Der weihnachtliche Klassiker: Warum Glühwein einfach dazugehört
Der rote, warme Wein, oft mit einem Schuss Rum oder Amaretto verfeinert, ist einfach das Aushängeschild für die Adventszeit. Ich habe ehrlich gesagt die Erfahrung gemacht, dass man ihn fast nirgendwo anders so authentisch trinkt wie hier, vielleicht abgesehen von den Weihnachtsmärkten in Österreich. Die Leute lieben es, wie schnell man mit einer Tasse in der Hand eine festliche Stimmung bekommt, selbst wenn es draußen bitterkalt ist.
Was viele nicht wissen oder vergessen: Der Preis auf diesen Märkten ist inzwischen nicht mehr ganz ohne. Rechne mal mit etwa 3,50 Euro bis 4,50 Euro für den Becher, plus dem obligatorischen Pfand von 3 Euro oder 4 Euro, den du natürlich zurückbekommst, wenn du die Tasse abgibst. Aber mal ehrlich, die meisten behalten wenigstens eine als Souvenir, oder? Ich selbst habe eine kleine Sammlung an Tassen von verschiedenen Städten, die ich jedes Jahr wieder hervorhole.
Die Basis: Welcher Wein wird eigentlich verwendet?
Obwohl es oft heißt, man nimmt den billigsten Rotwein, den man finden kann, merkt man den Unterschied, wenn ein guter Spätburgunder oder ein Dornfelder als Basis dient. Die Händler verwenden meist einen trockenen oder halbtrockenen Wein, der dann mit viel Zucker, Orangenschalen, Zimtstangen und natürlich Nelken aufgekocht wird. Ich persönlich finde, dass zu viel Zucker den eigentlichen Wein völlig überdeckt, und das ist schade, denn dann schmeckt es am Ende nur noch süß und nicht mehr würzig-herb.
Die Feuerzangenbowle: Das Spektakel für die Gäste
Wenn es darum geht, Gäste so richtig zu beeindrucken, dann ist die Feuerzangenbowle für mich die heimliche Königin der Weihnachtsgetränke, auch wenn sie nicht jeden Tag getrunken wird. Dieses Ritual, bei dem ein Zuckerkegel, getränkt in hochprozentigem Rum, über der Bowle angezündet wird und langsam in den Topf tropft, ist einfach faszinierend. Es ist laut, es ist warm, und es riecht intensiv nach Karamell.
Ich habe mal versucht, das zu Hause nachzumachen, und muss gestehen, dass es schwieriger ist, als es aussieht. Man braucht den richtigen, hohen Metallhalter und vor allem einen Zuckerhut, der nicht sofort zerfällt. Ein häufiger Fehler, den ich auch bei Freunden beobachtet habe, ist, dass der Rum zu schnell verbrennt oder der Zucker nicht richtig karamellisiert, bevor er in den Wein tropft. Man sollte sich Zeit nehmen, das ist kein Getränk für den schnellen Durst zwischendurch, sondern ein Event.
Was trinken die Kleinen (und die Autofahrer)? Kinderpunsch und Saft-Variationen
Es ist wichtig, dass auch die jüngeren Familienmitglieder etwas Besonderes in der Hand haben, wenn alle mit ihren dampfenden Tassen dastehen. Hier kommt der Kinderpunsch ins Spiel. Was mich immer wieder überrascht, ist, wie unterschiedlich dieser schmecken kann.
In manchen Regionen ist Kinderpunsch einfach nur erhitzter, gesüßter Traubensaft mit einer Zimtstange. In anderen Fällen, und das finde ich deutlich besser, ist es eine sehr fruchtige Mischung aus Apfel, Johannisbeere und Holunder, die oft mit Sternanis versetzt ist, aber eben ohne Alkohol. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, vorher nachzufragen, ob es sich um eine "rote" oder "weiße" Variante handelt, falls man keine Lust auf zu viel Traubengeschmack hat.
Der Verdauungshelfer: Was nach dem Festessen auf den Tisch kommt
Nachdem man sich durch die Gans oder den Karpfen gekämpft hat, braucht der Körper oft etwas Stärkeres, etwas, das die Verdauung ankurbelt. Hier verlassen wir die Welt der warmen Getränke und gehen zu den klassischen Schnäpsen über. In vielen Familien, besonders auf dem Land, ist es Tradition, dass der Hausherr oder die Hausherrin eine Auswahl an Obstbränden oder Kräuterschnäpsen bereitstellt.
Ich denke da an einen guten, klaren Obstler, vielleicht aus der lokalen Brennerei, oder einen kräftigen Kräuterlikör. Man trinkt nicht viel davon, vielleicht nur einen kleinen Fingerhut voll, aber er hat eine wichtige rituelle Funktion. Es ist die ruhige Phase des Abends, in der man sich zusammensetzt und vielleicht über das vergangene Jahr spricht, während der Alkohol langsam in die Glieder kriecht.
Regionale Abweichungen: Wenn die Tradition woanders liegt
Deutschland ist ja bekannt für seine Föderalität, und das gilt auch für Getränke. Während im Rheinland und Westen vielleicht eher der klassische Glühwein dominiert, habe ich bemerkt, dass man beispielsweise in Hessen oder Teilen Süddeutschlands auch oft heißen Apfelwein (Äbbelwoi) antrifft, der dann mit Gewürzen versehen wird. Das ist eine schöne, säurebetonte Alternative zum süßeren Wein.
Im Norden, wo es oft windiger ist, habe ich auch schon von heißem Bier gehört, was für mich persönlich immer etwas gewöhnungsbedürftig bleibt, aber es soll tatsächlich wärmen. Wenn du also unterwegs bist, frag ruhig mal nach, was die lokale Spezialität ist. Oft sind diese regionalen Abwandlungen die spannenderen Entdeckungen.
Mein Fazit: Die besten Getränke sind die, die man teilt
Letztendlich ist es mir egal, ob du nun den teuren Bio-Glühwein trinkst oder einfach nur heißen Apfelsaft mit Zimt. Was zählt, ist die Atmosphäre, die diese Getränke schaffen. Ich finde, es lohnt sich, am Weihnachtsabend bewusst innezuhalten und sich auf das Aroma zu konzentrieren, das man gerade genießt, anstatt nur schnell etwas runterzuspülen.
Wenn du das nächste Mal selbst einen Weihnachtsmarkt besuchst, probiere doch mal einen weißen Glühwein – der ist meistens etwas leichter und milder. Oder noch besser: Mach dir deinen eigenen Glühwein zu Hause, dann bestimmst du die Süße und die Gewürze selbst. Was ist denn dein absoluter Favorit, den du jedes Jahr wieder brauchst, um in Weihnachtsstimmung zu kommen?
