Also greifen wir auf das zurück, was uns vertraut ist – und liegen falsch.
Der Trick: Ersetze „das“ durch „dieses“ oder „welches“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „das“ mit einem „s“. Wenn nicht, ist es „dass“. Beispiel: „Ich weiß, dass du kommst“ – hier funktioniert weder „dieses“ noch „welches“, also muss es „dass“ sein. Klingt umständlich? Ist es auch. Aber es funktioniert.
2. „Seit“ oder „seid“? Die Zeit und das Verb
„Seit wann bist du hier?“ vs. „Ihr seid zu spät.“ Beide Wörter klingen gleich, haben aber völlig unterschiedliche Funktionen. „Seit“ beschreibt eine Zeitspanne („Seit gestern regnet es“), „seid“ ist die zweite Person Plural von „sein“ („Ihr seid müde“). Der Fehler entsteht, weil wir im Alltag selten über die Grammatik nachdenken – wir schreiben, wie wir sprechen. Und im Sprechen verschwimmen die Grenzen.
Die Lösung: Ersetze „seid“ durch „sind“. Wenn der Satz immer noch Sinn ergibt, schreibst du „seid“. Beispiel: „Ihr seid hungrig“ → „Ihr sind hungrig“? Nein, also „seid“. Bei „seit“ funktioniert dieser Trick nicht, weil es kein Verb ist. Also: Wenn es um Zeit geht, ist es „seit“. Wenn es um eine Eigenschaft geht, ist es „seid“.
3. „Wieder“ oder „wider“? Ein Wort, zwei Welten
„Er kam wieder zu spät“ vs. „Er hat wider Erwarten gewonnen.“ Beide Wörter klingen gleich, bedeuten aber etwas völlig anderes. „Wieder“ bedeutet „erneut“ („Er hat es wieder versucht“), „wider“ bedeutet „gegen“ („Wider den Strom schwimmen“). Der Fehler entsteht, weil wir im Alltag selten „wider“ benutzen – es ist ein Wort, das vor allem in festen Wendungen vorkommt („wider Erwarten“, „wider besseres Wissen“).
Der Trick: Ersetze „wider“ durch „gegen“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „wider“. Beispiel: „Wider Erwarten“ → „Gegen Erwarten“? Ja, also „wider“. Bei „wieder“ funktioniert das nicht, weil es keine Opposition ausdrückt. Also: Wenn es um Wiederholung geht, ist es „wieder“. Wenn es um Widerstand geht, ist es „wider“.
4. „Im Voraus“ oder „im voraus“? Die Groß- und Kleinschreibung
„Danke im Voraus“ – oder „Danke im voraus“? Die Antwort: Es muss großgeschrieben werden. Warum? Weil „Voraus“ hier ein substantiviertes Adverb ist. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. „Im Voraus“ bedeutet „vorher“ – und in diesem Fall wird „Voraus“ wie ein Nomen behandelt. Dasselbe gilt für „im Nachhinein“, „im Allgemeinen“ oder „im Speziellen“.
Der Fehler entsteht, weil wir im Alltag oft kleinschreiben, was sich wie ein Adverb anhört. Doch die deutsche Sprache hat ihre eigenen Regeln – und die besagen: Wenn ein Adverb wie ein Nomen verwendet wird, schreibt man es groß. Also: „Im Voraus bezahlen“, „Im Nachhinein war es ein Fehler“. Und nein, die Autokorrektur erkennt das nicht immer.
5. „Standard“ oder „Standart“? Der Klassiker der falschen Endungen
„Das ist der Standard“ – oder „Das ist der Standart“? Die richtige Antwort: „Standard“. Doch warum schreiben so viele „Standart“? Weil sie das Wort mit „Start“ verwechseln. „Start“ endet auf „-art“, also denken sie, „Standard“ müsse genauso enden. Doch „Standard“ kommt aus dem Englischen („standard“) und hat nichts mit „Art“ zu tun. Es ist ein Lehnwort, das sich an die deutsche Rechtschreibung angepasst hat – und das bedeutet: „-and“ am Ende.
Der Trick: Denke an „Brand“ oder „Wand“. Beide enden auf „-and“, genau wie „Standard“. Und wenn das nicht hilft: Erinnere dich daran, dass „Standart“ einfach falsch klingt – auch wenn es sich vertraut anfühlt.
6. „Dessen“ oder „dessen“? Der Genitiv, der uns alle verwirrt
„Der Mann, dessen Auto gestohlen wurde“ – oder „Der Mann, dessen Auto gestohlen wurde“? Die Antwort: Beide Schreibweisen sind korrekt, aber sie bedeuten etwas Unterschiedliches. „Dessen“ ist der Genitiv von „der“ („der Mann, dessen Auto“), „dessen“ ist der Genitiv von „das“ („das Haus, dessen Dach“). Der Fehler entsteht, weil wir im Alltag selten über den Genitiv nachdenken – wir schreiben einfach, was sich richtig anhört.
Doch hier wird es tricky: „Dessen“ und „dessen“ werden gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich geschrieben. Der Trick: Ersetze „dessen“ durch „seines“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „dessen“. Beispiel: „Der Mann, seines Auto“? Nein, also „dessen“. Bei „das Haus, seines Dach“? Ja, also „dessen“.
7. „Getrennt oder zusammen?“ Die ewige Frage der Wortverbindungen
„Zusammen schreiben“ oder „zusammen schreiben“? „Getrennt leben“ oder „getrenntleben“? Die deutsche Sprache ist voller Wortverbindungen, die mal zusammen-, mal getrennt geschrieben werden – und die Regeln sind alles andere als intuitiv. Grundsätzlich gilt: Wenn die Verbindung eine neue Bedeutung hat, schreibt man zusammen („zusammenarbeiten“ = kooperieren). Wenn die Wörter ihre ursprüngliche Bedeutung behalten, schreibt man getrennt („zusammen schreiben“ = gemeinsam einen Text verfassen).
Doch es gibt Ausnahmen. „Getrennt leben“ wird getrennt geschrieben, obwohl es eine neue Bedeutung hat („nicht mehr zusammen sein“). Und dann ist da noch „radfahren“ vs. „Auto fahren“: Warum schreibt man das eine zusammen, das andere getrennt? Weil „Radfahren“ eine feste Verbindung ist, während „Auto fahren“ eine Tätigkeit beschreibt. Die Regel: Wenn das erste Wort ein Substantiv ist, das die Tätigkeit näher beschreibt, schreibt man zusammen („Radfahren“, „Schlittschuhlaufen“). Wenn es sich um ein Objekt handelt, schreibt man getrennt („Auto fahren“, „Ball spielen“).
8. „Am besten“ oder „am Besten“? Die Großschreibung, die niemand versteht
„Das ist am besten“ – oder „Das ist am Besten“? Die Antwort: klein. Warum? Weil „am besten“ hier ein Adverb ist („auf die beste Weise“). Doch viele schreiben es groß, weil sie denken, es handle sich um ein substantiviertes Adjektiv („das Beste“). Der Fehler entsteht, weil wir im Alltag oft großschreiben, was wichtig klingt – und „am besten“ klingt nun mal wichtig.
Doch die Regel ist klar: Wenn „am“ + Adjektiv eine Eigenschaft beschreibt, schreibt man klein („am schönsten“, „am schnellsten“). Nur wenn es sich um eine feste Wendung handelt, schreibt man groß („das Beste geben“, „zum Besten halten“). Also: „Das schmeckt am besten“, aber „Das ist das Beste, was ich je gegessen habe“.
9. „Infrage“ oder „in Frage“? Der Bindestrich, der fehlt
„Das kommt infrage“ – oder „Das kommt in Frage“? Die Antwort: beides ist korrekt, aber die Schreibweise hat sich geändert. Vor der Rechtschreibreform schrieb man „in Frage“, heute ist „infrage“ die empfohlene Schreibweise. Doch viele halten sich noch an die alte Regel – und schreiben „in Frage“.
Der Grund für die Änderung: „Infrage“ ist eine feste Verbindung, die eine neue Bedeutung hat („zweifelhaft sein“). Deshalb wird sie zusammengeschrieben. Dasselbe gilt für „instand setzen“ (heute „instandsetzen“) oder „zugrunde gehen“ (heute „zugrundegehen“). Die Regel: Wenn die Verbindung eine neue Bedeutung hat, schreibt man zusammen. Wenn nicht, schreibt man getrennt. Also: „Das kommt infrage“, aber „Er stellte die Frage in den Raum“.
10. „Z.B.“ oder „z. B.“? Der Leerzeichen-Klassiker
„Z.B.“ oder „z. B.“? Die Antwort: „z. B.“ mit Leerzeichen. Warum? Weil es sich um eine Abkürzung handelt – und Abkürzungen werden mit Leerzeichen geschrieben. Doch viele schreiben „Z.B.“, weil es schneller geht und sich vertrauter anfühlt. Der Fehler entsteht, weil wir im Alltag oft auf das Leerzeichen verzichten, um Zeit zu sparen.
Doch die Regel ist klar: Abkürzungen wie „z. B.“ („zum Beispiel“), „d. h.“ („das heißt“) oder „u. a.“ („unter anderem“) werden mit Leerzeichen geschrieben. Nur wenn die Abkürzung ein Wort ersetzt, das normalerweise zusammengeschrieben wird, entfällt das Leerzeichen („usw.“ für „und so weiter“). Also: „z. B.“, „d. h.“, aber „usw.“.
Warum wir uns trotzdem vertun – und was das über uns verrät
Rechtschreibfehler sind kein Zeichen von Dummheit. Im Gegenteil: Sie verraten etwas über unsere Denkweise. Wenn wir „das“ und „dass“ verwechseln, zeigt das, dass wir nicht in Grammatik denken, sondern in Klang. Wenn wir „wieder“ und „wider“ durcheinanderbringen, offenbart das, wie sehr wir uns auf unser Gehör verlassen. Und wenn wir „im Voraus“ kleinschreiben, beweist das, dass wir Sprache nicht als Regelwerk sehen, sondern als Werkzeug – und Werkzeuge benutzen wir, ohne über ihre Konstruktion nachzudenken.
Doch es gibt noch einen tieferen Grund: Sprache ist kein statisches System, sondern ein lebendiger Organismus. Sie verändert sich, passt sich an, entwickelt sich weiter. Und das bedeutet: Was heute als Fehler gilt, kann morgen schon Standard sein. Nehmen wir „Email“ vs. „E-Mail“: Vor 20 Jahren schrieb man „Email“ (weil es aus dem Englischen kommt), heute ist „E-Mail“ die korrekte Schreibweise. Oder „Portemonnaie“ vs. „Portmonee“: Beide Schreibweisen sind erlaubt, obwohl sie unterschiedlich klingen. Die deutsche Sprache ist voller solcher Widersprüche – und das macht sie so faszinierend.
Doch es gibt einen Haken: Je mehr sich die Sprache verändert, desto unsicherer werden wir. Wir wissen nicht mehr, was richtig ist, weil sich die Regeln ständig verschieben. Und das führt dazu, dass wir uns auf das verlassen, was uns vertraut ist – selbst wenn es falsch ist. (Und das ist der Moment, in dem die Autokorrektur zum Feind wird.)
Die Psychologie hinter den Fehlern: Warum wir uns selbst sabotieren
Unser Gehirn ist ein Meister der Effizienz. Es sucht nach Mustern, speichert Abkürzungen und vermeidet unnötige Denkarbeit. Und genau das ist das Problem. Wenn wir „dass“ schreiben, denken wir nicht an Nebensätze – wir greifen auf das zurück, was wir in der Vergangenheit gelernt haben. Und wenn dieses Gelernte falsch ist, schreiben wir es trotzdem. Denn unser Gehirn hasst Unsicherheit. Es bevorzugt eine falsche Antwort, die sich vertraut anfühlt, gegenüber einer richtigen, die neu ist.
Dazu kommt der „False-Consensus-Effekt“: Wir gehen davon aus, dass andere dieselben Fehler machen wie wir. Wenn wir „Standart“ schreiben, denken wir: „Das machen doch alle so.“ Und wenn wir dann auf einen Text stoßen, der „Standard“ schreibt, denken wir: „Der hat sich vertippt.“ Doch in Wahrheit sind wir es, die sich irren. Und das ist das Problem: Wir korrigieren uns nicht, weil wir denken, dass unsere Fehler normal sind. (Und manchmal sind sie das auch.)
Warum die meisten Rechtschreibregeln sinnlos sind – und was wir stattdessen tun sollten
Die deutsche Rechtschreibung ist voller Regeln, die keinen Sinn ergeben. Warum schreibt man „Schifffahrt“ mit drei „f“, aber „Schiffahrt“ war früher auch korrekt? Warum heißt es „Ketchup“, aber „Ketschup“ war mal erlaubt? Warum schreibt man „im Voraus“ groß, aber „vorher“ klein? Die Antwort: Weil Sprache kein logisches System ist, sondern ein historisches Gewächs. Sie entwickelt sich nicht nach Plan, sondern nach Zufall – und das bedeutet, dass viele Regeln willkürlich sind.
Doch statt uns über diese Willkür zu ärgern, sollten wir sie akzeptieren. Denn Sprache ist kein Mathematikbuch, in dem jede Regel einen Sinn ergibt. Sie ist ein Werkzeug, das wir benutzen, um uns auszudrücken – und das bedeutet: Wir müssen nicht jede Regel verstehen, um sie richtig anzuwenden. Wir müssen sie nur lernen. Und das geht am besten durch Übung. Nicht durch stures Auswendiglernen, sondern durch ständiges Schreiben, Korrigieren und Wiederholen.
Denn am Ende geht es nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, verstanden zu werden. Und das schaffen wir auch mit ein paar Fehlern. (Auch wenn es wehtut.)
Die 100 häufigsten Rechtschreibfehler – eine vollständige Liste mit Erklärungen
Jetzt wird es konkret. Hier sind die 100 häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen – von den Klassikern („das“ vs. „dass“) bis zu den versteckten Fallstricken („im Voraus“ vs. „im voraus“). Jeder Fehler wird erklärt, und für jeden gibt es eine Eselsbrücke, mit der man ihn sich ein für alle Mal merken kann.
1. „Das“ vs. „dass“
Fehler: „Das Haus, das dort steht“ vs. „Ich hoffe, das du kommst“.
Richtig: „Das Haus, das dort steht“ (Relativpronomen) vs. „Ich hoffe, dass du kommst“ (Nebensatz).
Eselsbrücke: Ersetze „das“ durch „dieses“ oder „welches“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „das“. Wenn nicht, ist es „dass“.
2. „Seit“ vs. „seid“
Fehler: „Seit wann bist du hier?“ vs. „Ihr seit zu spät“.
Richtig: „Seit wann bist du hier?“ (Zeit) vs. „Ihr seid zu spät“ (Verb).
Eselsbrücke: Ersetze „seid“ durch „sind“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „seid“. Bei „seit“ funktioniert das nicht.
3. „Wieder“ vs. „wider“
Fehler: „Er kam wider zu spät“ vs. „Er hat wieder Erwarten gewonnen“.
Richtig: „Er kam wieder zu spät“ (erneut) vs. „Er hat wider Erwarten gewonnen“ (gegen).
Eselsbrücke: Ersetze „wider“ durch „gegen“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „wider“. Bei „wieder“ funktioniert das nicht.
4. „Im Voraus“ vs. „im voraus“
Fehler: „Danke im voraus“.
Richtig: „Danke im Voraus“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Voraus“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
5. „Standard“ vs. „Standart“
Fehler: „Das ist der Standart“.
Richtig: „Das ist der Standard“.
Eselsbrücke: Denke an „Brand“ oder „Wand“ – beide enden auf „-and“.
6. „Dessen“ vs. „dessen“
Fehler: „Der Mann, dessen Auto“ vs. „Das Haus, dessen Dach“.
Richtig: „Der Mann, dessen Auto“ (Genitiv von „der“) vs. „Das Haus, dessen Dach“ (Genitiv von „das“).
Eselsbrücke: Ersetze „dessen“ durch „seines“. Wenn der Satz Sinn ergibt, schreibst du „dessen“.
7. „Zusammen schreiben“ vs. „zusammen schreiben“
Fehler: „Wir zusammen schreiben einen Text“.
Richtig: „Wir schreiben zusammen einen Text“ (getrennt, weil „zusammen“ hier ein Adverb ist).
Eselsbrücke: Wenn die Verbindung eine neue Bedeutung hat, schreibt man zusammen („zusammenarbeiten“). Wenn nicht, schreibt man getrennt.
8. „Am besten“ vs. „am Besten“
Fehler: „Das ist am Besten“.
Richtig: „Das ist am besten“ (kleingeschrieben).
Eselsbrücke: Wenn „am“ + Adjektiv eine Eigenschaft beschreibt, schreibt man klein. Nur in festen Wendungen groß („das Beste geben“).
9. „Infrage“ vs. „in Frage“
Fehler: „Das kommt in Frage“.
Richtig: „Das kommt infrage“ (zusammengeschrieben).
Eselsbrücke: Wenn die Verbindung eine neue Bedeutung hat („zweifelhaft sein“), schreibt man zusammen.
10. „Z.B.“ vs. „z. B.“
Fehler: „Z.B.“.
Richtig: „z. B.“ (mit Leerzeichen).
Eselsbrücke: Abkürzungen werden mit Leerzeichen geschrieben („z. B.“, „d. h.“).
11. „Getrennt leben“ vs. „getrenntleben“
Fehler: „Sie getrenntleben“.
Richtig: „Sie leben getrennt“ (getrenntgeschrieben).
Eselsbrücke: Wenn die Wörter ihre ursprüngliche Bedeutung behalten, schreibt man getrennt.
12. „Radfahren“ vs. „Auto fahren“
Fehler: „Er Auto fährt“.
Richtig: „Er fährt Auto“ (getrennt) vs. „Er fährt Rad“ (zusammen).
Eselsbrücke: Wenn das erste Wort ein Substantiv ist, das die Tätigkeit näher beschreibt, schreibt man zusammen („Radfahren“). Wenn es sich um ein Objekt handelt, schreibt man getrennt („Auto fahren“).
13. „Des Weiteren“ vs. „des weiteren“
Fehler: „Des weiteren möchte ich sagen“.
Richtig: „Des Weiteren“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Weiteren“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
14. „Instand setzen“ vs. „instandsetzen“
Fehler: „Er muss es instand setzen“.
Richtig: „Er muss es instandsetzen“ (zusammengeschrieben).
Eselsbrücke: Wenn die Verbindung eine neue Bedeutung hat („reparieren“), schreibt man zusammen.
15. „Zugrunde gehen“ vs. „zugrundegehen“
Fehler: „Er wird zugrunde gehen“.
Richtig: „Er wird zugrundegehen“ (zusammengeschrieben).
Eselsbrücke: Wenn die Verbindung eine neue Bedeutung hat („zerstört werden“), schreibt man zusammen.
16. „Aufgrund“ vs. „auf Grund“
Fehler: „Auf Grund des Regens“.
Richtig: „Aufgrund des Regens“ (zusammengeschrieben).
Eselsbrücke: „Aufgrund“ ist eine feste Verbindung – also zusammen.
17. „Zuhause“ vs. „zu Hause“
Fehler: „Er ist zuhause“.
Richtig: Beide Schreibweisen sind korrekt, aber „zu Hause“ ist die empfohlene Form.
Eselsbrücke: „Zu Hause“ wird wie ein Adverb behandelt – also getrennt.
18. „Im Allgemeinen“ vs. „im allgemeinen“
Fehler: „Im allgemeinen ist das so“.
Richtig: „Im Allgemeinen“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Allgemeinen“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
19. „Im Speziellen“ vs. „im speziellen“
Fehler: „Im speziellen geht es um Folgendes“.
Richtig: „Im Speziellen“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Speziellen“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
20. „In Bezug auf“ vs. „in Bezug auf“
Fehler: „In bezug auf das Thema“.
Richtig: „In Bezug auf das Thema“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Bezug“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
21. „Aufgrund dessen“ vs. „aufgrund dessen“
Fehler: „Aufgrund dessen habe ich gehandelt“.
Richtig: „Aufgrund dessen“ (getrenntgeschrieben).
Eselsbrücke: „Dessen“ ist ein Pronomen – also getrennt.
22. „Im Nachhinein“ vs. „im nachhinein“
Fehler: „Im nachhinein war es ein Fehler“.
Richtig: „Im Nachhinein“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Nachhinein“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
23. „Im Folgenden“ vs. „im folgenden“
Fehler: „Im folgenden werde ich erklären“.
Richtig: „Im Folgenden“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Folgenden“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
24. „In Anbetracht“ vs. „in anbetracht“
Fehler: „In anbetracht der Umstände“.
Richtig: „In Anbetracht der Umstände“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Anbetracht“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
25. „Im Übrigen“ vs. „im übrigen“
Fehler: „Im übrigen möchte ich sagen“.
Richtig: „Im Übrigen“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Übrigen“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
26. „Im Gegenteil“ vs. „im gegenteil“
Fehler: „Im gegenteil“.
Richtig: „Im Gegenteil“ (großgeschrieben).
Eselsbrücke: „Gegenteil“ wird hier wie ein Nomen behandelt – also groß.
27. „Im Voraus“ vs. „im voraus“
Fehler: „Danke im voraus“.
Richtig: „Danke im Voraus“ (großgeschrieben).
