Es hat viel mit Geschichte und Evolution zu tun
Also, ich habe dann ein bisschen recherchiert – nicht zu wissenschaftlich, aber so, dass man’s versteht. Und dabei ist mir klar geworden: Laktoseintoleranz ist eigentlich der Urzustand des Menschen. Klingt komisch, oder? Aber ja, ursprünglich konnten alle Menschen nach dem Säuglingsalter keine Milch mehr verdauen. Das Enzym Laktase, das den Milchzucker spaltet, wurde einfach nicht mehr produziert.
Dann kamen aber vor Tausenden von Jahren im Nahen Osten und in Europa Mutationen auf, die dazu führten, dass einige Erwachsene Laktase weiterhin produzieren konnten. Warum? Na ja, da begann die Viehzucht. Menschen, die Milch trinken konnten, hatten einen evolutionären Vorteil – mehr Nahrung, mehr Kalorien, besonders in kargeren Regionen. Die konnten sich besser durchsetzen.
Und wie sieht’s in Afrika aus?
In Afrika lief die Sache etwas anders. In vielen Regionen gab es traditionell keine große Milchwirtschaft – zum Beispiel in Westafrika, wo Kwame herkommt. Da standen eher Ackerbau und andere Nahrungsquellen im Vordergrund. Also bestand kein großer Druck, Laktase auch im Erwachsenenalter zu produzieren. Evolutionstechnisch unnötig, könnte man sagen.
Allerdings – und das ist echt spannend – gibt es Ausnahmen. Bei einigen Volksgruppen in Ostafrika, wie den Massai oder den Tutsi, die seit langem Viehzucht betreiben und viel Milch konsumieren, ist Laktoseintoleranz viel seltener. Die haben ähnliche Anpassungen entwickelt wie Europäer. Ist das nicht verrückt? Die Natur passt sich einfach an, was gebraucht wird.
Kultur und Ernährung spielen eine große Rolle
Aber es ist nicht nur die Biologie. Die Esskultur hat auch viel damit zu tun. In vielen afrikanischen Ländern ist Milch einfach nicht traditionell Teil der Erwachsenenernährung. Klar, es gibt Gerichte mit Joghurt oder fermentierten Milchprodukten, bei denen der Laktosegehalt niedriger ist, aber frische Milch? Eher nicht.
Ich erinnere mich an eine Reise nach Kenia vor ein paar Jahren. Da habe ich bei einer Familie in einem Dorf gegessen, und die haben mir stolz ihren traditionellen Sauermilch-ähnlichen Drink angeboten – maziwa lala oder so ähnlich. Der war sauer und gut verträglich, und sie meinten, frische Milch trinken nur die Kinder oder eben mit Verarbeitung. Das hat mir die Augen geöffnet: Es geht oft darum, was man gewohnt ist.
Was bedeutet das heute?
Heutzutage, mit Globalisierung und importierten Lebensmitteln, kommt natürlich mehr Milch auf den afrikanischen Kontinent. Und damit auch mehr Bewusstsein für Laktoseintoleranz. Viele junge Leute probieren westliche Produkte aus und merken dann: Oh, das bekommt mir nicht. Eigentlich logisch, wenn der Körper nicht drauf eingestellt ist.
Aber mal ehrlich: Ist das ein Problem? Nicht unbedingt. Es gibt genug andere calciumreiche Lebensmittel – Grüngemüse, Nüsse, Fisch. Und überhaupt, Laktoseintoleranz ist keine Krankheit, sondern eine normale Variation. Wir sollten uns vielleicht weniger fragen, warum es sie gibt, sondern eher, warum wir in Europa so besessen von Milch sind, oder?
Also, das war’s von meiner Seite. Vielleicht denkst du beim nächsten Milchkaffee ja kurz daran, wie unterschiedlich wir alle ticken – und dass das vollkommen okay ist.
