Die erste Selbstfärbung? Ein Abenteuer
Meine Freundin Sarah hat mich damals überredet. „Mensch, das ist doch easy“, hat sie gesagt. „Ich mach das seit Jahren.“ Und so saß ich an einem Sonntagmorgen in meiner Küche, mit einer Packung von dieser günstigen Drogeriemarkt-Farbe, einer alten Bluse meiner Mutter und einer Plastikschürze, die irgendwie nie richtig sitzt.
Erster Fehler: Ich hab die Haare vorher gewaschen. Dabei sollte man sie eigentlich zwei Tage nicht waschen, damit das natürliche Öl schützt. Ja, ja – ich weiß. Aber wer denkt da schon dran, wenn man grad voller Tatendrang ist?
Die Anleitung hab ich halb gelesen. Genau genommen: nur die Hälfte. Und dann ging’s los. Das Mischen war okay, das Auftragen – naja. Ich hab mir zwar das Handtuch um die Schultern gelegt, aber trotzdem ist Farbe auf meinen Rücken geraten. Und am Ohr? Voll daneben. Meine linke Augenbraue war plötzlich braun. (Die ist übrigens erst nach drei Tagen wieder normal gewesen.)
Die Ergebnisse – ehrlich gesagt, gemischt
Als ich den Spiegel gesehen hab, dachte ich erst: „Wow, gar nicht schlecht!“ Aber dann… die Ansätze. Oben dunkler, unten heller, und an den Seiten irgendwie gestreift. Wie bei einer Katze, die sich im Dreck gewälzt hat. Nicht hübsch. Sarah hat gelacht und gemeint: „Sieht aus wie ombre – ganz hip, oder?“ Ja, klar. Sehr hip.
Aber – und das ist wichtig – meine Haare fühlten sich danach total trocken an. Kein Wunder: keine Pflege, keine Vorbehandlung, keine Ahnung. Ich hatte nur die Farbe drauf, abgewartet und ausgespült. Fertig.
Aber kann man’s eigentlich lernen?
Die kurze Antwort: Ja. Aber mit Lernkurve. Ich hab jetzt schon fünf Mal selbst gefärbt – und mittlerweile sieht’s echt okay aus. Nicht salonmäßig, aber… akzeptabel. Und weißt du was? Es ist total machbar, wenn du ein paar Dinge beachtest.
Was ich heute anders mache
Zum einen: Ich verwende keine Billigfarben mehr. Ich hab jetzt eine aus der Apotheke, mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Klingt kitschig, ist aber besser für die Haare. Und ich trage die Farbe nicht mehr nur auf die Ansätze, sondern arbeite systematisch – Strähne für Strähne. Mit einem Färbekamm. Und Handschuhen. (Die hab ich am Anfang vergessen. Finger braun – mega peinlich beim Kaffeetrinken.)
Ich lasse die Farbe auch nicht zu lange drin. Früher hab ich gedacht: „Je länger, desto intensiver!“ Falsch. Manchmal wird’s dann nur stumpf oder zu dunkel. Jetzt setze ich den Timer. Und nach dem Ausspülen – immer eine Spülung, manchmal sogar eine Maske.
Die Vorteile? Klar, da sind welche
Erstens: Geld sparen. Einmal im Monat zum Friseur? Das sind locker 80 Euro im Jahr. Für Farbe und Pflegeprodukte gib ich vielleicht 30. Zweitens: Flexibilität. Du machst es, wenn du Zeit hast. Drittens: Du lernst deine Haare kennen. Du merkst, wie sie auf bestimmte Produkte reagieren, welche Farbtöne dir stehen – all sowas.
Außerdem, ehrlich – es fühlt sich gut an, wenn du was selbst geschafft hast. Selbst wenn’s nicht perfekt ist. Das ist wie selbst kochen: Manchmal ist es besser als im Restaurant, manchmal nur essbar. Aber es ist deins.
Wann man lieber zum Profi sollte
Aber – und das sag ich ganz klar – nicht alles lässt sich zu Hause machen. Wenn du von braun zu platinblond willst, bitte nicht alleine. Da brauchst du Bleiche, mehrere Schritte, eventuell Vorbehandlung. Da kann was richtig schiefgehen. Haare brechen ab, werden strohig, oder – noch schlimmer – du verbrennst die Kopfhaut.
Ich kenn jemanden – eine Kollegin, Tanja – die hat das gemacht. Wollte aus ihrem Dunkelbraun ein helles Rosa zaubern. Ergebnis? Haare wie Stroh, Farbe hat nach drei Tagen ausgewaschen, und die Kopfhaut war total gereizt. Hab sie dann zum Friseur geschleppt, der hat nur den Kopf geschüttelt. „Hättest du lieber mich lassen sollen.“
Die goldene Regel: Übung macht den Meister
Also, ja – du kannst deine Haare alleine färben. Aber es ist kein One-Time-Deal. Du musst ein bisschen Geduld haben, ein paar Mal üben, Fehler machen. Und das ist völlig okay.
Ich fang jetzt immer zwei Tage vorher an, die Haare nicht zu waschen. Ich trage Frischhaltefolie über die Ohren, damit keine Farbe drauf kommt. Und ich hab mir sogar so ein kleines Fön-Tuch gekauft, um den Nacken sauber zu halten.
Manchmal, wenn ich gerade in der Wanne sitze und die Farbe ziehen lasse, denke ich: „Warum mach ich das eigentlich?“ Aber dann guck ich in den Spiegel danach – und wenn’s passt, ist das ein richtig gutes Gefühl.
Weißt du was? Vielleicht probierst du’s einfach mal aus. Nicht gleich mit einer krassen Farbveränderung. Nimm erstmal nur eine Tönung. Die ist schonender, hält nicht so lang, aber du siehst sofort, wie es wirkt. Und wenn’s danebengeht – in zwei Wochen ist’s wieder weg.
Hauptsache, du machst’s mit Spaß. Und mit einem Handtuch. Und Handschuhen. Und vielleicht einer guten Playlist im Hintergrund. Denn das ist ja auch ein kleiner Moment für dich. Gell?
Also – ja. Man kann. Wirklich. Ich tu’s ja auch. Und mittlerweile? Geht’s. Nicht perfekt. Aber gut genug. Und manchmal – sogar besser als gedacht.
