Warum eigentlich Rennrad? Weil es Spaß macht – und wehtut
Ich mein, du könntest natürlich joggen. Oder ins Fitnessstudio gehen. Aber ehrlich: Bei mir hält die Motivation für beides ungefähr zwei Tage. Mit dem Rennrad ist das anders. Du fährst raus aus der Stadt, die Luft wird frischer, die Berge kommen langsam näher – und plötzlich merkst du: Oh, ich hab gerade eine Stunde getreten, ohne an meine Beine zu denken.
Und ja, es tut weh. Der Hintern, die Arme, der Nacken – alles schreit nach Gnade. Aber irgendwann gewöhnt man sich dran. Nach drei, vier Touren wird’s besser. Ehrlich.
Wie viele Kalorien verbrennt man wirklich?
Das ist die große Frage, oder? Also, ich hab mich mal schlau gemacht – nicht zu sehr, nur so halb, auf dem Sofa mit Bier. Rennrad fahren verbrennt im Schnitt zwischen 600 und 900 Kalorien pro Stunde. Aber das hängt natürlich ab: wie schnell du bist, wie hügelig die Strecke ist, ob du gegen den Wind fährst wie ein Idiot, oder mit Rückenwind fliegst wie ein Gott.
Ich hab mal auf einer Tour nach Schauinsland mit meiner Strava-App geguckt: 82 km, vier Stunden, knapp 2200 kcal verbrannt. Klingt viel, is’ aber relativ – weil danach hab ich mir ein Vollkornbrot mit Avocado und Käse reingezogen, dazu ein Radler. Und schwupps, war die Hälfte wieder drin.
Also: Ja, du verbrennst viel. Aber wenn du danach wie ein Holzfäller isst, nix mit Abnehmen. Das ist das Geheimnis, oder eher die Krux: Kaloriendefizit, immer wieder.
Ein Rennrad ist kein Zauberstab
Ich kenn Leute, die dachten: Kauf dir ein Rennrad, und das Fett schmilzt von alleine. Nö. Funktioniert nicht. Mein Kumpel Tim hat seins gekauft, gefahren – ein paar Mal. Dann stand’s im Flur. Jetzt sammelt es Staub und schlechtes Gewissen. Die Waage hat nicht gezuckt.
Weil: Es braucht Regelmäßigkeit. Zwei, besser drei Mal die Woche. Und nicht nur 20 Minuten. Sondern mindestens eine Stunde. Und das über Wochen. Monate. Ohne das zu übertreiben – kein Sport allein bringt was, ohne Blick auf die Ernährung.
Was bringt das Rennrad gegenüber anderen Sportarten?
Gute Frage. Also, im Vergleich zum Laufen: Weniger Gelenkbelastung. Das ist bei mir wichtig, seit ich mit 35 plötzlich Knieschmerzen hab wie ein 70-Jähriger. Beim Rennrad sitzt du, entlastest Beine und Rücken – wenn der Sattel richtig eingestellt ist. (Ach ja, das vergessen viele: Sattelhöhe checken. Sonst tut alles weh.)
Im Vergleich zum Spinning im Studio: Draußen ist es einfach schöner. Du fährst durch Wald, siehst Kühe, atmest Luft, nicht abgestandene Klimaanlagen-Luft. Und du wirst nicht von einem Typen angebrüllt, der „Power! Power!“ schreit, während er wie ein Affe auf dem Rad hüpft.
Und im Vergleich zum Schwimmen? Naja, Schwimmen is’ geil – aber wer geht dreimal die Woche freiwillig ins kalte Wasser? Ich nicht. (Außer im Sommer. Und selbst dann…)
Mein erster Dämpfer – und warum ich weitergemacht hab
Nach sechs Wochen fahren, zweimal die Woche, etwas Ernährungsumstellung – kein Gramm weniger auf der Waage. Gar nichts. Null. Ich war sauer. Hab mit meiner Freundin Anna geredet, die Physiotherapeutin ist. Sie meinte: „Du baust vielleicht Muskel auf. Die wiegen mehr als Fett.“
Hab ich erst nicht geglaubt. Aber dann hab ich mich gewogen, gemessen, in alte Hosen geschaut – und siehe da: Die saßen lockerer. Obwohl die Zahl gleich blieb. Also: Die Waage lügt manchmal. Der Spiegel nicht.
Wie fängt man am besten an?
Wenn du jetzt denkst: „Okay, ich will’s auch versuchen“ – super. Aber tu dir selbst den Gefallen: fang langsam an. Ich hab’s nicht gemacht. Hab gleich Vollgas gegeben. Ergebnis: Muskelkater, dem ich nicht mal einen Namen geben will. Und fast aufgegeben.
Fahr erstmal 30–40 Minuten flach. Keine Berge. Kein Wettbewerb mit dir selbst. Nur: bewegen, genießen, atmen. Dann steigerst du langsam – Dauer, Tempo, Steigung. Und: Investier in ein halbwegs passendes Rad. Kein Schrottding vom Flohmarkt. Mein erster Rennradversuch war auf einem 20 Jahre alten Ding – Bremsen quietschten, Gangschaltung hat geruckelt. War nicht sexy.
Und ein guter Sattel? Gold wert. Ich schwör.
Und abnehmen – ja oder nein?
Ja. Aber mit Einschränkungen. Wenn du konsequent bist. Wenn du nicht nach jeder Tour eine Pizza verdrückst „weil du’s dir verdient hast“. (Hab ich gemacht. Zweimal. Danach hörte ich auf mit dieser Ausrede.)
Wenn du deinen Alltag ein bisschen umstellst – weniger Zucker, mehr Eiweiß, nicht abends vor dem Fernseher naschen – dann klappt’s. Ich hab in vier Monaten knapp sechs Kilo verloren. Nicht spektakulär, aber spürbar. Die Hosen sitzen besser, die Treppen im Büro gehen leichter, und ich fühl mich einfach… fitter.
Und das Schönste? Ich tu’s jetzt nicht mehr nur zum Abnehmen. Ich fahr, weil ich’s mag. Weil ich was sehe. Weil ich den Wind spür. Weil es mich runterbringt. Und ehrlich – das ist mehr wert als jedes Kilogramm.
Du weißt, was? Probier’s einfach aus. Nur eine Tour. Eine einzige. Dann wirst du sehen: Vielleicht geht’s gar nicht ums Abnehmen. Vielleicht geht’s um dich.
