Also, was ist denn nun wirklich Sache?
Im Deutschen ist »Mann« in erster Linie ein Nomen, klar. Das weiß jedes Kind. Man sagt »der Mann«, »ein Mann«, »die Männer«. Aber – und jetzt kommt’s – es gibt tatsächlich Situationen, wo »Mann« wie ein Pronomen funktioniert. Richtig gehört! Pronomen sind ja eigentlich Wörter wie »ich«, »du«, »er«, »sie«, die für ein Nomen stehen können. Und »Mann« kann ähnlich verwendet werden, allerdings unbestimmt, also wie »man«.
Ich erinnere mich, wie mein Opa immer gesagt hat: »Mann muss das so machen!« statt »Man muss das so machen«. Damals dachte ich, das ist nur seine Art zu sprechen, so ein bisschen altertümlich. Aber in gewisser Weise hat er damit instinktiv eine grammatikalische Wahrheit getroffen. »Mann« wurde früher tatsächlich häufiger als unbestimmtes Pronomen benutzt, besonders in formelleren oder älteren Texten.
Warum ist das so verwirrend?
Weil die Sprache sich ständig ändert, und wir oft gar nicht mehr mitbekommen, woher bestimmte Wendungen kommen. Heutzutage ist »man« die Standardform für das unbestimmte Pronomen. »Man sollte öfter Fahrrad fahren«, sagt man heute. Vor ein paar hundert Jahren hätte da vielleicht »Mann« gestanden. Es ist also nicht falsch zu sagen, dass »Mann« ein Pronomen sein kann, aber es ist historisch bedingt und heute nicht mehr üblich.
Ich finde das total spannend, weil es zeigt, wie lebendig Sprache ist. Aber ehrlich gesagt, wenn ich jetzt anfangen würde, »Mann muss mal« zu sagen, würden mich alle komisch angucken. Es klingt einfach antiquiert, oder?
Und was bedeutet das für uns heute?
Naja, im Alltag braucht man – entschuldige, man braucht – das eigentlich nicht aktiv zu verwenden. Es sei denn, man will besonders altmodisch oder vielleicht poetisch klingen. Aber es ist gut, zu wissen, dass es diese Nuance gibt. Sprachgeschichte ist voll von solchen Überraschungen.
Letztens habe ich in einem alten Buch von Thomas Mann gelesen – kein Wortspiel intended! – und da bin ich tatsächlich über so eine Stelle gestolpert. Da stand: »Mann fühlt sich doch gleich sicherer.« Ich musste schmunzeln, weil es mir direkt wieder eingefallen ist, was Anna gesagt hatte.
Also, zusammengefasst: Ja, »Mann« kann ein Pronomen sein, aber es ist nicht die Norm mehr. Sprache entwickelt sich halt, und das ist auch gut so. Wir sollten uns nicht zu sehr an alten Formen festhalten, finde ich. Aber es ist trotzdem cool, das zu wissen, oder?
