Glück ist ja nicht messbar, oder?
Also, ich hab mich danach echt damit beschäftigt. Weil, mal ehrlich: Warum sollte man unbedingt jemanden brauchen, um glücklich zu sein? Ich meine, klar – Nähe, Zärtlichkeit, jemand, der dich abends fragt, wie dein Tag war... das klingt schön. Aber ist es wirklich die einzige Form von Glück? Ich glaub nicht. Ich hab letztens mit meiner Freundin Sarah gesprochen, die seit drei Jahren verheiratet ist. Sie sagt: „Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach mal einen Abend für mich haben. Ohne Absprachen. Ohne Rücksicht.“
Und da hab ich gedacht: Vielleicht ist das Single-Leben ja gar nicht das Gegenteil von glücklich – vielleicht ist es einfach eine andere Art, glücklich zu sein? Weil du kannst um 22 Uhr spontan Sushi bestellen, wenn dir danach ist. Du musst niemanden fragen. Kein „Darf ich noch einen Film gucken?“ um Mitternacht. Kein schlechtes Gewissen, wenn du am Wochenende allein in den Wald fährst.
Die gesellschaftliche Brille
Was mich aber echt nervt – und das sag ich jetzt mal so geradeheraus – ist, dass wir alle so konditioniert sind, Beziehungen als den Normalzustand zu sehen. Als ob Single sein irgendwie provisorisch wäre. „Noch nicht angekommen“, „noch auf der Suche“. Als ob man mit 30 automatisch unglücklich sein muss, wenn man nicht eingetragen ist. Ich hab das bei meiner Tante mal erlebt – die war 68, total selbstbestimmt, lebte allein, reiste viel. Und trotzdem hat ihre Nachbarin mal gesagt: „Ach, die arme Frau, so allein.“ Arme Frau?! Die hatte mehr Leben in sich als viele ihrer verheirateten Freunde zusammen.
Aber was sagen die Zahlen?
Okay, jetzt mal runter vom Sofa, zurück zur Faktenlage. Es gibt Studien – ziemlich viele sogar – die zeigen, dass verheiratete Menschen im Durchschnitt etwas zufriedener angeben als Singles. Aber – und das ist ein großes Aber – diese Differenz ist oft minimal. Und: Viele dieser Studien messen nicht, ob die Beziehung gut ist. Weil, mal ehrlich: Bist du glücklich mit jemandem, der dich ständig kritisiert oder emotional distanziert ist? Dann wäre ich lieber allein. Und das sagen übrigens auch immer mehr Menschen.
Ein Kollege von mir, Tom aus der Marketing-Abteilung, hat mal gesagt: „Ich war zehn Jahre in einer Beziehung, in der ich mich kleiner gemacht hab, um nicht zu streiten. Seit ich single bin, atme ich wieder richtig durch.“ Das hat mich echt getroffen. Weil es zeigt: Glück hängt nicht am Beziehungsstatus, sondern an der inneren Freiheit.
Und die Einsamkeit?
Ja, klar – Einsamkeit kann wehtun. Besonders an Feiertagen oder wenn Freunde heiraten oder Kinder kriegen. Ich erinner mich an Weihnachten 2020 – ich war allein in meiner Wohnung in Köln, es hat geregnet, und irgendwie hat alles so still gewirkt. Ich hab gedacht: Warum fühlt sich das so leer an? Aber dann hab ich mir bewusst Zeit genommen – hab alte Fotos angeschaut, mit meiner Schwester telefoniert, ein Buch gelesen, das ich lange vor mir hergeschoben hab. Und plötzlich war es kein Leid mehr, sondern eine Art Ruhe. Eine Art, mich selbst wiederzufinden.
Und das ist vielleicht der Punkt: Singles sind nicht automatisch einsam. Und Paare nicht automatisch verbunden. Einsamkeit ist ein Gefühl, kein Zustand. Und das kann man auch in einer Beziehung haben – vielleicht sogar öfter, als wir zugeben wollen.
Freiheit – oder Flucht?
Manchmal frag ich mich aber auch: Bin ich eigentlich frei – oder lauf ich weg? Gibt’s nicht so eine Angst vor Nähe, die ich vielleicht verdränge? Ich hab mal mit einem Therapeuten gesprochen – ganz nebenbei, keine große Sache – und der hat gesagt: „Manche Menschen mögen die Idee der Beziehung, aber haben Angst vor der Realität.“ Das hat mich nachdenklich gemacht. Weil, klar – ich mag die Vorstellung von Zweisamkeit. Aber will ich wirklich jeden Tag denselben Menschen sehen? Würde ich meinen Rhythmus teilen können? Oder bin ich einfach zu bequem geworden im Alleinsein?
Und jetzt kommt’s: Das ist ja auch okay. Dass man das nicht weiß. Dass man zwischendurch zweifelt. Dass man mal denkt: „Vielleicht will ich jemanden“, und zwei Tage später wieder: „Nein, doch lieber meine Ruhe.“ Das ist menschlich.
Die Vielfalt des Glücks
Was ich in den letzten Jahren gelernt hab: Glück ist nicht ein Zustand, den man erreicht. Es ist ein Mix aus Momenten, Beziehungen, Selbstakzeptanz – und ja, manchmal auch aus Stille. Ich hab Freunde, die glücklich sind mit Partner, und Freunde, die sagen: „Ich war noch nie so frei wie jetzt, wo ich allein lebe.“ Und beide haben recht.
Letztens war ich im Café mit Lena, einer alten Uni-Kommilitonin. Sie hat gerade eine Beziehung beendet und meinte: „Ich bin traurig, aber irgendwie auch erleichtert. Endlich kann ich wieder entscheiden, wann ich nach Hause komme.“ Wir haben beide gelacht. Und ich hab gedacht: Vielleicht geht’s gar nicht um ‚single‘ oder ‚vergeben‘, sondern um Authentizität. Dass du lebst, wie du leben willst – ohne Rechtfertigung.
Weißt du was? Ich glaub, Singles können genauso glücklich sein wie Paare. Vielleicht sogar manchmal glücklicher, weil sie gelernt haben, mit sich selbst klarzukommen. Weil sie keine halben Kompromisse eingehen. Weil sie wissen, wo ihre Grenzen sind.
Aber – und das ist wichtig – das Glück hängt nicht am Status, sondern an der Haltung. Ob du allein bist und dich quälst, weil du denkst, du „solltest“ eigentlich verliebt sein – oder ob du allein bist und dich wohlfühlst, weil du dich selbst magst.
Und am Ende: Wer sagt eigentlich, dass man sich entscheiden muss? Dass man entweder für immer single oder ewig verliebt sein muss? Vielleicht ist das Leben ja einfach eine Mischung. Mal allein, mal zusammen. Mal einsam, mal verbunden. Und das ist doch eigentlich genau das, was es lebendig macht.
Hast du das auch manchmal? Dass du denkst: „Bin ich okay so, wie ich bin?“ Ehrlich? Ich frag mich das ständig. Und trotzdem – ich würd im Moment nicht tauschen wollen. Weil ich mich gerade gut fühle. Mit mir. Und das ist doch schon mal was, oder?
