Die Rechnung, die keiner wirklich machen will
Ich hab das am Anfang komplett verdräng游戏副本t. Weißt du, man gründet, hat Bock auf Freiheit, endlich keine Chef mehr über sich, kann selbst entscheiden – und dann kommt der erste Monat, in dem die Rechnungen hereinkommen und du denkst: Äh… Moment mal…
Ich erinnere mich an meine erste selbstständige Steuererklärung. 2018, irgendwann im Februar. Saß in der Küche, mit Jan – du kennst Jan, der mit dem blauen Fahrrad –, und wir haben versucht, zu verstehen, was Netto, was Brutto ist, was Sozialversicherung kostet, und warum auf einmal 30 Prozent weg sind, bevor du überhaupt was ausgegeben hast.
Jan meinte dann irgendwann: „Also, wenn du netto 2.500 brauchst, musst du mindestens 4.000 umsetzen. Echt jetzt?“ Und ich dachte: Nein, das kann nicht sein. Aber es ist. Weil die Hälfte des Umsatzes meist für Steuern, Vorsorge, Büro, Krankenversicherung, Pauschalen draufgeht. Je nach Branche, natürlich. Bei mir als Freelancer in der Kommunikation – also kein Lager, keine Angestellten – war’s so.
Die Faustregel, die mir geholfen hat
Ich hab dann irgendwann diese Regel von einem alten Hasen gehört: Netto-Verdienst x 1,8 bis 2 = notwendiger Umsatz. Also, wenn du 3.000 Euro netto brauchst, brauchst du im Monat mindestens 5.400 bis 6.000 Euro Umsatz. Klingt brutal, oder?
Aber guck mal: Du hast ja nicht nur Steuern. Du hast Krankenversicherung – als Selbstständiger zahlt man da oft mehr, je nachdem, ob privat oder gesetzlich. Dann die Altersvorsorge, die du selbst machst, weil kein Arbeitgeber was drauflegt. Die Betriebskosten: Laptop, Internet, Homeoffice-Anteil, Reisen, Fortbildungen… Und dann kommt noch die Unsicherheit. Dass mal ein Monat nichts kommt. Oder nur die Hälfte. Und dann? Dann frisst du dein Polster auf. Oder überlegst, ob du bei deiner Mutter unters Dach ziehst. (Nicht, dass ich das gemacht hätte. Okay, vielleicht ein halbes Jahr. Bei Mama. Mit Hund.)
Was ist denn „genug“?
Ach, das ist ja das Schwierige: Was ist genug? Für mich war’s anfangs 2.000 Euro netto. Hat gerade gereicht – kleine Wohnung in Leipzig, kein Auto, viel Fahrrad, wenig Luxus. Aber dann kam die Freundin, dann ein Umzug, dann ein Hund (der, den ich gerade streichle), und plötzlich war 2.000 Euro nicht mehr genug. Plötzlich brauchte ich 3.500, einfach um nicht ständig zu rechnen, ob man sich noch ein Bier gönnen darf.
Und das ist ja das: Selbstständigkeit ist kein „Ich mach mich selbstständig und verdiene sofort mehr“. Es ist vielmehr: „Ich mach mich selbstständ combustible, und irgendwann, vielleicht, wenn alles gut läuft, verdien ich genug, um nicht mehr ständig Angst zu haben.“
Die psychologische Grenze
Ich sag dir mal was: Die größte Grenze ist nicht die finanzielle. Es ist die innere. Wenn du jeden Monat zitterst, ob die Rechnung bezahlt wird, dann bist du mental am Ende. Und genau da war ich – 2019, Herbst. Hatte zwei Aufträge storniert, Miete fällig, Hund krank. Hab fast aufgegeben. Dabei war ich eigentlich gut unterwegs. Aber die Unsicherheit nagt.
Seitdem hab ich mir ein Ziel gesetzt: Mindestens 4.000 Euro Umsatz im Monat. Immer. Egal wie. Wenn’s mal weniger ist, hab ich Rücklagen. Die mag ich jetzt. Die machen mich ruhiger. Und ehrlich? Die Rücklagen sind jetzt wichtiger als der nächste Designerstuhl fürs Büro.
Wie hoch ist dein Minimum?
Das musst du für dich selbst rausfinden. Ehrlich. Niemand sonst kann das sagen. Aber frag dich: Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen? Was, damit du gut leben kannst – nicht nur überlebst?
Ich hab mal mit einer Kollegin gesprochen, die Fotografin ist. Die meinte: „Bei mir sind’s 3.800 Euro Umsatz im Monat, damit ich 2.200 netto habe. Und das ist schon knapp.“ Weil sie Equipment hat, Versicherungen, Reisen… Bei mir ist das anders. Ich brauche viel weniger an Material. Aber dafür Zeit. Und die muss ich mir auch bezahlen lassen.
Also – was ist dein Leben wert? Was kostet dein Frieden?
Ein Tipp aus der Praxis
Ich hab vor zwei Jahren angefangen, alles aufzuschreiben. Was ich verdiene, was ich ausgeben muss. Nicht professionell, nur in ner Excel-Tabelle, die aussieht, als hätte sie ein 12-Jähriger gemacht. Aber sie funktioniert. Und seitdem weiß ich: Wenn ich unter 3.500 Umsatz im Monat komme, wird’s eng. Unter 3.000 – rote Alarmstufe.
Und jetzt kommt’s: Ich hab mir feste Monatseinnahmen-Ziele gesetzt. Nicht „irgendwann mal 5.000“. Sondern: „Oktober: 4.200 Umsatz. Mindestens.“ Und dann arbeit ich darauf zu. Nicht weil ich geldgeil bin, sondern weil ich nicht wieder in diese Angstphase will.
Fazit: Es geht nicht um Reichtum, sondern um Sicherheit
Also, um’s kurz zu machen: Wie viel du mindestens verdienen solltest? So viel, dass du nicht ständig Stress hast. So viel, dass du weißt: Auch wenn mal ein Monat schlecht läuft, du hast Puffer.
Für die meisten Solo-Selbstständigen in Deutschland liegt das realistische Minimum bei 3.500 bis 4.500 Euro Umsatz im Monat. Netto bleiben dann – je nach Steuersatz, Vorsorge, Betriebskosten – so um die 2.000 bis 2.800. Das ist kein Luxus. Aber es ist möglich, gut davon zu leben, wenn du nicht in Berlin-Mitte wohnst oder drei Kinder hast.
Und wenn du weniger verdienst? Dann guck, ob du nebenbei was machst. Oder ob du deine Kosten runterkriegst. Oder ob Selbstständigkeit gerade wirklich der richtige Weg ist – ohne das zu verurteilen. Manchmal ist Angestelltsein einfach entspannter. (Ja, ich sag das als Selbstständiger. Unglaublich, oder?)
Du weißt, was ich gelernt hab? Es geht nicht darum, wie viel du verdienst. Es geht darum, wie viel du wirklich behältst – und wie sicher du dich dabei fühlst.
Und jetzt? Jetzt geh ich mit dem Hund raus. Und überleg, ob ich mir endlich mal ein neues Headset kaufe. Das alte rauscht schon seit Monaten. Aber hey – Prioritäten, oder?
