Keltische Wurzeln: Wo fängt das überhaupt an?
Also, wenn wir von Kelten sprechen, reden wir von einer Gruppe von Völkern, die ab der Eisenzeit weite Teile Europas besiedelten. Das war lange, bevor es überhaupt so etwas wie "Deutschland" gab, wie wir es heute kennen. Wir sprechen hier von der Hallstatt- und La-Tène-Zeit, also grob gesagt vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zur römischen Eroberung. Ihr Einflussbereich reichte von Irland über Britannien, Gallien (das heutige Frankreich) bis nach Süddeutschland, Österreich, die Schweiz und sogar bis nach Kleinasien. Eine riesige Nummer, ehrlich gesagt!
Was sie verbunden hat, war vor allem eine gemeinsame Kultur, ähnliche Sprachen (die keltischen Sprachen, klar!), Kunststile und oft auch eine ähnliche soziale Struktur. Denkt an die berühmten Fürstengräber, die reichen Beigaben, die beeindruckenden Schmuckstücke. Das war schon echt sophisticated für die damalige Zeit. Ich erinnere mich noch, wie ich mal als Kind mit meinen Eltern ein Museum in der Nähe von Stuttgart besucht habe, wo sie so keltische Funde ausgestellt hatten. Da war so ein goldener Halsring, der war so detailliert gearbeitet, das hat mich total fasziniert. Und ich dachte mir: Das haben Menschen gemacht, die vor Tausenden von Jahren hier gelebt haben!
"Deutsch" – Was meinen wir damit überhaupt?
Jetzt kommt der Knackpunkt: Was ist "deutsch"? Geografisch? Kulturell? Sprachlich? Ethnisch? Das ist ja schon für die letzten paar hundert Jahre kompliziert, geschweige denn für die Antike. Das Konzept einer "deutschen Nation" oder eines "deutschen Volkes" ist relativ jung, eigentlich erst im Mittelalter und dann besonders im 19. Jahrhundert so richtig entstanden. Vorher gab es Stämme, Königreiche, Fürstentümer, aber nicht die Deutschen als einheitliche Gruppe.
Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Die Kelten waren, wie gesagt, eine sehr weitverbreitete Gruppe. Teile ihres Siedlungsgebietes überschnitten sich mit dem, was heute Deutschland ist, vor allem im Süden. Man denke an die Heuneburg oder an Manching. Absolut keltisches Kernland, würde ich sagen. Aber das macht sie noch nicht zu "Deutschen" im modernen Sinne. Es ist eher so, dass das heutige Deutschland auf einem Gebiet liegt, das von vielen verschiedenen Völkern bewohnt wurde, darunter eben auch die Kelten.
Sprache und Kultur: Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal
Ein ganz entscheidender Punkt ist die Sprache. Die Kelten sprachen keltische Sprachen, die zu den indogermanischen Sprachen gehören, aber einen eigenen Zweig bilden. Die germanischen Sprachen, aus denen sich später das Deutsche entwickelt hat, sind ein anderer Zweig. Da gibt es zwar eine gemeinsame indogermanische Ursprache, aber die Entwicklung ging in verschiedene Richtungen. Es gab natürlich Kontakte, Austausch, und bestimmt auch Lehnwörter in beide Richtungen, aber es waren unterschiedliche Sprachfamilien.
Und kulturell? Nun, die Kelten hatten ihre ganz eigene Religion, ihre Druiden, ihre Kunststile, die sich deutlich von dem unterscheiden, was wir über die frühen Germanen wissen. Die Römer haben ja oft zwischen Galliern (Kelten) und Germanen unterschieden, auch wenn diese Unterscheidung nicht immer messerscharf war und oft auch politisch motiviert. Aber sie sahen da schon Unterschiede. Es gab Gebiete, wo Kelten und Germanen direkt aneinandergrenzten oder sich sogar vermischten, gerade am Rhein. Das war so eine Art Übergangszone, eine kulturelle Schmelztiegel-Region, wenn man so will.
Fazit: Keine direkten "Deutschen", aber wichtige Vorfahren
Also, um die Frage direkt zu beantworten: Nein, die Kelten waren keine "Deutschen" im modernen Sinne des Wortes. Das ist eine anachronistische Betrachtungsweise, die die Komplexität der antiken Völker und die Entwicklung von Nationalstaaten ignoriert. Es ist, als würde man fragen, ob die alten Ägypter Franzosen waren. Macht einfach keinen Sinn, oder?
Aber, und das ist ein großes Aber: Die Kelten sind ein wichtiger Teil der Geschichte des geografischen Raumes, den wir heute Deutschland nennen. Sie haben Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind – in der Archäologie, in Ortsnamen (manche Flussnamen haben keltische Wurzeln!), und vielleicht sogar in einem ganz subtilen kulturellen Erbe. Sie sind quasi ein Teil unserer vielschichtigen Vorfahren-Landschaft, nicht exklusiv "deutsch", aber definitiv ein Baustein in der Entwicklung dessen, was später hier entstand.
Es ist doch eigentlich viel spannender, sich diese Vielfalt vorzustellen: ein Europa, das von so vielen unterschiedlichen, aber auch miteinander in Kontakt stehenden Kulturen bevölkert war. Die Kelten waren da ein ganz wichtiger und faszinierender Teil davon. Und das ist doch viel cooler als irgendeine vereinfachende Schublade, oder? Manchmal, ich finde, manchmal muss man einfach akzeptieren, dass Geschichte kompliziert ist und nicht immer in unsere modernen Kategorien passt. Und das ist auch gut so!
