Die Arbeitskultur spielt eine große Rolle
Man muss einfach sagen: In Japan ist die Arbeitskultur… intensiv. Viele Leute arbeiten lange, wirklich lange. Teilzeit? Fehlanzeige. Überstunden? Fast schon Pflicht. Und das zehrt. Ich erinner mich an Yumis Bruder Kenji – der war bei einer Bank in Osaka. Der kam oft erst um 22 oder 23 Uhr nach Hause. Und dann? Hat er sich noch eine Kleinigkeit gegessen, vielleicht ein Bier getrunken, und war dann gegen Mitternacht im Bett. Aber aufstehen um 6 Uhr, weil der Arbeitsweg lang war. Das sind dann… was? Sechs Stunden Schlaf? Maximal?
Und das ist nicht die Ausnahme. Laut Statistiken schlafen viele Japaner nur zwischen 6 und 6,5 Stunden pro Nacht. Das ist unter dem Durchschnitt in vielen westlichen Ländern. Aber sie machen’s trotzdem. Irgendwie. Obwohl, mal ehrlich – wie geht das langfristig?
Nicht alle sind gleich: Jung vs. Alt, Stadt vs. Land
Aber halt, wir sollten nicht alles über einen Kamm scheren. In den Großstädten wie Tokio, Yokohama oder Nagoya ist der Druck natürlich am größten. Da schläft man spät, steht früh auf, hetzt zur Arbeit, fährt mit der Bahn, wo Leute im Stehen einschlafen – ja, das ist echt! Ich hab’s gesehen. Leute, die so müde sind, dass sie mitten im Gespräch mit dem Kopf wackeln… und dann wegschlagen. Und keiner guckt komisch. Ist normal.
Aber auf dem Land? Da ist alles anders. Als ich mal in Kochi auf Shikoku war – echt abgelegen – da war um 21 Uhr schon alles dunkel. Kein Licht, keine Menschenseele. Die Bauern waren um 5 Uhr morgens wach, also ins Bett um 20:30, aus Prinzip. Da schläft man, weil man körperlich arbeitet und weil es einfach so ist. Keine Nachtbusse, kein Nachtleben. Und ehrlich? Die wirkten irgendwie frischer als die Tokyo-Leute.
Power Nap? Ja, bitte!
Was Japaner aber mega draufhaben: das „Inemuri“. Kennst du das? Heißt so viel wie „anwesend, aber schlafend“. Klingt komisch, ist aber total akzeptiert. Kollegen schlafen im Meeting, Studenten auf der Uni-Bank – und niemand sagt was. Weil es nicht Faulheit ist, sondern ein Zeichen dafür, dass du so hart arbeitest, dass du jetzt kurz abschalten musst. Respekt, irgendwie.
Ich hab’s mal in einem Büro in Kyoto gesehen. Ein älterer Herr mit Krawatte, Brille, saß am Tisch, den Kopf auf dem Arm, leicht schnarchend. Und seine Kollegen? Haben einfach weitergearbeitet, als wäre nix. Ich dachte: „Geht das in Deutschland? Niemals.“ Da wärst du gefeuert nach fünf Minuten.
Was sagt die Wissenschaft?
Interessant ist auch, dass Japan schon lange über Schlaf forscht. Sie haben sogar etwas wie „Schlafcafés“ – da kannst du für ein paar Stunden unter Dusche, mit Bademantel und Ruheraum abschalten. Und ja, das ist bezahlt, aber viele nutzen’s. Vor allem nach einer langen Nacht oder wenn der Zug zu spät kommt.
Laut Studien haben aber auch viele Japaner Schlafprobleme. Nicht nur, weil sie zu wenig schlafen, sondern weil der Schlaf oft nicht erholsam ist. Stress, Licht, Handy, Koffein – alles da. Und die Einsamkeit. Ein Bekannter von mir, Professor in Fukuoka, meinte mal: „Viele schlafen schlecht, weil sie emotional erschöpft sind. Nicht nur körperlich.“ Das hat mich nachdenklich gemacht.
Und die Jugend?
Die Jungen wiederum… puh. Da läuft’s anders. Viele sind nachts online, chatten, spielen, streamen. Ich war mal bei einer 17-Jährigen, Mariko, in Sapporo. Die war um 3 Uhr morgens noch auf TikTok unterwegs. Und zur Schule? Um 8:30. Wie? Keine Ahnung. Sie meinte nur: „Ich trink viel Energy-Drink und träume von Ferien.“
Aber auch hier gibt’s Gegenbewegungen. Immer mehr junge Leute reden über Work-Life-Balance. Sie wollen nicht so leben wie die Eltern. Sie wollen mehr Freizeit, mehr Schlaf, mehr… Mensch sein.
Also – wann schlafen Japaner wirklich?
Jetzt mal ehrlich: Es gibt keine einheitliche Antwort. Es hängt vom Alter ab, vom Job, von der Stadt, vom Stresslevel. Aber grob gesagt: Viele gehen zwischen 23 und 1 Uhr ins Bett, stehen zwischen 5:30 und 7 Uhr auf. Und dazwischen? Versuchen sie, so viel wie möglich rauszuholen.
Einige schlafen in Schüben, nutzen Nickerchen, trinken Kaffee wie Wasser. Andere verzichten einfach drauf. Und ja, das ist nicht gesund. Aber sie machen es trotzdem. Weil es erwartet wird. Weil es Tradition ist. Weil es… Japan ist.
Ich frag mich manchmal: Wenn sich die Gesellschaft ändert – wird dann auch der Schlaf mehr wert? Hoffentlich. Denn Schlaf ist kein Luxus. Sondern Grundbedürfnis. Auch in Japan.
Was meinst du? Könntest du mit sechs Stunden auskommen? Ich nicht. Ich brauch meine acht. Sonst bin ich unausstehlich. Du auch, oder?
