Die Realität der Einschleppung: Woher kommen die kleinen Plagegeister überhaupt?
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Stallbau, alles neu, alles sauber, alles mit diesen superteuren, ungiftigen Holzschutzmitteln behandelt, die ja angeblich alles abwehren. Und trotzdem, nach etwa sechs Monaten, fing es an. Ich glaube, der Hauptgrund, warum wir diese Viecher immer wieder bekommen, liegt in der Übertragung. Die Milben sind keine sesshaften Bewohner, sie sind Pendler, wenn Sie so wollen.
Man bringt sie unbemerkt mit. Sei es durch neue Setzlinge, die man in den Auslauf stellt, durch gebrauchte Legenester, die man auf einem Flohmarkt ergattert hat, oder einfach durch einen neuen Hahn, der gerade von einem anderen Hof kam. Man sieht sie nicht, sie sind winzig, oft nur einen Millimeter groß, und sie verstecken sich tagsüber in den tiefsten Ritzen. Ich habe mal gelesen, dass eine einzelne Milbe, die unentdeckt bleibt, exponentiell wachsen kann, was mich immer wieder daran erinnert, wie wichtig das regelmäßige, fast schon zwanghafte Kontrollieren ist.
Welche Milbenarten machen unseren Hühnern wirklich das Leben schwer?
Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht alle Krabbeltiere gleich sind, obwohl die rote Vogelmilbe natürlich der Erzfeind Nummer eins ist. Wenn ich von Milben rede, meine ich meistens diesen Blutsauger, der nachts zuschlägt. Aber es gibt eben auch die Kalkbeinmilbe, Knemidokoptes mutans, die ist zwar nicht direkt für die Blutarmut der Hennen verantwortlich, aber sie verursacht diese schrecklichen, verkrusteten Beine, die man dann mühsam behandeln muss. Das ist eine ganz andere Baustelle, ehrlich gesagt.
Wenn ich bei meinen Hennen Juckreiz oder Unruhe bemerke, schaue ich zuerst unter die Sitzstangen, besonders an den Befestigungsschrauben, denn dort lieben sie es, sich zu sammeln. Ich habe festgestellt, dass die Luftfeuchtigkeit im Stall eine riesige Rolle spielt; in feuchten, schlecht belüfteten Ställen explodieren die Populationen viel schneller, als wenn die Luft zirkulieren kann. Das ist ein Faktor, den viele Anfänger unterschätzen, weil sie sich nur auf die sichtbaren Kotspuren konzentrieren.
Der Mythos vom "perfekten, milbenfreien Stall"
Viele Leute denken, wenn sie den Stall einmal im Jahr komplett leer räumen, alles ausbürsten und mit Kerosin (was man natürlich nicht tun sollte!) besprühen, dass sie für den Rest des Jahres Ruhe haben. Das ist, meiner Meinung nach, der größte Irrtum. Milben sind Überlebenskünstler. Selbst wenn Sie den ganzen Stall bis auf die nackten Balken abschleifen, können Eier oder Larven in winzigen Holzporen überleben und nach einigen Wochen wieder aktiv werden. Das ist frustrierend, aber es ist die Wahrheit.
Ich habe einmal einen Stall neu gebaut, alles aus hartem Kunststoff und Metall, um Holzritzen zu vermeiden. Und raten Sie mal? Sie haben sich trotzdem unter den Auflageflächen der Kotbretter eingenistet. Sie finden immer einen Weg, solange es warm und dunkel ist. Das bedeutet nicht, dass Holz schlecht ist, aber es bedeutet, dass Ihre Präventionsstrategie ein Marathon sein muss, kein Sprint.
Prävention ist alles: Was ich heute anders mache als früher
Nachdem ich einmal einen ernsthaften Befall hatte, der mich fast zwei Wochen lang jede Nacht wach gehalten hat, um die Hennen zu kontrollieren, habe ich meine Strategie komplett umgestellt. Ich setze jetzt stark auf Diatomeenerde, aber nicht einfach nur draufgestreut. Ich mische sie in eine dicke Paste aus Wasser und etwas Öl und streiche diese Mischung in alle kritischen Ritzen und Bohrlöcher. Das ist eine ziemliche Sauerei, aber es verstopft die Verstecke mechanisch.
Ich habe auch gelernt, dass das regelmäßige Wechseln der Sitzstangenmaterialien hilfreich sein kann. Wenn Sie zum Beispiel nach zwei Jahren von glatten Metallstangen auf unbehandeltes Holz wechseln, ist das ein neuer Lebensraum, den die alten Milbenkolonien vielleicht nicht sofort besiedeln können. Es geht darum, den Parasiten keine stabile Heimat zu bieten. Das kostet vielleicht 50 Euro im Jahr für neue Stangen, aber es spart hunderte Stunden Stress.
Wann sollte man wirklich Alarm schlagen und welche Mittel helfen dann?
Der kritische Punkt ist, wenn Sie die Milben tagsüber sehen. Wenn Sie morgens in den Stall gehen und sehen, wie die kleinen roten Punkte auf den Sitzstangen herumkrabbeln – dann ist es bereits ein starker Befall. Tagsüber sind sie eigentlich im Versteck, es sei denn, die Population ist so dicht, dass die Verstecke überquellen.
Wenn es akut wird, schwöre ich auf Kieselgur (Diatomeenerde der Lebensmittelqualität) für die langfristige Schädlingsbekämpfung, aber bei einem akuten Ausbruch, besonders wenn die Hennen schon blass sind, muss man härter ran. Ich habe gute Erfahrungen mit speziellen Sprays gemacht, die auf Pyrethrum-Basis sind, aber ich achte penibel darauf, dass das Spray nur auf die Oberflächen kommt, niemals direkt auf die Tiere, und ich lasse den Stall danach mindestens 48 Stunden geschlossen und gut durchlüftet, bevor die Hennen wieder rein dürfen.
Zusammenfassend: Keine Garantie, aber Kontrolle ist möglich
Also, sind Milben in jedem Hühnerstall? Nein, vielleicht nicht in dem Brand-neuen, perfekt isolierten Stall, der nur drei Wochen existiert und wo die Hühner nur auf einer Wiese ohne Kontakt zu anderen Tieren gehalten werden. Aber in jedem Stall, der länger als ein halbes Jahr existiert und wo Hühner leben, die draußen herumlaufen, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass irgendwo ein paar Milbeneier lauern. Ich denke, wir müssen akzeptieren, dass die Bekämpfung kein einmaliges Ereignis ist, sondern eine permanente Hausordnung.
Das Wichtigste, was ich Ihnen mitgeben möchte, ist: Kontrollieren Sie regelmäßig, auch wenn Sie nichts sehen, und machen Sie es den Milben so unbequem wie möglich, indem Sie Ritzen abdichten oder mit Kieselgur behandeln. Haben Sie selbst schon einmal versucht, einen scheinbar sauberen Stall zu inspizieren und trotzdem etwas gefunden? Erzählen Sie mir davon, ich bin immer neugierig auf neue Tricks.

