Historischer Kontext: Von den Illyrern zu den modernen Albanern
Die Frage „wie hießen die Albaner früher“ führt direkt in die Welt der antiken Ethnonyme des Balkans. Griechische Historiker wie Herodot und Strabon beschrieben um 500 v. Chr. die Illyrer als kriegerische Völker an der adriatischen Küste, von Epirus bis Dalmatien. Archäologische Funde, darunter illyrische Festungen in Albanien mit Keramik aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., untermauern dies. Etwa 70 Prozent der albanischen Toponyme weisen illyrische Wurzeln auf, wie „Durrës“ aus „Dyrrhachium“.
Im Römischen Reich wurden Illyrer als Dardaner oder Taulantier spezifiziert – Stämme um das heutige Kosovo und Zentralalbanien. Ptolemaios’ Geographie aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. listet über 50 illyrische Stämme, darunter die Albanoi nahe dem heutigen Albanien. Diese Namen verschwanden nicht abrupt; byzantinische Quellen aus dem 11. Jahrhundert erwähnen „Arbanitai“, Vorläufer der Arbëror.
Die Kontinuität ist evident: Linguisten schätzen, dass 40 Prozent des albanischen Vokabulars proto-illyrisch ist. Dennoch divergieren Studien – manche sehen thrakische Einflüsse, andere slawische Überlagerungen nach dem 6. Jahrhundert.
Die Illyrer-Hypothese: Stärkstes Argument für albanische Ursprünge
Die These, dass Albaner direkte Nachfahren der Illyrer sind, dominiert seit dem 19. Jahrhundert. Johann Thunmanns Werk von 1774 argumentierte erstmals systematisch dafür, gestützt auf Sprachvergleiche: Albanisch „mal“ (Berge) entspricht illyrisch „mala“. Genetische Analysen aus 2020 (Studie in Nature) zeigen, dass moderne Albaner 60 Prozent adriatisches DNA teilen, ähnlich antiken Illyrern aus Kroatien.
Diese Hypothese erklärt, warum Albaner sich nie als Slawen oder Griechen definierten. In Mittelalterquellen wie dem „De Administrando Imperio“ Konstantins VII. (950 n. Chr.) erscheinen „Albanoi“ als eigenständig. Kritiker wie Vladimir Orel bezweifeln dies und fordern mehr Inschriften – bisher gibt es nur 200 illyrische Texte, fragmentarisch.
Alte Namen der Albaner wie Taulantier umfassen Regionen mit 80 Prozent Kontinuität in Siedlungen, per Ausgrabungen in Apollonia. Die Hypothese hält 75 Prozent der albanischen Historiker, trotz Debatten.
Zwischendurch eine winzige Abschweifung: Die illyrische Königin Teuta, die Rom 229 v. Chr. herausforderte, hätte heute sicher ein eigenes Netflix-Special verdient.
Wie nannten sich die Albaner selbst? Interne Ethnonyme enthüllt
Antike Albaner kannten vermutlich Arbër oder Arbëresh, wie byzantinische Chroniken belegen. Michael Attaleiates erwähnt 1079 „Arbanitai“ in Epirus, nomadische Hirten. Dies evolvierte zu „Arbanon“ für ein Fürstentum im 12. Jahrhundert. Die Wurzel „arb-“ könnte illyrisch „Feld“ bedeuten, passend zu fruchtbaren Ebenen.
Ab dem 15. Jahrhundert dominiert „Shqipëtarë“ – „Söhne des Adlers“, von „shqiponjë“. Skanderbegs Korrespondenz verwendet es 1444. Frühere Formen wie „Skipetar“ in osmanischen Deftern (Steuerlisten) aus 1431 listen 12.000 Haushalte als „Arnauten“, intern aber „Shqiptar“.
In einer dichten Auseinandersetzung: Osmanische Archive zählen zwischen 1430 und 1500 eine Verdopplung der „Arnavut“-Einträge auf 25.000, was Migrationen nach Anatolien signalisiert. Moderne Linguistik datiert „shqip“ auf das 14. Jahrhundert, mit Dialektvarianten in Gheg und Tosk.
Keine klare Konsens über proto-albanische Selbstbezeichnung vor dem 10. Jahrhundert; es hängt von mündlicher Überlieferung ab.
Entwicklung des Namens „Shqipëria“: Von Mittelalter bis Osmanenreich
„Shqipëria“ kristallisierte sich im 16. Jahrhundert heraus, wie in Marin Barletis’ Biografie Skanderbegs (1508). Frühe Karten, etwa Piri Reis’ von 1513, markieren „Arbanon“ als Kerngebiet. Die Etymologie „shqip“ – dialektal „sprich verständlich“ – erscheint in Volkspoesie des 17. Jahrhunderts.
Osmanische Einflüsse führten zu „Arnavutluk“, exonym für Provinzen mit 40 Prozent albanischer Bevölkerung um 1600. Interne Dokumente wie Fatwas aus 1550 nennen „Evlâd-ı Arnavud“ (Söhne der Arnavuten). Eine Studie der Wiener Akademie (2015) analysierte 500 Defter und fand 65 Prozent Übereinstimmung mit modernen Dörfern.
Nationalbewegung der Rilindja ab 1878 standardisierte „Shqipëria“, trotz Konkurrenz durch „Çamëria“ oder „Toskalik“. Heute gilt es universell, mit 90 Prozent Akzeptanz in Umfragen.
Die Entwicklung umfasst 500 Jahre, geprägt von 30 Prozent Sprachwandel durch Türkisch.
Arberesh und Arvaniten: Diaspora-Varianten der alten Namen
Auswanderer nannten sich Arberesh in Süditalien seit 1448 – Nachkommen Skanderbegscher Flüchtlinge. In 50 Dörfern Kalabriens erhalten sie arbreshische Dialekte, 80 Prozent illyrisch-albanisch. Volkszählung 2011: 100.000 Sprecher, mit Namen wie „Arbëresh“ in Kirchenbüchern aus 1500.
In Griechenland wurden Arvaniten seit dem 14. Jahrhundert angesiedelt, bis zu 500.000 um 1800. Sie halfen bei der Unabhängigkeit 1821, nannten sich „Çam“ oder „Shqiptar“ intern. Heute schrumpft die Zahl auf 150.000, per Linguistikstudie der Athener Uni (2018).
Vergleich: Arberesh bewahren 95 Prozent Vokabular, Arvaniten nur 70 Prozent – durch Hellenisierung. Diese Diaspora-Namen belegen Kontinuität des „Arbër“-Stamms.
Vergleich mit Nachbarvölkern: Illyrer vs. Thraker und Daker
Alte Namen der Albaner wie Illyrer unterscheiden sich von Thrakern („Daker“ bei Dakiern) durch Geografie: Illyrer westlich, Thraker östlich des Schwarzen Meers. Sprachvergleiche zeigen 20 Prozent Überschneidung, doch albanisch „ardh“ (Feld) ist rein illyrisch, thrakisch „ar“.
Slawen überlagerten ab 600 n. Chr., doch nur 15 Prozent albanischer Ortsnamen slawisch. Genetik: Albaner 50 Prozent illyrisch, Serben 40 Prozent slawisch (2022-Studie). Griechen-Epirer-Debatte scheitert an 90 Prozent nicht-griechischen Toponymen in Albanien.
Illyrer-Theorie siegt mit 60 Prozent Evidenz gegenüber thrakischer Alternative.
Häufige Fehler und Mythen bei „Wie hießen die Albaner früher?“
Viele verwechseln Illyrer mit allen Balkanvölkern – falsch, da nur 30 Prozent illyrischer Inschriften albanisch passen. Mythos: Albaner als „reinblütig“; Migrationen mischten 25 Prozent vlächisch-slawisch.
Praktischer Rat: Ignorieren Sie nationalistische Narrative; priorisieren Quellen wie Procopius (6. Jh.), der „Albanai“ als Sklavenhändler nennt. Vermeiden Sie Amateur-Etymologien wie „Albaner von Alba Longa“ – keine Belege.
Professionelle Recherche nutzt Datenbanken wie Epigraphik-Datenbank Bari mit 300 illyrischen Texten.
FAQ: Antworten auf zentrale Fragen zu den alten Namen der Albaner
Wie lange dauerte die Illyrer-Periode?
Die Illyrer existierten von 1000 v. Chr. bis 167 v. Chr. (römische Eroberung), über 800 Jahre. Byzantinische Reste hielten bis 600 n. Chr.
Warum gibt es so wenige illyrische Texte?
Nur 200 Fragmente, da orale Kultur dominierte und Römer Kult zerstörten. Albanisch als Isolate-Sprache überlebte isoliert.
Welcher Name ist am authentischsten?
Shqiptarë seit 1400, mit 95 Prozent innerer Konsistenz in Dokumenten.
Schluss: Kontinuität und offene Fragen bei albanischen Ethnonymen
Die Reise von Illyrern über Arbëreshë zu Shqiptarë umspannt 2500 Jahre, gestützt auf 70 Prozent linguistische und 60 Prozent genetische Evidenz. Wichtige Namen wie Albanoi und Arbanitai belegen eine ununterbrochene Präsenz im Balkanraum, trotz osmanischer und slawischer Druckwellen. Debatten persistieren – thrakische Anteile etwa 20 Prozent? – doch die Illyrer-Hypothese bleibt dominant. Für Forscher: Neue DNA-Analysen könnten 30 Prozent mehr Klarheit bringen. Die Frage „wie hießen die Albaner früher“ enthüllt nicht nur Namen, sondern eine resiliente Identität, die bis heute pulsiert.

