Die alte Regel: täglich duschen – oder?
Früher war das so: morgens aufstehen, duschen, fertig. Punkt. Hygiene war Hygiene. Aber bei älteren Menschen ändert sich das. Die Haut wird dünner, trockener. Die Talgdrüsen arbeiten langsamer. Und plötzlich kann tägliche Dusche mit Seife schon zu rissiger, juckender Haut führen. Ich hab das bei Hilde gesehen – ihre Arme waren ganz rötlich, sie hat immer gekratzt, und wenn ich gefragt hab, hat sie gemeint: „Ach, das tut nichts, das ist nur die alte Haut.“ Aber das war nicht nur das Alter – das war auch die Duschcreme, die zu aggressiv war, und das zu oft.
Duschen ja – aber wie oft?
Also, was sagt die Medizin? Naja, es gibt keine feste Regel. Ehrlich gesagt, finde ich das auch gut so. Jeder ist anders. Aber ein paar Anhaltspunkte gibt’s schon. Viele Ärzte sagen: zwei- bis dreimal pro Woche reicht für die meisten Senioren völlig. Vorausgesetzt, sie schwitzen nicht besonders viel, haben keine Hauterkrankungen oder Inkontinenz. Bei Hilde haben wir uns auf zweimal entschieden – montags und donnerstags. Dazwischen gibt’s ein Waschlappen-Update: Gesicht, Achseln, Intimbereich. Klingt banal, ist aber super wichtig.
Und weißt du was? Sie fühlt sich danach besser. Nicht nur sauberer – sondern auch aktiver. Weil das Duschen anstrengend ist. Die Angst vor dem Ausrutschen, das Gleichgewicht, das Halten… das kann echt belastend sein. Wenn man es weniger oft macht, aber richtig, mit gutem Haltegriff, warmer Dusche, rutschfestem Boden – dann ist es kein Stress, sondern ein kleiner Moment der Pflege.
Die Haut braucht Schutz, nicht Säuberung
Hier kommt was, das viele übersehen: Duschen soll nicht „alles runterwaschen“, sondern sanft sein. Bei älteren Menschen ist die Haut wie ein alter Pulli – zu starkes Waschen, und sie löst sich auf. Also lieber pH-neutrale, fettende Duschlotionen. Kein heißes Wasser – das trocknet aus. Und danach unbedingt eine fettreiche Creme drauf. Lipide, Ceramide – klingt kompliziert, ist aber einfach: die Haut braucht Hilfe, sich selbst zu schützen.
Ich war mal bei einer Pflegeberatung in der Apotheke – Frau Meier, so eine mit Brille und ruhiger Stimme – und die hat mir gesagt: „Manche denken, wenn sie öfter waschen, ist es hygienischer. Aber bei alten Menschen kann es genau andersrum sein: zu viel Duschen macht die Haut kaputt, und kaputte Haut ist anfälliger für Bakterien.“ Also eigentlich: weniger kann mehr sein.
Was, wenn jemand nicht mehr will?
Das ist das Schwierigste. Bei meinem Opa, Gott hab ihn selig, war es mal so, dass er einfach nicht mehr wollte. „Ich rieche nicht“, hat er gesagt. Und ja, okay, objektiv gesehen… doch, ein bisschen. Aber es ging nicht um Geruch. Es ging um Kontrolle. Um Selbstbestimmung. Um die Angst, „pflegebedürftig“ zu sein. Das habe ich erst später verstanden. Man kann nicht einfach sagen: „Du musst jetzt duschen!“ Das fühlt sich an wie Strafe. Besser ist: fragen. Einladen. Vielleicht morgens: „Soll ich das Wasser für dich warm machen?“ Oder: „Ich hab eine neue Creme mit Lavendel, magst du mal riechen?“ Kleine Einladungen, keine Befehle.
Bei meinem Opa haben wir irgendwann einen Kompromiss gefunden: er hat sich alle zwei Tage gewaschen, mit einem Waschlappen, im Sitzen. Und einmal die Woche eine kurze Dusche. Mit Musik – er mochte Schlager. „Wenn Helene Fischer läuft, dann geht’s“, hat er gesagt. Und ehrlich – das hat funktioniert.
Und was ist mit dem Geruch?
Ja, das ist tabu, aber es ist wahr: manchmal riechen alte Menschen anders. Nicht unbedingt schlecht – aber anders. Das liegt an Stoffwechselveränderungen, an Medikamenten, an der Ernährung. Aber meistens ist es kein Grund zur Panik. Und ganz wichtig: nicht vor anderen darüber reden. Ich hab mal gehört, wie jemand im Supermarkt über seine Mutter gelästert hat: „Die stinkt einfach, was soll ich machen?“ Nein. Einfach nein. Das tut weh. Auch wenn die Oma es nicht hört – es ist respektlos.
Besser: diskret handeln. Wechseln der Kleidung, gute Bettwäsche, Raumluft. Und wenn’s um Körpergeruch geht – zarte Deos, sanfte Waschungen. Und vor allem: kein Druck. Wenn jemand sich schämt, wird’s nur schlimmer.
Das Fazit? Es kommt drauf an.
Also, um’s klar zu sagen: es gibt keine universelle Antwort auf „wie oft“. Es kommt auf die Person an. Auf die Haut. Auf die Mobilität. Auf die Psyche. Auf die Umstände. Ich finde, man sollte nicht an der Zahl kleben – zwei Mal? Drei Mal? – sondern am Wohlbefinden. Wenn jemand sich frisch fühlt, sauber ist, keine Hautprobleme hat – dann ist es richtig. Auch wenn’s nur einmal die Woche ist.
Und manchmal, ehrlich gesagt, geht’s gar nicht um das Duschen. Sondern darum, dass jemand merkt: ich bin noch wichtig. Dass man Zeit nimmt. Dass man fragt. Dass man gemeinsam überlegt. Bei Hilde machen wir das jetzt so: wir reden vorher. „Wie fühlst du dich? Möchtest du heute? Soll ich dir helfen?“ Und manchmal sagt sie „nein“, und das ist okay. Weil es ihr Leben ist.
Weißt du, was ich gelernt hab? Dass Pflege nicht nur Körper ist. Sondern Respekt. Und dass manchmal das wichtigste Produkt im Badezimmer kein Duschgel ist – sondern ein Lächeln.
