Wenn du dich ständig fragst, ob du gehen sollst
Ehrlich, ich glaube, allein die Tatsache, dass du dir diese Frage überhaupt stellst, sagt schon viel aus. In meiner ersten richtig langen Beziehung – ich war 23, er 25, wir haben in einer winzigen Wohnung in Neukölln gewohnt – habe ich ewig gebraucht, um zu kapieren, dass mein Bauchgefühl mir eigentlich dauernd signalisiert hat: Hier stimmt was nicht. Ich hab es ignoriert, weil ich dachte, Beziehungen sind nun mal Arbeit, oder? Aber irgendwann wurde mir klar, dass es nicht nur um gelegentliche Streits geht, sondern um ein grundlegendes Unwohlsein, das einfach nicht verschwinden will.
Wenn du merkst, dass du öfter unglücklich als glücklich bist, ist das ein riesiges Warnsignal. Klar, niemand ist immerzu happy, aber wenn die traurigen oder frustrierenden Tage die überwiegende Mehrheit werden, dann… ja, dann musst du vielleicht handeln.
Die Kommunikation läuft nicht mehr
Also, ich meine nicht, dass ihr mal keine Lust habt, zu reden. Sondern dass Gespräche, die eigentlich wichtig wären, einfach nicht stattfinden. Ihr redet aneinander vorbei, oder ihr vermeidet bestimmte Themen, weil ihr Angst vor der Reaktion habt. Oder schlimmer: Es ist euch einfach egal, was der andere denkt.
In Annas Fall war es so, dass Tom jedes Mal abblockte, wenn sie ihre Gefühle ansprechen wollte. „Ist doch alles gut“, hat er dann gesagt, aber für sie war es nicht gut. Dieses Gefühl, nicht gehört zu werden, ist furchtbar isolierend. Wenn du das über Monate hast, frag dich echt, ob das noch gesund ist.
Du stellst dir eine Zukunft ohne ihn/sie vor
Weißt du, was mir geholfen hat? Mir auszumalen, wie mein Leben ohne meinen Ex-Partner aussehen würde. Und als ich feststellte, dass diese Vorstellung mich erleichtert statt ängstigt hat, wusste ich, dass ich gehen muss. Es ist nicht so, dass ich ihn nicht mochte – ich mochte ihn sehr! Aber die Vorstellung, noch Jahre so weiterzuleben, hat mir Angst gemacht.
Wenn du merkst, dass du Pläne machst, ohne deinen Partner einzubeziehen, oder dass du dich auf Zeiten freust, in denen er oder sie nicht da ist, dann ist das ein Zeichen. Beziehungen sollten Bereicherung sein, nicht etwas, von dem man sich erholen muss.
Respekt und Vertrauen sind weg
Ohne die beiden Dinge geht eigentlich gar nichts. Ich erinnere mich, wie ein Kollege von mir, Markus, immer Witze über seine Freundin gemacht hat, wenn sie nicht dabei war. Nicht liebevoll, sondern richtig fies. Irgendwann habe ich ihn gefragt, warum er mit ihr zusammen ist, wenn er sie nicht respektiert. Er wusste keine Antwort.
Und Vertrauen… wenn du ständig nachprüfst, ob er/sie die Wahrheit sagt, oder wenn du dich nicht mehr sicher fühlst, dann ist die Basis kaputt. Das lässt sich reparieren, aber nur wenn beide wollen. Wenn nicht, naja.
Du verlierst dich selbst
Das ist vielleicht das Wichtigste. In meiner Neukölln-Zeit habe ich gemerkt, dass ich meine Hobbys aufgegeben habe, meine Freunde seltener gesehen habe, nur um Zeit mit ihm zu verbringen – aber nicht, weil ich das wollte, sondern weil ich dachte, ich muss. Ich habe mich verbogen, damit es passt.
Eine gute Beziehung sollte dich bestärken, nicht kleiner machen. Wenn du das Gefühl hast, du kannst nicht du selbst sein, oder du musst dich verstellen, um Konflikte zu vermeiden, dann ist das ungesund. Wirklich.
Am Ende des Tages...
...musst du auf dein Herz hören. Und auf deinen Kopf. Es gibt keine Checkliste, die für alle passt. Aber wenn mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen, und wenn du schon länger unglücklich bist, dann ist es vielleicht an der Zeit, ein ernstes Gespräch zu führen – oder zu gehen.
Weißt du, was Anna gemacht hat? Sie ist gegangen. Es war hart, aber jetzt, ein Jahr später, sagt sie, es war die beste Entscheidung ihres Lebens. Manchmal muss man einfach den Sprung wagen.
Was denkst du? Kennst du das auch?
