Die Sache mit den Gefühlen
Ich meine, wir sind doch alle Menschen, oder? Keine Emotionsroboter. Und selbst wenn man sagt: „Hey, ich hab alles im Griff, ich kann das trennen – Sex und Gefühl“ – irgendwann kommt meistens doch was durch. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann. Ein Blick zu lange, ein Lachen, das dich plötzlich weich macht… und zack, bist du verknallt.
Das ist mir mal mit Lena passiert. Wir waren seit der Uni befreundet, haben uns immer wieder getroffen, manchmal übernachtet, mal mehr, mal weniger intensiv. Ich dachte echt, das läuft cool. Bis ich irgendwann merkte: Ich freu mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn sie schreibt. Und wenn sie mit anderen ausgeht? Total mies drauf. Da war klar: Nee, das ist nicht mehr nur Freundschaft plus Sex. Das ist Verliebtheit. Und die andere Seite? Hat nichts gemerkt. Oder wollte es nicht sehen.
Kommunikation – oder Fehlanzeige
Das Problem ist oft: Man redet nicht richtig drüber. Man sagt: „Alles easy“, „keine Erwartungen“, aber eigentlich weiß keiner so genau, was das überhaupt heißt. Was ist, wenn einer plötzlich mehr will? Was, wenn einer eifersüchtig wird? Wer bestimmt die Regeln?
Ich hab mal gelesen, dass viele Paare das probieren, nachdem was vorbei ist. „Wir bleiben Freunde, aber ab und zu treffen wir uns noch.“ Klingt erstmal nobel, aber… funktioniert das? Bei mir nicht. Bei einem Kumpel auch nicht. Der hat danach monatelang rumgehangen, weil er dachte, das wäre ein Weg, Nähe zu behalten. War es aber nicht. Es war nur Verwirrung. Und Schmerz.
Warum wir es trotzdem wollen
Aber warum probieren wir es dann immer wieder? Vielleicht, weil Nähe süchtig macht. Weil wir den anderen nicht verlieren wollen. Oder weil wir Angst haben, allein zu sein. Oder einfach, weil es sich gut anfühlt – im Moment.
Ich frag mich halt: Kann man echte Nähe haben, ohne sich irgendwann zu verletzen? Vielleicht. Aber nur, wenn beide wirklich ehrlich sind. Und das ist selten der Fall.
Die andere Seite: Die Freunde
Und dann sind da ja noch die Freunde drumherum. Die merken was. Die sehen, wie du jedes Mal anders wirst, wenn der andere auftaucht. Und dann kommt der Spruch: „Ey, du bist doch in die verknallt, oder?“ Und du sagst: „Nee, Quatsch!“ – aber tief drin weißt du: Ja. Doch.
Bei mir hat das mal Marie gemerkt. Die war damals meine WG-Partnerin. Hat nur gesagt: „Du, wenn du jetzt wieder zu ihr fährst – sag mir Bescheid, ich will nicht, dass du morgens mit diesem Blick nach Hause kommst. Weil ich das dann auffangen muss.“ Und sie hatte recht. Habe ich jedes Mal gebraucht, jemanden zum Reden. Weil es wieder mal nicht geklappt hat. Weil ich wieder zu viel hineingelegt hab.
Ist es überhaupt möglich?
Ich weiß nicht. Vielleicht für manche. Ich hab mal gehört, dass Paare im offenen Beziehungsmodell das schaffen. Aber selbst da gibt’s Regeln, Gespräche, Grenzen. Bei „Freundschaft plus“? Fehlanzeige. Da wird oft einfach gemacht. Und gehofft.
Honesty Check: Ich glaube, es funktioniert nur, wenn einer emotional distanzierter ist als der andere. Und das ist dann irgendwie unfair. Oder wenn es wirklich nur um Sex geht – kalt, nüchtern, ohne Verbindung. Aber ist das dann noch Freundschaft?
Weißt du, was ich mittlerweile denke? Dass wir manchmal „Freundschaft plus“ sagen, weil wir Angst haben, die echten Worte auszusprechen. Weil „Ich mag dich, ich will mehr“ so viel schwerer ist als „Komm, lass uns einfach mal chillen“.
Was dann?
Vielleicht ist die Antwort ja ganz einfach: Wenn du Gefühle hast, sag’s. Wenn du unsicher bist, red drüber. Wenn es weh tut, such dir jemanden, der zuhört – wie Marie damals.
Und wenn Freundschaft plus nicht funktioniert? Na und. Dann war’s das halt. Besser, als monatelang mit einem Herz herumzulaufen, das sich nicht entscheiden kann.
By the way – ich hab Lena dann irgendwann gesagt, wie ich empfinde. War krass unangenehm. Hat nicht funktioniert. Aber danach war ich frei. Und irgendwie leichter. Weil ich mir selbst endlich ehrlich war.
Also ja. Vielleicht ist die Antwort auf „Warum kein Freundschaft plus?“ ganz simpel: Weil wir Menschen sind. Und Gefühle machen nun mal keinen Sinn – aber sie sind echt.
