Ein Name mit zwei Gesichtern?
Weißt du, das Spannende an „Edda“ ist: der Name taucht an zwei total unterschiedlichen Stellen auf. Und das verwirrt natürlich. Einerseits klingt er wie so ein nordisch-kühler Name, vielleicht wie Astrid oder Freya. Andererseits – und das ist das Verrückte – ist „Edda“ auch der Titel von alten isländischen Texten. Ja, genau: die Edda. Wie die Bibel für Wikinger. Fast.
Ich meine, stell dir vor, du heißt nicht nur Edda, sondern trägst praktisch ein ganzes Mythologie-Buch als Namen. Das hat was. Oder? Meine Tante Inge hat damals bloß gemeint: „Na, das wird ja mal wieder was für Esoterik-Gruppen.“ Ich glaub, sie hat’s nicht böse gemeint.
Die isländische Edda – nicht nur ein Name
Also, die Edda als Werk – eigentlich die „Snorra-Edda“ oder „Prosa-Edda“ – wurde im 13. Jahrhundert von Snorri Sturluson geschrieben. Der Typ war quasi der Wikipedia-Redakteur des Mittelalters. Nur mit mehr Schnee und weniger Kaffee. In der Edda geht’s um die altnordische Mythologie: Odin, Thor, Loki, die Weltentragödie, Midgard, all das Zeug. Wenn du mal Game of Thrones guckst und denkst: „Boah, wo kommt das alles her?“, dann: aus der Edda.
Aber – und das ist wichtig – der Name „Edda“ war damals wahrscheinlich nicht mal der offizielle Titel. Manche glauben, es kommt von „óðr“ – was so viel wie „Poesie“, „Inspiration“ oder „Rausch“ bedeutet. Klingt stark nach Dichter-Party im Schnee, oder? Andere sagen, es leitet sich von „Oddi“ ab, einem Ort in Island, wo Snorri mal gelebt hat. Also quasi „das Buch aus Oddi“. Klingt weniger mystisch. Ehrlich gesagt, weiß keiner genau Bescheid. Und das ist irgendwie auch okay.
Aber als Vorname – wo kommt der her?
Genau hier wird’s interessant. Denn als Vorname hat „Edda“ eigentlich gar nichts direkt mit den alten Texten zu tun. Oder doch? Also, ich hab mich damals bei meiner Recherche echt verlaufen. Wikipedia, Foren, alte Namensbücher – alles durch. Und rausgekommen bin ich mit: Edda als Name tauchte erst Anfang des 20. Jahrhunderts so richtig auf. In Deutschland. Und zwar vor allem in den 1930er bis 50er Jahren.
Warum ausgerechnet da? Keine Ahnung. Vielleicht weil er kurz ist. Elegant. Ein bisschen exotisch, aber nicht zu wild. Meine Oma hat mal gesagt, in ihrem Dorf gab’s eine Edda, die immer die schönsten Schuhe hatte. „Die Edda aus Wuppertal“, hat sie erzählt. „Mit Pelzbesatz und Absatz wie ein Dolch.“ Klingt nach einer Frau, die was zu sagen hatte.
Gibt’s eine Bedeutung als Name?
Das ist die große Frage. Und ehrlich – es gibt keine klare Antwort. Manche Quellen behaupten, Edda sei eine Kurzform von Namen wie Adelheid oder Adelinda. Also „die Edle“. Klingt edel. Andere verbinden ihn mit dem isländischen Wort „æðr“ – was „großartig“ oder „erhaben“ heißen soll. Klingt auch nicht schlecht.
Ich glaub aber, dass der Name heute einfach für sich steht. Er hat was Eigenständiges. Kurz, klar, mit einem langen „e“. Sag’s mal laut: Edda. Fühlt sich an wie eine Tür, die aufgeht. Oder wie der Anfang eines Gedichts. Vielleicht ist das ja die wahre Bedeutung: Er öffnet Räume.
Warum heißt die Tochter meiner Cousine Edda?
Also, wir waren letzten Sommer in Kiel, am Meer. Und Lena – das ist meine Cousine – hat mir erzählt, warum sie den Namen ausgesucht hat. „Weil er stark klingt“, hat sie gesagt. Und dann: „Und weil er nicht jeder hat.“ Ihre Tochter Edda, mittlerweile zwei, kann ihren Namen noch nicht richtig sagen. Sie sagt „Edda“ immer wie „Edda!“, mit so einem triumphierenden Ton. Als würde sie jeden Tag neu erfunden. Das fand ich unglaublich süß.
Ich glaube, genau das ist es: Namen bekommen ihre Bedeutung nicht nur aus Wörterbüchern, sondern aus den Menschen, die sie tragen. Edda ist nicht nur ein altes Buch oder ein Name aus den 30ern – sie ist jetzt ein Mädchen, das Sandburgen baut und Pferde liebt. Die Edda von heute.
Und was würdest du sagen?
Wenn du jetzt überlegst, ob du jemanden Edda nennen würdest – oder wenn du selbst Edda heißt –: Was bedeutet der Name für dich? Ist er cool? Altmodisch? Stark? Mysteriös? Weißt du, ich hab am Anfang gedacht, es gäbe eine feste Antwort. Eine klare Herkunft, eine präzise Bedeutung. Aber je mehr ich gelesen hab, desto mehr hab ich gemerkt: Namen leben. Sie wandern, verändern sich, bekommen neue Geschichten.
Vielleicht ist „Edda“ deshalb so besonders. Weil sie aus zwei Welten kommt. Aus der kalten isländischen Stille und aus dem Leben einer kleinen Familie an der Ostsee. Aus Mythologie und aus Alltag. Und irgendwo dazwischen – da steht der Name. Lebendig. Fragend. Wartend, bis du ihm deine Geschichte gibst.
So. Und jetzt? Jetzt geh ich einen Kaffee trinken. Vielleicht überleg ich mir, wie es wäre, wenn ich Edda hieße. Nur so zum Spaß. Edda. Hört sich gut an, oder?
