Die harte Wahrheit über Durchschnittswerte und unseren Schuhkonsum
Ich habe mal versucht, das recherchieren, Zahlen zu finden, die irgendeinen Sinn ergeben, aber es ist ein Fass ohne Boden. Die Studien zeigen oft, dass die durchschnittliche Frau vielleicht 25 bis 35 Paar besitzt, während Männer meistens bei 10 bis 15 landen. Aber Achtung, diese Zahlen beinhalten oft auch die zehn Paar Sandalen, die man einmal im Jahr trägt, und die Laufschuhe, die seit drei Jahren im Keller verstauben. Ich finde, diese Durchschnittswerte sind eher eine Statistik darüber, wie viel wir kaufen, nicht, wie viel wir wirklich brauchen.
Wir kaufen Schuhe, weil sie ein relativ günstiger Einstieg in die Welt der Mode sind; ein neues Paar fühlt sich fast wie ein kleines Upgrade des ganzen Lebens an, auch wenn es nur für den Weg zum Bäcker ist. Das habe ich selbst oft genug erlebt. Man sieht sie, sie sehen perfekt aus, und plötzlich gehören sie einem, obwohl man schon fünf ähnliche Paare im Schrank hat, die noch fast neu sind. Es ist diese kleine Dosis Dopamin, die uns glauben lässt, dass wir diese spezielle Textur oder diese neue Absatzhöhe einfach haben müssen.
Was ist die funktionale Kernschuhgarderobe?
Um wirklich zu bestimmen, was für Sie "normal" ist, müssen wir die Funktion trennen von der reinen Lust am Sammeln. Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit einer sehr schlanken, aber perfekt ausgewählten Sammlung auskommt. Wenn wir mal ehrlich sind, welche Schuhe nutzen wir wirklich 90 Prozent der Zeit?
Das absolute Minimum: Vier Paar, die alles abdecken
Wenn ich mich auf das absolute Minimum reduzieren müsste, um den deutschen Alltag – Wechsel von Regen, Schnee, Büro und Freizeit – zu überstehen, käme ich auf vier essenzielle Kategorien. Erstens: Ein wirklich guter, wasserdichter Sneaker, der bequem genug für lange Tage ist. Zweitens: Ein solider, wetterfester Stiefel für den Herbst und Winter, der auch mal Matsch aushält. Drittens: Ein eleganterer Schuh für formellere Anlässe, vielleicht ein Loafer oder ein dezenter Absatzschuh, je nach Job.
Und viertens? Das ist oft der Knackpunkt: Ein Sommerschuh. Das muss keine zehnte Sandale sein, sondern vielleicht ein hochwertiger Ledersandale oder ein leichter Espadrille. Wenn Sie diese vier Typen wirklich gut pflegen und sie zu allem passen, dann haben Sie, meiner Meinung nach, alles abgedeckt, was man braucht. Alles darüber hinaus ist Luxus oder Hobby, und das ist auch völlig in Ordnung, aber es ist nicht die Definition von "normaler Notwendigkeit".
Der psychologische Druck: Warum wir uns selbst zu viele Schuhe erlauben
Ich habe bemerkt, dass der Druck, eine große Auswahl zu haben, oft aus der Angst entsteht, etwas zu verpassen. Was, wenn morgen unerwartet eine Hochzeit ansteht und ich nur die alten Pumps habe? Oder was, wenn die neuen, hochmodischen Stiefel, die ich ins Auge gefasst habe, plötzlich im Sale sind und ich sie nicht kaufe?
Dieser Gedanke, diese "Was-wäre-wenn"-Mentalität, treibt den Schuhkonsum in die Höhe. Viele Menschen, mich eingeschlossen, nutzen Schuhe auch als eine Art Selbstversicherung. Sie zeigen, dass man vorbereitet ist, dass man Stilbewusstsein hat, selbst wenn man gerade keine Zeit oder Energie hat, sich großartig anzuziehen. Ein tolles Paar Schuhe kann einen einfachen Jeans-und-Pullover-Look sofort aufwerten, das ist unbestreitbar.
Aber hier liegt die Falle: Wenn Sie 40 Paar haben, brauchen Sie jedes Mal zehn Minuten, um sich zu entscheiden, und oft greifen Sie dann doch zu den vertrauten drei Paaren, weil die Entscheidung zu anstrengend wird. Das ist die sogenannte Entscheidungsermüdung, und sie macht die Masse an Schuhen eher zum Hindernis als zum Vorteil.
Wie man die eigene, gesunde Schuhanzahl findet
Anstatt sich auf externe Normen zu verlassen, sollten Sie eine Art persönlichen "Normalitäts-Test" durchführen. Ich empfehle, die Schuhe, die Sie besitzen, in drei Stapel zu unterteilen: Muss-haben (wird mindestens einmal im Monat getragen), Gut-zu-haben (wird saisonal getragen) und Vielleicht-irgendwann. Seien Sie dabei gnadenlos ehrlich.
Wenn Sie feststellen, dass Sie mehr als fünf Paar in der Kategorie "Vielleicht-irgendwann" haben, die Sie seit über einem Jahr nicht angefasst haben, dann ist das Ihre persönliche Obergrenze für unnötigen Besitz. Ich persönlich habe das Problem mit bestimmten High Heels, die ich liebe, aber deren Absatzhöhe ich im Alltag einfach nicht mehr ertrage. Sie bleiben, weil sie schön sind, aber sie zählen nicht zu meiner *funktionalen* Normalität.
Denken Sie daran, dass Qualität hier immer vor Quantität kommt. Ein Paar italienische Lederstiefel, die 350 Euro gekostet haben, aber zehn Jahre halten und jedes Wetter überstehen, sind auf lange Sicht viel "normaler" und besser für Ihren Geldbeutel als zehn Paar synthetische Stiefel für 35 Euro, die nach einer Saison auseinanderfallen. Das ist eine Lektion, die man erst lernt, wenn man zu viele Fehlkäufe getätigt hat.
Die Frage der Pflege: Mehr Schuhe bedeuten mehr Arbeit
Ein oft übersehener Aspekt, wenn die Schuhsammlung wächst, ist der Aufwand, den man betreiben muss, um sie in gutem Zustand zu halten. Wenn Sie nur die vier funktionalen Paare besitzen, die ich oben erwähnt habe, können Sie sich um jedes einzelne kümmern: imprägnieren, Leder pflegen, Einlagen wechseln. Das ist überschaubar.
Aber versuchen Sie mal, 50 Paar Schuhe regelmäßig zu lüften, zu reinigen und richtig zu lagern, damit sie nicht verformen. Das wird schnell zu einem Fulltime-Job, und ich glaube, die meisten Leute geben irgendwann auf und lassen sie einfach im Karton verrotten, was eine Verschwendung ist. Es macht mich wirklich traurig, wenn ich sehe, wie teure Materialien durch falsche Lagerung ruiniert werden, nur weil jemand dachte, er bräuchte eine riesige Auswahl.
Fazit: Normalität ist eine innere Einstellung, nicht eine Zahl
Letztendlich, und das ist meine abschließende Meinung dazu, wie viele Schuhe sind normal: Es ist die Anzahl, mit der Sie morgens aufwachen, ohne Stress zu empfinden, weil Sie wissen, dass Sie für jeden Anlass das richtige Paar griffbereit haben, ohne dass der Schuhschrank überquillt. Für manche mag das zehn sein, für andere vielleicht zwanzig, wenn sie eine Leidenschaft dafür haben. Aber ich würde argumentieren, dass alles, was über 25 hinausgeht, meistens nur noch für die Seele ist – und das ist in Ordnung, solange es Ihnen bewusst ist, dass es ein Hobby und keine Notwendigkeit ist. Finden Sie Ihre Balance, und hören Sie auf, sich mit der Nachbarin zu vergleichen; Ihr Fußschrank ist Ihr ganz persönliches Universum.

