Der Papst ist auch nur ein Mensch – auch wenn er heilig wirkt
Manchmal vergisst man das einfach: Der Papst atmet, hustet, hat Rückenschmerzen, braucht manchmal Antibiotika. Genau wie jeder andere Opa. Nur dass er eben nicht irgendein Opa ist. Er ist das Oberhaupt der katholischen Kirche – über eine Milliarde Gläubige schauen auf ihn. Wenn er also krank wird, kann er nicht einfach sagen: „Ich mach mal Homeoffice.“
Vor ein paar Jahren, weißt du noch? Da war ich in Rom, mit meiner Cousine Martina. Wir waren am Petersplatz, gerade als der damalige Papst Benedikt XVI. auf dem Balkon erschien – blass, zittrig. Martina flüsterte mir zu: „Der sieht aus, als hätte er Fieber.“ Und tatsächlich: Kurze Zeit später kam die Nachricht – er hat sich zurückgezogen. Aber nicht wegen Krankheit, sondern wegen… Ach, das erzähl ich später. Wichtig ist: Damals fragten sich viele: Wer übernimmt jetzt eigentlich?
Es gibt keine „Stellvertretung“ wie beim Chef im Büro
Du denkst jetzt wahrscheinlich: Gibt’s denn keinen Vize-Papst? Einen zweiten Mann für Notfälle? Nö. Gibt es nicht. Und das ist Absicht. Der Papst ist per Definition der Einzige – das ist theologisch so. Keiner kann ihn „ersetzen“. Aber – und jetzt kommt das Aber – es gibt Leute, die in seiner Abwesenheit die Dinge am Laufen halten.
Die wichtigste Person ist eigentlich der Kardinalstaatssekretär. Momentan: Kardinal Pietro Parolin. Der ist so was wie der „Geschäftsführer“ des Vatikans. Wenn der Papst im Krankenhaus liegt, kümmert Parolin sich um die täglichen Angelegenheiten: Dokumente unterschreiben (nicht die großen, heiligen, aber die administrativen), Meetings leiten, mit Botschaftern reden. Aber – und das ist entscheidend – er spricht nicht im Namen des Papstes. Er kann keine neuen Lehren verkünden. Keine Bischöfe ernennen. Keine Enzykliken rausbringen.
Was passiert, wenn der Papst gar nicht mehr kann?
Das ist die große Frage. Was, wenn er bewusstlos ist? Oder dement? Oder so schwach, dass er nicht mehr entscheiden kann? Dann wird es heikel. Denn: Solange der Papst am Leben ist, ist er Papst. Punkt. Das ist keine Demokratie. Da gibt’s kein Amtsenthebungsverfahren.
Aber – und jetzt wird’s interessant – die Kirche hat 1996 mit der Apostolischen Konstitution Universi Dominici Gregis etwas geregelt. Darin steht, dass, falls der Papst dauerhaft unfähig wäre, ein kleiner Kreis von Kardinälen entscheiden könnte, was zu tun ist. Allerdings: Niemand hat das je ausprobiert. Es ist wie so ein Notfallplan, den man hofft, nie brauchen zu müssen.
Ich erinner mich an ein Gespräch mit einem Priester aus München, Pater Thomas. Der sagte mal: „Wenn der Papst nicht mehr entscheiden kann, dann muss die Kirche eben warten. Im Glauben. Auf ein Zeichen. Auf Klarheit.“ Fand ich damals komisch. Aber irgendwie auch beruhigend. Kein schnelles Eingreifen, kein Machtvakuum – sondern Stille. Abwarten. Beten.
Aber was ist mit dem Rücktritt?
Ach ja. Der Rücktritt. Das hat Benedikt XVI. 2013 gemacht. Erst der erste in 600 Jahren. Und das war ein Schock. Ehrlich. Ich saß in meiner Küche, hab Nachrichten geschaut, und dachte: „Jetzt hat er’s getan. Er tritt zurück.“ Und dann diese Stille danach. Kein Zorn, keine Rebellion – einfach Respekt.
Das hat gezeigt: Ein Papst kann zurücktreten. Auch aus gesundheitlichen Gründen. Und das hat alles verändert. Vorher hieß es immer: „Der Papst bis zum Tod.“ Jetzt wissen wir: Nicht unbedingt. Und das gibt Hoffnung. Dass ein Papst, wenn es ihm zu viel wird, sagen kann: „Ich kann nicht mehr.“
Franziskus und seine Andeutungen
Unser aktueller Papst, Franziskus, hat ja mehrfach gesagt: „Ich bin bereit, zurückzutreten, wenn ich nicht mehr kann.“ Er hat’s sogar in Interviews erwähnt. Mal ganz beiläufig: „Wenn ich nicht die Kraft habe, dann gehe ich.“ Das fand ich beeindruckend. Ehrlich. Kein Machthunger. Kein Festklammern. Sondern Demut.
Trotzdem – was, wenn er gar nicht mehr in der Lage ist, das selbst zu entscheiden? Wenn er zu schwach ist, um „Ich trete zurück“ zu sagen? Dann? Dann wird es kompliziert. Dann müssten andere entscheiden – aber wer? Und wann?
Ich glaub, da hofft die Kirche einfach darauf, dass so was nicht passiert. Dass entweder der Papst selbst die Reißleine zieht – oder dass er, wenn es ganz schlimm kommt, still entschläft, und dann der Konklave die Nachfolge regelt. Aber eine echte, funktionierende Krankheitsvertretung? Gibt’s nicht. Nicht richtig.
Die Curia rückt zusammen – aber niemand spricht für ihn
Wenn der Papst krank ist, dann merkt man, wie sehr die Kirche auf einer Person lastet. Alles dreht sich um ihn. Und wenn er ausfällt, dann wird’s ruhig. Sehr ruhig. Die Curia – also die Verwaltung des Vatikans – hält still. Keine großen Ankündigungen. Keine Eskalation. Man wartet ab.
Parolin regelt das Alltagsgeschäft. Der Camerlengo – das ist der Kämmerer – würde erst aktiv, wenn der Papst stirbt. Der kümmert sich dann um die Beerdigung, den Konklave, die Übergabe der Ringvernichtung. Aber solange der Papst lebt? Nichts.
Eigentlich krass, oder? Eine so große Institution – und keine klare Regel für den Fall, dass der Chef krank wird. Aber andererseits: Vielleicht ist das auch Absicht. Weil die Kirche nicht nur ein Unternehmen ist. Sondern ein geistlicher Körper. Und der lebt nicht nur von Verfassungen, sondern von Glauben, Gebet, und manchmal eben von Stille.
Zum Schluss: Vielleicht ist die Antwort einfacher
Wer vertritt den Papst bei Krankheit? Niemand. Nicht wirklich. Keiner spricht für ihn. Keiner nimmt seinen Platz ein. Aber viele beten für ihn. Millionen. Und vielleicht – nur vielleicht – ist das die eigentliche Vertretung: Die Fürbitte der Gläubigen.
Ich weiß nicht. Vielleicht denkst du jetzt: „Na toll, keine Lösung.“ Aber weißt du was? Manchmal ist Ungewissheit menschlich. Und genau das ist ja auch der Punkt: Der Papst ist ein Mensch. Mit Grenzen. Mit Krankheit. Mit Müdigkeit. Und das ist okay.
Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ein Papst zurücktritt, hätte ich gelacht. Heute weiß ich: In der Kirche kann viel passieren. Man muss nur bereit sein, zuzuhören – auch in der Stille.
