Die Statistik sagt: Ja, es gibt solche Länder
Und zwar nicht wenige. Weltweit ist das Geschlechterverhältnis zwar ziemlich ausgeglichen – ungefähr 101 Männer pro 100 Frauen, laut UN-Daten. Aber das ist der globale Schnitt. Wenn man genauer hinschaut, sieht man ganz andere Bilder. Besonders auffällig: In einigen Ländern überwiegen Frauen deutlich. Und das hat weniger mit Biologie zu tun, ehrlich gesagt, sondern viel mehr mit Gesellschaft, Migration, Lebenserwartung – und eben auch mit dem, was Männer so machen (oder eben nicht).
Estland – da sind die Frauen klar in der Überzahl
Nehmen wir mal Estland. Da leben etwa 118 Frauen auf 100 Männer. Klar, das klingt erstmal krass. Ich war letztes Jahr in Tallinn, mit meiner Kumpelin Lena, und irgendwann hat sie gesagt: ‚Hier könnte ich locker zehn Dates am Tag haben, wenn ich wollte.‘ Und ja, das Gefühl hattest du echt – überall junge Frauen, Restaurants voll, Clubs… aber relativ wenige Männer. Warum? Naja, zwei Gründe vor allem: Erstens ist die Lebenserwartung von Männern in Estland ziemlich niedrig. Viele sterben früher, oft an Herzkrankheiten, Alkohol, Stress. Zweitens: viele Männer wandern ab, vor allem in den 90ern nach der Wende. Für Arbeit, für ein anderes Leben. Und viele sind nie zurückgekommen.
Russland – ein ähnliches Bild
Russland ist so ein anderes Land, wo es massiv mehr Frauen gibt. Etwa 108 Frauen pro 100 Männer. In Städten wie Sankt Petersburg oder Moskau merkt man das besonders. Meine Tante Irina lebt da, und die sagt immer: ‚Die Männer trinken, sterben jung oder verschwinden irgendwohin.‘ Klingt hart, aber es hat was Wahres dran. Der Zweite Weltkrieg hat auch eine Rolle gespielt – Millionen Männer fielen damals. Die Auswirkungen spürt man bis heute, besonders bei den älteren Generationen. Und die jungen Männer? Viele gehen in die Großstädte oder ins Ausland, während Frauen eher bleiben.
Die Ukraine – Krieg verändert alles
Und aktuell, seit dem Krieg, ist die Situation noch extremer geworden. Viele Männer sind eingezogen, viele gefallen oder im Ausland. Inzwischen gibt es Schätzungen, dass in der Ukraine über 120 Frauen pro 100 Männer leben – vor allem in bestimmten Altersgruppen. Ich hab neulich mit einer Freundin aus Lviv telefoniert, die sagt: ‚Wir sind jetzt fast nur noch Frauen hier. Es fühlt sich seltsam an.‘
Und außerhalb Europas?
Interessanterweise gibt es auch in anderen Regionen Frauenüberschuss – aber viel seltener. In den USA zum Beispiel ist es fast ausgeglichen, minimal mehr Frauen. In Japan? Auch mehr Frauen, besonders bei den Älteren. Die Japaner haben zwar eine hervorragende Lebenserwartung, aber Frauen leben einfach länger – um durchschnittlich fünf bis sieben Jahre. Also: je älter die Bevölkerung, desto mehr Frauen.
Warum ist das eigentlich wichtig?
Weil es Auswirkungen hat, klar. Auf Partnerschaften, auf die Wirtschaft, auf die Gesellschaft. In Ländern mit Frauenüberschuss gibt es oft mehr alleinerziehende Mütter, mehr Frauen im Beruf, aber auch mehr Einsamkeit bei Männern – die dann plötzlich gefragt sind, ob sie wollen oder nicht. Ironisch, oder?
Aber Achtung: nicht überall, wo es viele Frauen gibt, ist es einfach für sie
Das ist ein Punkt, den ich betonen will. Nur weil es mehr Frauen gibt, heißt das nicht, dass sie mehr Macht haben. In vielen dieser Länder ist die Gleichstellung noch lange nicht perfekt. Estland und Russland? Da ist der Alltag für Frauen oft hart – Karrierechancen, Gehalt, Care-Arbeit. Also: Zahlen lügen nicht, aber sie erzählen auch nicht die ganze Geschichte.
Zum Schluss: Ist ein Frauenüberschuss gut oder schlecht?
Ehrlich? Kommt drauf an. Für die eine ist es toll – mehr Auswahl, mehr Solidarität. Für andere ist es belastend, wenn der Druck steigt, ‚endlich jemanden zu finden‘. Und für die Gesellschaft? Keine Ahnung. Vielleicht verändert es langfristig, wie wir Beziehungen denken, Familien planen, Leben gestalten. Aber hey – bei so was ist es wie mit dem Wetter: Man kann es nicht ändern, aber man kann sich anpassen.
Was meinst du? Kennst du ein Land, wo du gemerkt hast: ‚Hier sind fast nur Frauen unterwegs?‘ Oder hast du selbst schon mal in so einer Situation gelebt? Ich finds faszinierend. Und irgendwie auch beruhigend zu wissen, dass ich mit meinen Gedanken nicht allein bin.
