Warum 120 Hertz mehr als nur Marketing-Geblubber sind
Hand aufs Herz: Die meisten von uns sind mit 30 oder 60 FPS großgeworden und waren damit eigentlich ganz glücklich. Doch dann kam die PlayStation 5 und mit ihr das Versprechen von 120 Hertz. Was bedeutet das eigentlich im Alltag? Es bedeutet, dass der Fernseher das Bild 120-mal pro Sekunde aktualisiert, sofern die Konsole diese Daten liefert. Das Ergebnis ist eine Bewegtbildschärfe, die man besonders in schnellen Shootern oder Rennspielen nicht mehr missen möchte. Man sieht den Gegner um die Ecke huschen, bevor er einen selbst sieht – zumindest theoretisch, wenn die Reflexe mitspielen.
Die Sache hat jedoch einen Haken, den viele unterschätzen. Um 120 Bilder pro Sekunde zu berechnen, muss die Hardware der PS5 ordentlich schuften. Das geht oft auf Kosten der Grafikdetails. Ich finde diesen Kompromiss völlig vertretbar, aber es gibt genug Puristen, die lieber jede Pore im Gesicht des Protagonisten zählen, als eine flüssigere Kamerafahrt zu genießen. Es ist eine Frage der Prioritäten. Wo es früher hieß "Grafik oder Leistung", haben wir heute oft drei oder vier verschiedene Modi zur Auswahl, was die Sache nicht unbedingt übersichtlicher macht.
Shooter-Elite: Wo Millisekunden über Sieg oder Niederlage entscheiden
In keinem Genre ist der Vorteil von 120 Hz so eklatant wie bei den First-Person-Shootern. Wer einmal Call of Duty: Modern Warfare 3 oder Warzone mit 120 FPS gespielt hat, wird bei der Rückkehr zu 60 FPS das Gefühl haben, durch Treibsand zu laufen. Das Bild wirkt stabiler, das Zielen mit dem Analogstick fühlt sich präziser an, weil die Konsole viel häufiger auf deine Eingaben reagiert. Und genau hier liegt der Hund begraben: Es geht nicht nur um die Optik, sondern um die Latenz.
Fortnite und Apex Legends: Die kompetitive Schiene
Fortnite war einer der Vorreiter auf der PS5, die den 120-Hz-Modus fast von Tag eins an perfekt integriert haben. Auch Apex Legends hat nachgezogen, wobei man hier ehrlich sagen muss, dass die grafischen Einbußen deutlicher spürbar sind als bei der Konkurrenz. Dennoch: Wer gewinnen will, schaltet die Schatten und die hohe Auflösung ab. Es ist fast schon unfair gegenüber Spielern auf älteren Konsolen, die mit 30 oder 60 FPS herumkrebsen. Die PS5 bietet hier einen echten Hardware-Vorteil, den man nutzen sollte, wenn der Monitor es hergibt.
Sony-Exclusives: Die Meister der Optimierung
Es ist kein Geheimnis, dass die First-Party-Studios von Sony die Hardware am besten im Griff haben. Insomniac Games hat mit Spider-Man 2 und Ratchet & Clank: Rift Apart gezeigt, wie man 120 Hz sinnvoll nutzt, ohne dass das Spiel aussieht wie ein Pixelbrei aus dem Jahr 2010. Sie nutzen eine Technik, die sich 120-Hz-Container nennt. Das bedeutet, dass das Spiel nicht zwingend 120 FPS erreichen muss, sondern durch die hohe Bildwiederholrate des Fernsehers andere Modi ermöglicht werden, wie zum Beispiel den 40-FPS-Modus.
Das klingt im ersten Moment nach wenig, aber 40 FPS in einem 120-Hz-Container fühlen sich mathematisch exakt in der Mitte zwischen 30 und 60 FPS an. Es ist ein kleiner Geniestreich der Entwickler. Man behält die hohe grafische Treue bei und bekommt trotzdem ein deutlich flüssigeres Spielgefühl als bei den ruckeligen 30 FPS der PS4-Ära. Ich persönlich spiele God of War Ragnarök ausschließlich in diesem Modus, weil es für mich den "Sweet Spot" aus Optik und Spielbarkeit trifft.
Horizon Forbidden West und das Problem der Weitsicht
Bei Horizon Forbidden West war der Start holprig. Der Performance-Modus sah anfangs etwas verwaschen aus, doch Guerilla Games hat nachgebessert. Heute ist das Spiel ein Vorzeigeobjekt für 120-Hz-Unterstützung. Wenn man auf einem Reitier durch die Postapokalypse galoppiert, macht die hohe Bildrate einen gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung der Umgebung aus. Nichts verschwimmt mehr so stark, die Welt bleibt auch in Bewegung knackig. Das ist genau das, was wir von der aktuellen Konsolengeneration erwartet haben.
Die Liste der wichtigsten 120-Hz-Spiele auf der PS5
Um den Überblick nicht zu verlieren, hier eine Auswahl der prominentesten Titel, die den Modus unterstützen. Man sollte bedenken, dass diese Liste ständig wächst, da fast jeder große Release heutzutage zumindest eine Option für höhere Bildraten bietet. Hier sind die Schwergewichte:
Call of Duty (alle Teile seit Cold War), Destiny 2 (im Schmelztiegel-Modus), Devil May Cry 5 Special Edition, Dirt 5, Doom Eternal, F1 23 und F1 24, Ghostwire: Tokyo, Hogwarts Legacy (mit Abstrichen bei der Auflösung), Monster Hunter Rise, Overwatch 2, Quake, Rainbow Six Siege, Resident Evil Village, Rocket League, The Last of Us Part I und Part II Remastered, Uncharted: Legacy of Thieves Collection und natürlich Cyberpunk 2077. Die Auswahl ist mittlerweile so groß, dass es fast schon zum Standard gehört.
Rennsimulationen auf der Überholspur: Dreistellige Bildraten im Test
Wenn du mit 300 km/h über die Nordschleife bretterst, zählt jedes Detail. Dirt 5 war eines der ersten Spiele, das die 120 Hz auf der PS5 wirklich zelebriert hat. Es ist ein völlig anderes Gefühl, wenn der Matsch gegen die Kamera spritzt und die Umgebung trotzdem flüssig an einem vorbeizieht. Auch die Formel-1-Reihe von Codemasters profitiert enorm davon. In F1 24 ist die Präzision beim Einlenken in die Kurve spürbar höher, wenn man im 120-Hz-Modus spielt. Man macht weniger Fehler, weil das visuelle Feedback schneller im Gehirn ankommt.
Gran Turismo 7 darf hier natürlich nicht fehlen. Polyphony Digital hat lange gebraucht, um den Modus zu perfektionieren, aber das Ergebnis ist beeindruckend. Es ist vielleicht nicht die grafische Revolution, die manche erwartet haben, da die Auflösung im 120-Hz-Betrieb dynamisch nach unten korrigiert wird, aber das Fahrgefühl ist unerreicht. Wer ein Lenkrad-Setup besitzt, für den ist 120 Hz eigentlich Pflicht. Alles andere fühlt sich danach an, als würde man mit angezogener Handbremse fahren.
Die bittere Pille: Auflösung vs. Bildrate
Hier müssen wir mal kurz Tacheles reden. Das Marketing von Sony und den TV-Herstellern suggeriert oft, dass wir 4K und 120 Hz gleichzeitig bekommen. Die Realität sieht anders aus. Die PS5 hat zwar einen HDMI 2.1 Anschluss, der theoretisch 4K bei 120 FPS übertragen kann, aber die Rechenleistung der Konsole reicht für die meisten AAA-Titel schlicht nicht aus, um beides gleichzeitig in voller Pracht zu liefern. In der Praxis bedeutet 120 Hz oft eine Reduzierung der Auflösung auf 1440p oder sogar 1080p.
Das ist der Punkt, an dem viele enttäuscht sind. Man kauft sich einen teuren OLED-Fernseher für 1500 Euro und dann sieht das Spiel plötzlich etwas unschärfer aus. Man muss sich entscheiden: Willst du das perfekte Standbild oder die perfekte Bewegung? Ich bin der Meinung, dass in einem Videospiel die Bewegung immer Vorrang hat. Was bringt mir eine 4K-Auflösung, wenn das Bild bei jeder schnellen Drehung in einen Brei aus Bewegungsunschärfe verwandelt wird? Aber das ist ein Thema, bei dem sich die Gamer-Gemeinde regelmäßig in den Foren zerfleischt.
Dynamische Skalierung: Warum 1080p oft die Realität ist
Viele Spiele nutzen eine Technik namens Dynamic Resolution Scaling (DRS). Das bedeutet, die Konsole passt die Auflösung in Echtzeit an die Last an. Wenn viel auf dem Bildschirm passiert – Explosionen, viele Gegner, weite Sichtweiten – sinkt die Auflösung, um die 120 FPS zu halten. In ruhigen Momenten geht sie wieder hoch. Das Problem ist, dass man diesen Wechsel auf großen Fernsehern durchaus sieht. Es flimmert an den Kanten, Texturen wirken matschig. Es ist ein Kompromiss, den man eingehen muss, wenn man die maximale Geschmeidigkeit will.
HDMI 2.1 und die Lüge vom billigen Kabel
Kommen wir zur Technik, denn ohne die richtige Hardware bleibt der Bildschirm schwarz oder schaltet einfach nicht in den gewünschten Modus. Du brauchst zwingend einen Fernseher oder Monitor mit HDMI 2.1 Anschluss. Die alten HDMI 2.0 Anschlüsse schaffen zwar 120 Hz, aber nur bei einer Auflösung von maximal 1080p. Wer die volle Bandbreite will, muss aufrüsten. Und dann ist da noch das Kabel. Das mit der PS5 mitgelieferte Kabel ist tatsächlich ein "Ultra High Speed"-Kabel und reicht völlig aus. Kauft euch bitte keine überteuerten Gold-Kabel für 50 Euro im Elektromarkt, die versprechen, das Bild "digitaler" zu machen. Das ist absoluter Quatsch.
Wo es wirklich tricky wird, ist die Kompatibilität der Fernseher. Nicht jeder HDMI-Port an deinem neuen TV unterstützt zwangsläufig HDMI 2.1. Oft sind es nur Port 3 und 4. Wer dann seine PS5 an Port 1 steckt und sich wundert, warum in den Einstellungen "120 Hz nicht unterstützt" steht, hat den klassischen Fehler gemacht. Es ist ein Dschungel aus Spezifikationen und Bezeichnungen, durch den man sich erst einmal durchkämpfen muss. Und ja, manche günstigen Fernseher werben mit 120 Hz, können diese aber nur durch interne Zwischenbildberechnung erreichen, was für Gaming wegen des massiven Input-Lags völlig unbrauchbar ist.
Warum VRR der eigentliche Gamechanger ist
Variable Refresh Rate, kurz VRR, ist der heimliche Held der aktuellen Generation. Warum? Weil kaum ein Spiel auf der PS5 die 120 FPS konstant halten kann. Es gibt immer Einbrüche auf 100 oder 90 FPS. Ohne VRR würde das zu hässlichem Tearing (Bildreißen) oder Rucklern führen. VRR synchronisiert die Bildwiederholrate des Fernsehers in Echtzeit mit der Ausgabe der Konsole. Das Ergebnis ist ein flüssiges Bild, selbst wenn die Framerate schwankt.
Ich gehe sogar so weit zu sagen: 120 Hz ohne VRR ist nur der halbe Spaß. Wenn du die Wahl hast, investiere lieber in einen Fernseher, der VRR gut beherrscht, als in einen, der nur mit hohen Hertz-Zahlen wirbt. Es macht den Unterschied zwischen "das Spiel läuft flüssig" und "das Spiel fühlt sich perfekt an". Besonders bei Titeln wie Elden Ring, die technisch nicht immer ganz sauber laufen, rettet VRR das Spielerlebnis auf der PS5 massiv. Es bügelt die Unzulänglichkeiten der Engine einfach glatt.
Diese Fehler ruinieren dein 120-Hz-Erlebnis sofort
Es gibt ein paar Dinge, die man falsch machen kann, und man merkt es oft erst nach Wochen. Der erste Fehler: Die PS5-Einstellungen stehen auf "Auflösungspriorität" statt auf "Leistungspriorität". Man kann das global im Systemmenü der Konsole festlegen. Wenn das Spiel dann startet, erkennt es deine Vorliebe und schaltet automatisch in den richtigen Modus – meistens jedenfalls. Man sollte trotzdem immer noch einmal in den In-Game-Optionen nachschauen.
Der zweite Fehler ist die Beleuchtung oder der "Game Mode" des Fernsehers. Viele TVs schalten bei 120 Hz bestimmte Bildverbesserer ab, was das Bild blasser wirken lassen kann. Hier muss man oft manuell nachjustieren. Und ganz wichtig: HDR. Manche Fernseher kommen ins Straucheln, wenn sie 4K, 120 Hz, VRR und HDR gleichzeitig verarbeiten sollen. Da stößt selbst moderne Elektronik an ihre Grenzen. Wenn das Bild anfängt zu flackern oder Bildaussetzer auftreten, ist meistens die Bandbreite des HDMI-Ports oder des Kabels am Limit. In diesem Fall hilft es oft, die Farbtiefe in den PS5-Einstellungen leicht zu reduzieren (auf -1 oder -2).
Häufige Fragen zum 120-Hz-Modus der PlayStation 5
Unterstützt jeder 4K-Fernseher 120 Hz?
Leider nein. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Viele günstigere 4K-Fernseher haben nur ein 60-Hz-Panel verbaut. Sie können zwar 4K-Inhalte anzeigen, aber eben nur mit maximal 60 Bildern pro Sekunde. Man muss beim Kauf explizit auf ein 100-Hz- oder 120-Hz-Panel und HDMI 2.1 achten. Die Angabe "PQI" oder ähnliche Fantasiewerte der Hersteller haben nichts mit der echten Bildwiederholrate zu tun.
Brauche ich für 120 Hz ein spezielles PS5-Spiel?
Ja, das Spiel muss diesen Modus explizit unterstützen. Ein altes PS4-Spiel, das nicht für die PS5 optimiert wurde, wird auch mit einem 120-Hz-Fernseher nicht plötzlich flüssiger laufen. Es bleibt bei seiner ursprünglichen Framerate (meist 30 oder 60 FPS). Es gibt jedoch einige PS4-Spiele, die über einen Patch "entsperrt" wurden, wie zum Beispiel God of War (2018) oder Days Gone, die dann zumindest stabile 60 FPS liefern.
Ist der Unterschied zwischen 60 Hz und 120 Hz wirklich so groß?
Das ist subjektiv, aber für die meisten Menschen: Ja. Es ist nicht so ein gewaltiger Sprung wie von 30 auf 60 FPS, aber die Klarheit in der Bewegung ist deutlich höher. Wer einmal daran gewöhnt ist, nimmt das Flimmern und die Unschärfe bei 60 Hz deutlicher wahr. Es ist ein bisschen wie bei einem Retina-Display: Man merkt erst, was man vermisst hat, wenn man es einmal hatte und dann wieder darauf verzichten muss.
Kann ich 120 Hz auch auf einem 1080p-Monitor nutzen?
Ja, das funktioniert sogar sehr gut. Viele Gaming-Monitore unterstützen 120 Hz oder 144 Hz über HDMI 2.0 bei einer Auflösung von 1080p. Die PS5 erkennt das und gibt das Signal entsprechend aus. Das ist oft eine sehr preiswerte Methode, um in den Genuss von hohen Bildraten zu kommen, ohne gleich ein Vermögen für einen OLED-TV auszugeben. Man verzichtet dann zwar auf 4K, gewinnt aber die volle Performance.
Das letzte Wort: Brauchst du das wirklich?
Sind wir mal ehrlich: 120 Hz sind ein Luxusproblem. Man kann jedes Spiel auf der PS5 auch mit 60 FPS wunderbar genießen und wird nichts Essentielles verpassen. Wenn du jedoch jemand bist, der viel online spielt, Shooter liebt oder einfach das technisch bestmögliche Erlebnis aus seiner Konsole herausholen will, dann ist 120 Hz der nächste logische Schritt. Es verändert nicht, *was* du spielst, aber es verändert fundamental, *wie* es sich anfühlt. Das Ding ist, dass die Hardware-Preise für entsprechende Fernseher stetig fallen, sodass es bald kein elitärer Club mehr sein wird.
Ich bin überzeugt davon, dass wir uns in einer Übergangsphase befinden. Die PS5 Pro steht vor der Tür und wird vermutlich versuchen, die Lücke zwischen hoher Auflösung und hoher Bildrate weiter zu schließen. Bis dahin müssen wir mit den Kompromissen leben. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem grafisch perfekten Standbild und einer Bewegung, die sich so flüssig anfühlt wie Realität, dann wähle ich jedes Mal die Bewegung. Es ist einfach ein moderneres Spielgefühl. Und letztlich ist es genau das, was wir von einer "Next-Gen"-Konsole erwarten sollten, oder? Wer einmal in den Genuss gekommen ist, wird mir zustimmen: Es gibt kein Zurück mehr.

