Wie kam Russland überhaupt nach Alaska?
Das fing eigentlich ganz harmlos an – mit Pelzen. Hör zu: Im 18. Jahrhundert, genauer gesagt ab den 1740ern, entdeckten russische Seeleute, dass es in Alaska jede Menge Seebären, Robben und Nerze gab. Und deren Felle? Die waren in Europa unbezahlbar. Also schickte man immer mehr Schiffe nach Osten. Die Russen bauten Handelsposten auf den Aleuten, später dann auch in Kodiak und schließlich in Sitka. Russisch-Amerika hieß das damals. Klingt fast wie ein Sci-Fi-Roman, oder?
Die Russen kamen, handelten – manchmal friedlich, manchmal brutal. Die indigenen Völker wie die Aleuten oder Yupik wurden oft ausgebeutet, versklavt, manchmal ausgerottet. Nicht schön, aber Teil der Geschichte. Und ehrlich gesagt, das Thema wird oft unter den Tisch gekehrt, wenn man nur vom „Kauf“ spricht. Aber das ist eine andere Diskussion, vielleicht ein anderes Mal.
Warum wollte Russland es loswerden?
So um die 1850er Jahre herum wurde es für Russland langsam ungemütlich. Erstens: Alaska war teuer im Unterhalt. Die russische Regierung musste Soldaten, Verwaltung, Schiffe finanzieren – und das, obwohl der Pelzhandel zurückging. Zweitens: Die Briten saßen direkt nebenan in Kanada – und die hatten eine mächtige Marine. Im Ernstfall hätte Russland Alaska niemals verteidigen können. Drittens: Russland war pleite nach dem Krimkrieg (1853–1856). Die Kasse war leer. Und viertens: Der Zar hatte Angst, dass die Briten Alaska einfach einnehmen, wenn es zum Krieg kommt. Also dachte man: Lieber verkaufen, als es umsonst zu verlieren.
Weißt du was komisch ist? Eigentlich wollte Russland es an die USA verkaufen, weil man hoffte, dass die Amerikaner den Briten dann im Weg stehen. Also quasi: „Hier, nimm das Land, mach dich stark, blockier die Engländer.“ Politik halt. Manchmal wirkt das fast wie Schach – nur mit ganzen Kontinenten.
Der Deal: 7,2 Millionen Dollar für Alaska
Das Ganze lief über den russischen Botschafter in Washington, Eduard de Stoeckl. Der verhandelte mit William H. Seward, dem Außenminister der USA unter Präsident Andrew Johnson. Und am 30. März 1867 wurde der Vertrag unterzeichnet. Für 7,2 Millionen Dollar – umgerechnet etwa 2 Cent pro Morgen – übernahmen die USA das komplette Russisch-Amerika.
Jetzt kommt’s: Viele Amerikaner fanden das völlig bescheuert. Die Zeitungen spotteten: „Sewards Eiskeller!“, „Johnson’s Polarnuss!“, oder „Alaska – der größte Schneehaufen der Welt!“ Manche dachten, die Regierung hätte gerade ein riesiges, nutzloses Eisfeld gekauft. Und ehrlich? Ich kann das verstehen. Stell dir vor, du kriegst plötzlich einen riesigen Schneehaufen geschenkt – was machst du damit?
Und heute?
Heute? Heute lachen die Amerikaner. Weil Alaska reich an Öl, Gas, Gold, Fisch und unglaublich viel Natur ist. Die Entdeckung von Gold in den 1890ern brachte Tausende in die Region. Später dann das Öl – vor allem nach dem Fund in Prudhoe Bay. Heute ist Alaska einer der wichtigsten Energie-Lieferanten der USA. Und umgerechnet? Die 7,2 Millionen von damals wären heute vielleicht 150 Millionen – aber der Wert der Ressourcen? Milliarden. Vielleicht sogar Hunderte von Milliarden.
Ich war mal in Anchorage – bei einer Freundin, die dort als Biologin arbeitet. Sie hieß Lena, lebte in einem Holzhaus am Rande der Stadt. Abends saßen wir draußen – im Sommer, um 22 Uhr, bei Sonnenschein – und tranken Bier. Sie sagte: „Hier fühlt man sich frei. Echt frei. Das Land ist so groß, dass du dich verlieren kannst – und es ist egal.“ Irgendwie hat mich das beeindruckt. Alaska ist nicht nur ein Stück Land. Es ist ein Gefühl.
War das der einzige Verkauf?
Fast. Aber ja, eigentlich schon. Russland hat später nie wieder ein so großes Territorium verkauft. Und Amerika hat auch nicht oft riesige Länder gekauft – abgesehen von Louisiana (von Frankreich) und manchen kleineren Deals. Aber Alaska bleibt der legendärste. Weil es so absurd klang – und dann doch so genial war.
By the way: Manche Leute fragen mich immer: „Haben die Russen es bereut?“ Wahrscheinlich ja. Vor allem heute, wo man weiß, was unter dem Eis liegt. Aber damals? Mit der Angst vor den Briten, den leeren Kassen… war es wohl die logischste Entscheidung.
Fazit: Russland an Amerika – nicht das ganze Land, nur Alaska
Also um es klarzustellen: Russland hat nicht „ein Land“ an Amerika verkauft. Es war ein Territorium – Alaska. Und es war ein Verkauf aus Not, aus Angst, aus Kalkül. Heute wirkt es wie ein genialer Coup der USA – damals wie eine verrückte Schnapsidee.
Manchmal denke ich: Was wäre, wenn Russland es behalten hätte? Wäre Alaska heute russisch? Würden Kinder in Barrow russisch lernen statt Englisch? Würde Putin dort Öl fördern statt ExxonMobil? Wahrscheinlich nicht – die Logistik wäre unmöglich gewesen. Aber es ist interessant, darüber nachzudenken.
Hast du gewusst, dass viele Amerikaner bis heute nicht wissen, dass Alaska mal russisch war? Ich hab’s mal in einer Quizshow gesehen – peinlich. Echt jetzt, Leute?
Aber hey – Geschichte ist eben selten so einfach, wie sie im Schulbuch steht. Manchmal ist sie kalt, pelzreich, verrückt – und voller Überraschungen. Wie Alaska eben.
