Die technischen Gründe hinter dem Verbot
In Griechenland gibt es viele alte Häuser mit engen Rohrleitungen, die noch aus den 1970er Jahren stammen. Ich habe mit einem Installateur aus Athen gesprochen, der mir erzählte, dass Bohrungen durch den Kalksteinboden teurer wären als die Rohre selbst – deshalb wurden oft Rohrdurchmesser von nur 75 mm verbaut. Zum Vergleich: In Deutschland sind 100 mm Standard. Diese engen Leitungen vertragen einfach keine Papierfasern, selbst wenn sie als "septisch geeignet" deklariert sind.
Man muss sich vorstellen: In vielen Regionen, besonders auf den Inseln, gibt es keine zentrale Kläranlage. Die Abwässer landen direkt in unterirdischen Sammelbecken, die regelmäßig ausgepumpt werden müssen. Ich war mal Zeuge, wie ein Bauunternehmer auf Mykonos erklärte: "Wenn Papier mit in diese Tanks kommt, setzt es sich als Schlamm ab und reduziert deren Kapazität um bis zu 30 Prozent – das kostet letztlich alle Geld."
Typische Fehler, die Touristen machen
Ich wette, Sie haben es auch schon getan: In Ermangelung eines Mülleimers in der Toilette hat man das Klopapier einfach ins Wasser geworfen. Das passiert vielen – besonders in Restaurants oder Hotels, wo die Gastgeber es vergessen haben zu erklären. In einem Hotel in Thessaloniki habe ich sogar extra einen Zettel mit einem Schäferhund-Emoji am Spülkasten hängen sehen: "Bitte nicht ins Klo werfen! Μην ρίχνετε χαρτί στην τουαλέτα!"
Ein weiterer Fehler ist das Verwechseln von Toilettenpapier mit feuchten Tüchern. Letztere sind zwar hygienischer, aber noch schlimmer für die Rohre. Ich erinnere mich an eine Familie, die im Urlaub auf Rhodos drei Tage lang einen Eimer für die Papiere mitten im Bad stehen hatte, weil sie die Verstopfung nicht loswurden. So etwas kann man sich leicht ersparen.
Praktische Alternativen zum Klopapier
In den meisten griechischen Bädern hängt ein kleiner Abfalleimer neben der Toilette – manchmal unauffällig, aber immer vorhanden. Dieser ist oft mit einer Plastiktüte ausgekleidet, damit es nicht stinkt. In gehobenen Hotels habe ich auch Bidets angetroffen, die eine echte Alternative bieten. Übrigens: Selbst in Appartements, die auf Airbnb als "modern renoviert" angepriesen werden, funktioniert das Verbot oft trotzdem – ich habe zwei Wochen in einer Ferienwohnung in Chania verbracht, wo der Gastgeber extra einen zweiten Mülleimer mit Deckel für "hygienische Abfälle" bereitgestellt hatte.
Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Nehmen Sie ein extra wasserdichtes Tütchen für den Papierabfall mit ins Bad. So haben Sie nicht immer zwischen Hotelzimmer und Toilette laufen müssen. In einigen Regionen, wie auf Kreta, gibt es sogar spezielle Recyclingbehälter für organisches Toilettenpapier – aber das ist eher die Ausnahme.
Warum es in manchen Regionen doch klappt
Manchmal fragen mich Freunde: "Aber ich war 2019 in Athen und niemand hat was gesagt!" Das kann durchaus passen. In Neubauten der letzten 5 Jahre, besonders in Stadtvierteln mit moderner Infrastruktur, funktioniert das manchmal. Allerdings ist das Risiko hoch, dass der Abfluss trotzdem irgendwann verstopft. Ich habe mal in einer Mietwohnung in Piräus gewohnt, wo das Klopapier zwar durchkam, aber nach drei Wochen die Nachbarn sich über üble Gerüche beschwerten – die Rohre waren schon seit Monaten verstopft.
Die rechtliche Seite der Sache
Interessant: Es gibt zwar keine offizielle Gesetzesverordnung gegen Klopapier, aber viele Gemeinden verweisen in ihren Abwassersatzungen auf Paragraph 18 des Wasserhaushaltsgesetzes (Ν.3199/2003). Darin heißt es sinngemäß: "Jeder, der Abfälle in die Kanalisation einleitet, die deren Funktion beeinträchtigen können, haftet für Schäden." Also theoretisch könnte man für eine Verstopfung auch belangt werden – ob das jemals vorkommt? Eher nicht, aber die Versicherung des Hauses wird sauer sein, wenn sie den Installateur zahlen muss.
Wie man es als Tourist sicher meistert
Beim Einchecken einfach nachfragen – die meisten Gastgeber sagen es eh von selbst. Wenn kein Abfalleimer da ist, kann man diskret nach Plastiktüten fragen, so wie ich es letztes Jahr in einer Pension in Delphi gemacht habe. Eine nette Geste: Einige Hotels legen mittlerweile sogar explanatory Karten ins Bad, auf denen in mehreren Sprachen steht: "Bitte das Papier in den Behälter legen – danke für Ihre Mülltrennung!"
Und wenn man mal vergisst? Nicht zu viel Stress machen: Ich habe mal versehentlich Papier ins Klo geworfen – es kam zwar alles durch, aber danach habe ich extra lang die Spülung laufen lassen. Hätte auch schiefgehen können, war aber Glück. Besser ist es natürlich, es gleich richtig zu machen.
Ich persönlich nehme seit Jahren einen Faltmülleimer mit ins Reisegepäck – der wiegt nur 80 Gramm und passt in jede Tasche. So habe ich immer einen Behälter zur Hand, egal wo ich bin. Und wissen Sie was? Inzwischen denke ich automatisch daran, wenn ich ins Badezimmer gehe – so sehr hat sich die Gewohnheit eingeprägt. Vielleicht weckt der Gedanke an die kaputten Rohre in Griechenland sogar ein bisschen mehr Umweltbewusstsein in uns allen?

