Eigentlich ist es komplizierter, als man denkt
Weil, klar – Frauen reden mehr. Sie gehen zur besten Freundin, erzählen alles, weinen, schauen Rom-Coms, essen Eis aus der Tüte. Das kennst du, oder? Aber heißt das gleich, dass sie mehr leiden? Oder zeigen sie’s nur besser? Ich mein, ich hab mal zwei Wochen lang gar nichts gesagt, nachdem Sarah mich verlassen hat. Hab einfach nur Musik gehört. Stunde um Stunde. Im Dunkeln. Und jeder dachte: „Alter, geht’s dir gut?“ Und ich: „Klar, warum?“
Was ich sagen will: Männer leiden anders. Nicht weniger. Einfach stiller. Wir verdrängen. Trinken. Spielen Videogames. Manchmal sogar zu viel. Ich erinner mich an Tim, aus meiner WG damals in Köln. Der hat drei Wochen lang kein Wort mit uns gesprochen, nachdem seine Beziehung zerbrochen ist. Nur Kaffee gekocht. Und Poker gespielt. Um drei Uhr nachts. Total blass. Sah aus wie ein Geist. Aber er hat nie gesagt: „Ich hab Schmerzen.“ War aber offensichtlich.
Die Hormone machen’s nicht einfacher
Okay, jetzt wird’s ein bisschen wissenschaftlich – aber nur ein bisschen, versprochen. Frauen haben mehr Oxytocin. Das ist das Kuschelhormon. Das macht, dass sie sich stärker verbinden, tiefer fühlen. Und wenn die Verbindung reißt, tut’s halt stärker weh. Männer dagegen haben mehr Testosteron. Das sagt so was wie: „Weiter, kein Drama, nächstes Ziel.“ Aber das ist nur die Oberfläche.
Unter der Oberfläche? Da tobt’s. Nur dass Männer sich oft schämen, das zuzugeben. Ich hab mal gelesen, dass Männer nach einer Trennung häufiger depressiv werden – aber seltener Hilfe suchen. Das ist krass, oder? Wir wollen stark sein. Der Beschützer. Der coole Typ. Aber innerlich? Vielleicht zerbricht da gerade alles.
Und die Gesellschaft? Die macht’s nicht besser
Stell dir vor: Eine Frau heult in der U-Bahn. Alle schauen mitfühlend. Vielleicht gibt jemand ein Taschentuch. Ein Mann heult in der U-Bahn? Leute gucken weg. Weil’s unangenehm ist. Weil Männer nicht weinen sollen. Und deshalb? Deshalb schlucken wir’s runter. Und das tut langfristig mehr weh als ein paar Tränen.
Dabei ist Liebeskummer eigentlich menschlich. Punkt. Egal ob Mann, Frau, oder irgendwo dazwischen. Aber wir erlauben Frauen, weich zu sein. Männern nicht so sehr. Also leiden sie heimlich. In der Garage. Bei der Arbeit. Beim Bier mit den Jungs, wo keiner wirklich redet, sondern nur lacht.
Aber wer leidet jetzt mehr?
Ich weiß es nicht. Ehrlich. Kann ich nicht sagen. Bei meiner Schwester damals – nach ihrem ersten großen Herzschmerz – hat sie Tage nicht gegessen. Hat Fotos verbrannt. War am Ende sogar beim Therapeuten. Und mein bester Freund Paul? Der ist nach seiner Trennung einfach in den Harz gefahren. Allein. Zwei Wochen. Mit nem Zelt. Kein Handy. Nur Wald. Kam zurück und sagte: „Geht wieder.“
Beide kaputt. Beide verletzt. Nur anders.
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt
Statt „Wer leidet mehr?“ sollte man vielleicht fragen: „Wie leidet wer?“ Weil das ist der Punkt. Frauen verarbeiten oft durch Reden. Männer durch Tun. Oder durch Nichtstun. Oder durch Ablenkung. Aber der Schmerz – der ist bei beiden echt. Tiefer. Manchmal sogar körperlich. Ich hab mal gelesen, dass Liebeskummer im Gehirn genauso wehtut wie körperlicher Schmerz. Also eigentlich: Scheißegal, ob Mann oder Frau.
Was zählt, ist, dass man nicht allein ist. Dass man es zulässt. Dass man nicht denkt: „Ich muss stark sein.“
Und was hilft wirklich?
Bei mir? Musik. Und Bewegung. Gehen. Raus. Egal wohin. Auch wenn’s regnet. Lena, meine Freundin vom Anfang – die schreibt Tagebuch. Seit Jahren. Jede Trennung, jedes Gefühl. Manchmal liest sie es nach Jahren. Sagt sie, hilft ihr, zu sehen, wie sie gewachsen ist.
Andere brauchen Freunde. Gespräche. Wein. Oder auch mal nichts. Einfach Zeit. Die wichtigste Medizin. Und Geduld. Mit sich selbst.
Also – wer leidet mehr? Vielleicht die, die am längsten schweigen. Oder die, die denken, sie müssen es allein durchstehen. Egal ob Mann oder Frau.
Hast du das auch schon erlebt? Weißt du, was ich meine? Manchmal tut’s einfach weh. Und das ist okay.
Hauptsache, man kommt raus. Irgendwann.
