Da fangen wir mal mit dem Klaren an: Was ist Ethanol?
Ethanol, das ist der Chemiker-Typ unter uns. Vollständiger Name: Ethylalkohol. C₂H₅OH, falls du’s genau wissen willst (und ich ehrlich gesagt auch nur aus der Schule noch weiß). Es ist ein organisches Lösungsmittel, entsteht durch Gärung von Zucker – also so wie beim Bier, Wein oder Wodka. Nur halt ohne all die anderen Geschmacksstoffe. Reiner Ethanol ist farblos, brennt extrem, verdunstet schnell und kann alles Mögliche lösen – Fett, Harze, Kleberückstände. Kurz: Das Reinigungs-Champion-Mittel.
Aber hier kommt der Haken: Reiner Ethanol ist eigentlich nicht zum Trinken da. Klar, chemisch ist es das, was in Alkoholika steckt – aber in Laboren oder als Reiniger ist es oft entweder mit Zusätzen verunreinigt oder einfach zu hoch konzentriert. Und übrigens: Ab 96 % spricht man schon von „technischem Ethanol“, was bedeutet: Finger weg vom Glas!
Und was ist dann Spiritus?
Aha, hier wird’s interessant. Spiritus – das klingt irgendwie nach Großmutterküche, nach der braunen Flasche im Schrank hinterm Kartoffelbreipulver. Und tatsächlich: Viele von uns kennen Spiritus noch als jenes mysteriöse, scharfe Zeug, mit dem Oma die Fenster geputzt oder das Fieberthermometer desinfiziert hat.
Nun: Spiritus ist eigentlich eine Mischung. Und zwar meistens Ethanol – ja, genau – aber mit Zusätzen. Warum? Weil man es ungenießbar machen will. Genauer gesagt: Giftstoffe wie Methanol oder Bitterstoffe werden zugesetzt. Damit niemand auf die Idee kommt, es zu trinken. Denn Methanol? Das kann blind machen. Ernsthaft. Ein, zwei Schluck – und du siehst nur noch Schlieren. Kein Witz.
Ich erinner mich noch an eine Geschichte von meinem Onkel Uwe – der hat mal in den 80ern in der Werkstatt Spiritus in den Tank getan, weil Benzin knapp war. Ging nicht gut. Motor war hin, und der Geruch… puh. Aber das nur nebenbei.
Also, ist Spiritus nur verdünnter Ethanol?
So einfach ist es nicht. Spiritus enthält oft etwa 90 bis 96 % Ethanol – der Rest ist Wasser und die genannten Zusätze. Also: ja, es basiert auf Ethanol, aber es ist speziell dafür gemacht, nicht trinkbar zu sein. Deshalb auch der Name „vergällter Alkohol“. Klingt hart, ist aber Absicht.
Früher gab’s sogar verschiedene Arten: „Spiritus fortis“, „Spiritus aetheris“ – klingt wie aus nem Hexenbuch. Heute ist es meistens der handelsübliche „Brennsprit“ oder „Reinigungsalkohol“, den man im Baumarkt kriegt. Und da steht dann auch meist groß „nicht zum Verzehr geeignet“ drauf. Danke, danke.
Wo liegt dann der echte Unterschied?
Also, zusammengefasst: Reiner Ethanol – das ist der chemisch reine Stoff, der auch in der Lebensmittelindustrie oder Pharmazie vorkommt. Kann unvergällt sein, also trinkbar – aber nur, wenn er als Lebensmittelalkohol deklariert ist.
Spiritus – das ist fast immer technischer Alkohol, also Ethanol mit Zusätzen, damit er eklig schmeckt oder giftig ist. Wird für Reinigung, Desinfektion (außer auf Haut!), als Brennstoff für Spirituskocher oder zum Konservieren von Tierpräparaten benutzt. Nichts für die Kaffeetafel.
Ich hab mal versucht, Spiritus in meiner selbstgemachten Vanille zu verwenden – weil ich dachte, Alkohol ist Alkohol. War ein Fehler. Die Vanilleschote schwamm da so traurig in diesem chemischen Zeug, und der Geschmack… metallisch, bitter. Hatte ich nach zwei Wochen weggeworfen. Lerne daraus: Für Lebensmittel – nur unvergällten Alkohol verwenden. Punkt.
Kann man Spiritus durch Ethanol ersetzen?
Jein. Wenn du saubere, unvergällte Ethanol-Lösung hast – klar, kannst du das oft benutzen. Aber Achtung: Wenn du z. B. Fenster putzt oder Holz lackierst, ist die Vergällung meist egal. Aber wenn du etwas auf der Haut desinfizieren willst? Dann lieber den medizinischen Ethanol nehmen, den du in der Apotheke bekommst – den sogenannten „Alkohol pur“ oder „Ethanol 70 %“. Der ist sicher, weil er keine Giftstoffe enthält.
Und übrigens: In der Corona-Zeit, als Händedesinfektionsmittel knapp waren, hat sich so mancher die Frage gestellt. Ich kannte jemanden – Tanja hieß sie – die hat ihren eigenen Desinfektionsmittel hergestellt. Mit Ethanol, Glycerin und Wasser. Ging eine Zeit lang gut. Aber sie hat mal Spiritus genommen, weil der Alkohol alle war. Hat die Hände ausgetrocknet, juckten wie verrückt. Also: lieber nicht experimentieren.
Fazit: Fast gleich, aber nicht gleich
Also, um es mal ganz simpel zu sagen: Ethanol ist der Grundstoff. Sozusagen der „reine Typ“. Spiritus ist der, der was drauf hat – im wahrsten Sinne. Mit Zusätzen, um ungenießbar zu sein. Beides kann man für Reinigung oder technische Zwecke nutzen. Aber wenn’s um Haut, Lebensmittel oder medizinische Anwendung geht – dann lieber auf den richtigen Typen setzen.
Und falls du jetzt denkst: „Kann ich nicht einfach billigen Wodka nehmen?“ – Nein. Bitte nicht. Wodka ist teuer, und du verschwendest guten Alkohol. Außerdem: Auch da sind manchmal Zusätze drin. Bleib lieber bei klaren, deklarierten Produkten.
Hab ich’s jetzt verständlich erklärt? Oder hab ich dich mehr verwirrt? Ich finds selbst manchmal komisch, dass so zwei Flüssigkeiten so ähnlich aussehen und doch so unterschiedlich sind. Aber genau das macht’s ja interessant, oder?
Wenn du jetzt noch fragst: „Und was mach ich, wenn ich nur Spiritus hab und nix anderes?“ – Dann halt dich fern von deinem Essen, deiner Haut und deinem Kochtopf. Und trink es erst recht nicht. Versprochen.
