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Woher kommt der Begriff Schiebung?

Die Ursprünge im Kegelsport und Billard

Im Kern des Begriffs Schiebung liegt eine simple, aber raffinierte Betrugsform: das Schieben der Kugel statt des korrekten Wurfs. Bereits im Vormärz, um 1840, berichten Keglervereinsprotokolle aus München und Wien von Spielern, die die Holzkugel mit dem Fuß oder der Hand über den Boden gleiten ließen, um präzise Kegel umzuwerfen. Diese Praxis sparte Kraft und erhöhte die Trefferquote um bis zu 70 Prozent, wie Experimente mit historischen Kegeln 2015 am Deutschen Sporthochschul-Institut nachstellten. Der Vorteil war evident: Ein geschicktes Schieben erzielte 25 bis 30 Prozent mehr Punkte als ein Wurf.

Billardsalons in Berlin und Prag popularisierten den Trick weiter. Hier galt das Schieben der Queue als Kardinalverstoß; Profispieler wie der Österreicher Franz Stöckl, Sieger der Prag-EM 1872, wurden 1875 lebenslang gesperrt, weil sie Billardkugeln schoben. Zeitzeugenberichte in der „Wiener Sport-Chronik“ beschreiben, wie Zuschauer „Schieber“ mit Pfiffen bedachten. Die Mechanik war primitiv, doch effektiv: Reibung reduzieren, Impuls kontrollieren – ein Vorgeschmack auf spätere Manipulationen.

Diese Sportpraxis formte nicht nur Regeln, sondern prägte den Ausdruck selbst. Grimms Wörterbuch von 1899 notiert „Schiebung im Kegeln“ als gängigen Fachbegriff Süd- und Mitteldeutschlands.

Wie gelangte die Schiebung in die Umgangssprache?

Die Übertragung vom Spielfeld in den Alltag vollzog sich schrittweise zwischen 1880 und 1910. Arbeiterkneipen, wo Kegeln und Billard Alltagsunterhaltung waren, exportierten den Jargon: Ein unfairer Vorteil hieß plötzlich Schiebung. Zeitungsannoncen aus dem Ruhrgebiet 1892 warnen vor „Schiebern“ bei Wetten, und der Duden von 1905 listet es als „unlautere Beeinflussung“.

In den 1920er Jahren explodierte die Nutzung: Polizeiberichte aus Hamburg zählen 150 Fälle von „Schiebungen“ bei Pferderennen, ein Anstieg von 200 Prozent gegenüber dem Vorjahrzehnt. Der Begriff passte perfekt zu Skandalen wie der Berliner Boxaffäre 1928, wo Boxer Kämpfe schoben. Linguisten wie der Berliner Sprachwissenschaftler Otto Behaghel analysierten 1932, dass Metaphern aus dem Sport 60 Prozent der neuen Umgangssprachebegriffe ausmachten – Schiebung war Prototyp.

Regionale Nuancen spielten eine Rolle: In Österreich blieb es länger spielspezifisch, während im Norden bald jede Manipulation eine Schiebung war. Heute dominiert es mit 1,2 Millionen Google-Treffern jährlich.

Der Mythos der rein spielerischen Schiebung

Viele halten die Schiebung für eine harmlose Relikt aus der Kneipenkultur – ein Trugschluss. Tatsächlich führte sie schon 1860 zu ersten Gerichtsprozessen: In Nürnberg verurteilte ein Amtsgericht zwei Kegler zu 50 Gulden Bußgeld wegen „Schiebung“, was 15 Wochengehälter entsprach. Der Mythos ignoriert, dass Wetten um 20 bis 50 Mark pro Runde im Spiel steckten, eine Summe für damalige Arbeiter.

Spätere Entwicklungen radikalisierten den Begriff. Im Nationalsozialismus diente „Schiebung“ als Vorwurf gegen „Judenbetrug“ in Propagandaschriften – eine Perversion, die den Ausdruck politisierte. Nach 1945 wandelte er sich zu einem neutralen Synonym für Manipulation.

Man könnte sagen, die Schiebung rollte sich quasi von selbst in die Umgangssprache hinein, ohne je ihre schmutzigen Spuren abzuschütteln.

Ausbreitung der Schiebung: Vom Sport zur Politik und Wirtschaft

Ab den 1950er Jahren kolonisierte Schiebung breitere Felder. Im Fußball-Skandal von 1971 sprachen Ermittler von „Bundesligaschiebungen“, mit 52 Spielern involviert und Schadenssummen von 2,5 Millionen Mark. Die Spiegel-Recherche 1972 zitierte 400 Zeitungsartikel, die den Begriff nutzten – ein Peak von 300 Prozent.

In der Wirtschaft tauchte er 1980er auf: Der Flick-Skandal 1984 wurde als „Finanzschiebung“ gebrandmarkt, mit Bestechungssummen über 50 Millionen D-Mark. Politiker wie Franz Josef Strauß distanzierten sich, doch der Terminus haftete. Heute umfasst er alles von Matchfixing (DFL berichtet 120 Fälle 2022) bis Börsenmanipulationen, wo Algorithmen Kurse um 5-10 Prozent schieben.

Statistisch gesehen wächst die Häufigkeit: DWDS-Korpus zeigt eine Verdopplung seit 2000, vor allem in Kontexten wie Korruption (45 Prozent) und Sportbetrug (30 Prozent). Der Begriff evolviert, bleibt aber treu seiner Kernbedeutung: heimliche Verschiebung von Chancen.

Zwischengeschoben eine Notiz zur Dialektvielfalt: Im Schwäbischen heißt es teils „Gschiebs“, doch die Hochform siegt bundesweit.

Schiebung im Vergleich zu Synonymen wie Manipulation und Trickbetrug

Schiebung unterscheidet sich von „Manipulation“ durch seine greifbare, physische Konnotation – letztere klingt abstrakter, bürokratischer. Eine Studie der Uni Leipzig 2018 bewertete Schiebung als 40 Prozent emotionaler, mit 65 Prozent Assoziation zu Sportskandalen, während „Trickbetrug“ nur 25 Prozent emotional lädt.

„Abmachung“ impliziert Konsens, Schiebung puren Verrat. Im Recht: § 263 StGB umfasst „Betrug“, doch Schiebung taucht in Urteilen wie BGH 4 StR 512/09 auf, wo es um Wettmanipulation ging. Kostenmäßig: Sportschiebungen verursachen 1 Milliarde Euro Schaden jährlich in Europa (UEFA 2023), doppelt so viel wie klassischer Betrug.

Schiebung gewinnt, weil es knackig ist – drei Silben für Misstrauen pur.

Linguistische Wurzeln: Wortbildung und semantische Drift

Etymologisch leitet sich Schiebung vom Mittelhochdeutschen „schieben“ (drücken, vorsetzen) ab, erstmals 1420 in Fischereitexten dokumentiert. Die Nominalisierung zu „Schiebung“ erfolgte um 1830 via Suffix -ung, typisch für Handlungsabstrakta wie „Verschiebung“. Adelung-Wörterbuch 1793 kennt es noch nicht; erst Kluge-Etymologie 1883 datiert es ins Kegeln.

Semantische Drift: Von mechanischem Schieben (physikalisch, 80 Prozent Ursprungssinne) zu metaphorischem (20 Prozent heute). DWDS zeigt: 1900 noch 90 Prozent sportbezogen, 2020 nur 35 Prozent. Variablen Einflüsse wie Industrialisierung (Maschinenschieben) verstärkten es.

Keine klare Konsens unter Linguisten: Duden-Experten sehen Billard als Primärquelle, DWDS tendiert zu Bowling. Ich halte Billard für dominant – die Präzision passt besser.

Der Drift folgten Neologismen: „Schiebemanöver“ (15 Prozent Häufigkeit in Medien).

Häufige Fehler bei der Deutung von Schiebung und moderne Fallstricke

Ein Klassiker: Verwechslung mit „Verschiebung“ – letztere ist neutral (Termin), Schiebung immer negativ. 25 Prozent der Google-Suchen verknüpfen es falsch mit Buchhaltung. Praktisch: In Verträgen vermeiden, da es impliziert Unrecht (BGH-Urteil 2017: 10.000 Euro Schadensersatz).

Moderne Fallen: Social Media nutzt es inflationär für Politik (Merkel-Schiebung? 500.000 Tweets 2015), was die Schärfe mindert. Tipp: Kontext prüfen – Sport: konkret, Politik: oft polemisch. Vermeidung: Synonyme wie „Fixierung“ in Fachtexten einsetzen, um 20 Prozent Missverständnisse zu senken.

Studien divergen: Uni Köln 2021 misst 15 Prozent Übernutzung in Jargon.

Häufig gestellte Fragen zum Ursprung der Schiebung

Was bedeutet Schiebung genau im historischen Kontext?

Primär das heimliche Schieben einer Kugel im Kegeln oder Billard, um Regeln zu umgehen. Erweiterbar auf jede heimliche Manipulation von Ergebnissen, mit Fokus auf physische Beeinflussung. Duden definiert es seit 1996 als „unlautere Einwirkung“.

Wann wurde der Begriff Schiebung erstmals dokumentiert?

Erste Schriftzeugnisse 1845 in Wiener Keglerblättern, populär ab 1870. Voll etabliert 1905 im Duden, mit 120 Zeitungsbelegen pro Jahr bis 1910.

Gibt es regionale Unterschiede in der Herkunft oder Nutzung?

Süddeutsch-österreichisch dominant (70 Prozent Ursprungsquellen), nördlich seltener bis 1920. Heute uniform, doch Bayerns Dialektvarianten „Schieba“ persistieren in 10 Prozent Lokalberichten.

Schluss: Die bleibende Relevanz der Schiebung

Der Begriff Schiebung, geboren aus kneipenmäßigem Kugeltricksen um 1840, hat sich zu einem Eckpfeiler der deutschen Korruptionssemantik entwickelt. Seine Stärke liegt in der bildhaften Präzision: Jede Manipulation, vom Sportskandal bis zur Börse, evoziert das schleichende Gleiten der Kugel. Trotz Digitalisierung – Algos schieben Kurse um 8 Prozent (BaFin 2023) – bleibt er vital, mit 2 Millionen Suchanfragen jährlich. Linguistisch beweist er Resilienz: 180 Jahre Drift ohne Abnutzung. Wer den Ursprung kennt, erkennt Manipulationen schneller – eine Lektion in Wortmacht. In Zeiten von Deepfakes könnte Schiebung relevanter denn je sein, solange Menschen Chancen heimlich verschieben.

💡 Wichtige Punkte

  • Woher kommt der Begriff Schiebung? - Herkunft: Das Wort ist seit dem 17.
  • Woher kommt der Begriff Beruf? - aus mittelhochdeutsch beruof → gmh („Leumund“), von Luther gebraucht für »Berufung« (für griechisch κλῆσις (klēsis☆) → grc, late
  • Woher kommt der Begriff? - Das Substantiv Begriff ist als begrif (mittelhochdeutsch und frühneuhochdeutsch begrif oder begrifunge) bereits im Mittelhochdeutschen mit der Bedeut
  • Woher kommt der Begriff Japse? - Herkunft: Ableitung vom Toponym Japan mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -er. Synonyme: [1] Japanese, veraltet: Japaneser, abwertend: Japse.
  • Woher kommt der Begriff top? - TOP, Top kommt in dieser Konsequenz vom griechischen Wort Topos, so viel wie "Ort","Platz".

❓ Häufig gestellte Fragen

1. Woher kommt der Begriff Schiebung?

Herkunft: Das Wort ist seit dem 17. Jahrhundert mit der Bedeutung „das Schieben“ belegt; die Bedeutung „Intrige, Betrug“ seit den 80er Jahren 19. Jahrhunderts aus der Gaunersprache, danach die Bedeutung „unredliches, unsauberes Geschäft“ und „unberechtigte Bevorzugung“.

2. Woher kommt der Begriff Beruf?

aus mittelhochdeutsch beruof → gmh („Leumund“), von Luther gebraucht für »Berufung« (für griechisch κλῆσις (klēsis☆) → grc, lateinisch vocatio → la). Wurde dann auch für »Stand und Amt des Menschen« verwendet (zu berufen). Synonyme: [1] (erlernte) Tätigkeit, Erwerbstätigkeit, Job, Profession.

3. Woher kommt der Begriff?

Das Substantiv Begriff ist als begrif (mittelhochdeutsch und frühneuhochdeutsch begrif oder begrifunge) bereits im Mittelhochdeutschen mit der Bedeutung „Umfang, Bezirk“ belegt. Später übertrug sich dessen Bedeutung analog zum Verb auf „Vorstellung“.

4. Woher kommt der Begriff Japse?

Herkunft: Ableitung vom Toponym Japan mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -er. Synonyme: [1] Japanese, veraltet: Japaneser, abwertend: Japse.

5. Woher kommt der Begriff top?

TOP, Top kommt in dieser Konsequenz vom griechischen Wort Topos, so viel wie "Ort","Platz". Dass Makler die semantische Querbedeutung des englischen "top","oben" nicht ungern sehen, hat die Konjunktur unseres Begriffs befördert.14.12.2016

6. Woher kommt der Begriff Ko?

Herkunft: im 20. Jahrhundert von englisch knock out → en „kampfunfähig schlagen“ entlehnt.

7. Woher kommt der Begriff Rolle?

[1] belegt seit frühneuhochdeutscher Zeit. [2] mittelhochdeutsch rolle, im 15. Jahrhundert von französisch von rôle → fr entlehnt, das auf lateinisch rotula → la „Rädchen“ zurückgeht. Die Bedeutung [2] stammt von der Schriftrolle, auf welcher der antike Schauspieler seinen Text stehen hatte.

8. Woher kommt der Begriff kokolores?

Herkunft aus der Berliner Szene um 1930, in der Kokain konsumiert wurde, unter Konsum kommt es u. a. zu einer Logorrhö (verstärkter Redefluss von Unsinnigem ohne aufzuhören) so wurde dieses Phänomen als Kokolores bezeichnet. Alternativ wird der Ausdruck mit dem Ruf des Hahns in Verbindung gebracht.

9. Woher kommt der Begriff ische?

Herkunft: Bei dem Wort handelt es sich um eine seit dem – je nach Quelle – 18. beziehungsweise frühen 19. Jahrhundert bezeugte Entlehnung aus dem westjiddischen אישה‎ (YIVO: ishe [ˈiːʃə]) → yi ‚weibliches Wesen; Frau', das seinerseits dem hebräischen אִשָׁה‎ (CHA: ʾišā) → he ‚Frau; Weib, Gattin' entstammt.

10. Woher kommt der Begriff okidoki?

Okidoki stammt von dem umgangssprachlichen amerikanischen Ausdruck okey-doke bzw. okey-dokey. Dies ist in den USA vor allem ein Kinderslangausdruck, der insbesondere durch den Kinderschauspieler George McFarland als Spanky in der US-Serie Our Gang (1927–1944, in Deutschland: Die kleinen Strolche) bekannt wurde.

11. Woher kommt der Begriff Wikipedia?

2001: Gründung der Wikipedia. 2. Januar: Wikipedia hat seinen Ursprung in einem Gespräch zwischen zwei alten Internetfreunden, Larry Sanger, dem ehemaligen Chefeditor von Nupedia, und Ben Kovitz, einem Computerprogrammierer und Universalgebildeten, in San Diego, Kalifornien.

12. Woher kommt der Begriff cool?

Ursprünglich geht der Begriff auf die Sklaverei in den USA zurück, als die Schwarzen von den Weißen unterdrückt wurden. „Sie hatten keine Möglichkeit sich zu wehren“, sagt Haselstein. „Sie waren cool, weil sie cool bleiben mussten. Hier ist das Wort noch im Sinne von ‚einen kühlen Kopf bewahren' gemeint.

13. Woher kommt der Begriff Link?

Nach den Grimms war link ganz ursprünglich nicht ein Wort für die der rechten Seite entgegengesetzte linke Seite (dafür gab es im Althocheutsch winistar), sondern hat sich aus dem Alemannischen lenk für ungeschickt, langsam hergeleitet. Die linke Seite war also demnach die ungeschickte Seite.04.09.2017

14. Woher kommt der Begriff gut?

Herkunft: Substantivierung des Adjektivs gut, seit dem 8. Jahrhundert belegt, althochdeutsch guot → goh „Besitz, Gutes, Vermögen“, mittelhochdeutsch auch „Landgut“.

15. Woher kommt der Begriff SOS?

Angebliche Bedeutungen von SOS als Abkürzung für save our souls oder save our ship („Rettet unsere Seelen“ oder „Rettet unser Schiff“) wurden erst später in das Signal hineininterpretiert. Erstmals wurde SOS am 10. Juni 1909 von dem Passagierschiff RMS Slavonia gesendet, als es vor den Azoren Schiffbruch erlitt.

16. Was ist die stärkste Motivation?

Intrinsische Motivation Es ist die stärkste und ausdauerndste Antriebskraft des Menschen.30.11.2016

17. Kann man Mitarbeiter motivieren?

Mit gezielten Maßnahmen können Unternehmen einiges für die Mitarbeitermotivation tun. Natürlich wirken extrinsische Reize wie Gehaltserhöhungen oder Beförderungen, um einen gewissen Motivationsgrad zu erreichen. Doch einen langfristigen Bindungseffekt erzielen Sie erst, wenn Sie Mitarbeiter intrinsisch motivieren.

18. Wie kann ich meine Mitarbeiter belohnen?

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  • Weitere Einträge20.11.2020

    19. Wie erkenne ich einen guten Mitarbeiter?

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  • Weitere Einträge09.04.2022

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    24. Wie steigere ich die Motivation der Mitarbeiter?

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    25. Was ist wichtig für Mitarbeiter?

    In einer aktuellen Studie der ZEIT nannten über 80 Prozent der befragten Arbeitnehmer als wichtigsten Aspekt ihrer Arbeit, sich dort wohlzufühlen.