Das Heilige Römische Reich: Ursprung der deutsch-österreichischen Verbindung
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation entstand 962 mit der Krönung Ottos I. zum Kaiser, wobei Österreich als Markgrafschaft Ostarrîchi ab 976 eine Kernregion bildete. Bis 1806 umfasste es über 300 Territorien, darunter habsburgische Erblande wie Tirol und Kärnten, die rund 20 Prozent der Reichsbevölkerung stellten. Die Habsburger dominierten ab 1438 mit 23 Kaisern, doch war das Reich ein lockeres Bündnis ohne zentrale Macht – Österreich regierte autonom seine Gebiete.
Reichstage in Regensburg koordinierten Politik, aber Wiener Kaiser diktierten oft Bedingungen. Die Reichsdeputationshauptschluss von 1803 restrukturierte Territorien, reduzierte Kleinstaaten um 50 Prozent. Napoleon löste das Reich 1806 auf. Diese Phase dauerte 844 Jahre, doch Österreich blieb keine Provinz, sondern imperiales Zentrum – ein Unterschied zu späteren Annexionen.
Historiker streiten, ob es ein "deutsches" Reich war: Bayerische Quellen betonen Süddeutschland, Wiener Chroniken Habsburg. Dennoch: Ohne Ostarrîchi kein Reich.
Wie lange war Österreich Teil der Deutschen Konföderation?
Von 1815 bis 1866 gehörte Österreich der Deutschen Konföderation an, einem 39-staatigen Bund unter österreichischer Präsidentschaft im Frankfurter Bundestag. Metternichs System stabilisierte nach Napoleon 40 Jahre Frieden, doch Preußen forderte Gleichberechtigung. Die Zollverein-Exklusion Österreichs 1834 schwächte Wien wirtschaftlich um 15 Prozent des Handelsvolumens.
Der Deutsche Bund deckte 34 Millionen Einwohner ab, Österreich trug 10 Millionen bei – ein Drittel. Militärisch mobilisierte er 300.000 Mann gegen Revolutionen 1848/49. Österreichs Vormachtstellung endete abrupt.
1866: Der Ausschluss aus dem Bund kam durch die Niederlage bei Königgrätz, wo Preußen 45.000 Mann verlor, Österreich 44.000 – ein Pyrrhussieg für Bismarck. Der Prager Frieden trennte Österreich endgültig, schuf den Norddeutschen Bund als Vorläufer des Kaiserreichs.
Der Ausschluss Österreichs 1866: Wendepunkt der deutschen Einheit
Die austro-prußische Kriegs dauerte acht Wochen, kostete 120.000 Opfer und zerstörte Metternichs Erbe. Bismarck nutzte österreichische Schwächen: Ungarn rebellierte, Italien griff Tirol an. Österreich verlor Venetien für immer, zahlte 20 Millionen Gulden Reparationen. Der Friedensvertrag verbot Wiener Interventionen nördlich der Mainlinie.
Diese Trennung schuf zwei Blöcke: Kleindeutschland unter Berlin (25 Staaten, 30 Millionen Einwohner) versus Großdeutschland-Idee mit Wien. Bismarck priorisierte Preußen, ignorierte 7 Millionen Österreicher. Langfristig verhinderte es Habsburger-Restauration bis 1918.
Ökonomen messen: Preußens Eisenbahnnetz wuchs 1860-1870 um 60 Prozent, Österreich stagnierte bei 20. Einheit ohne Wien beschleunigte Industrialisierung um ein Jahrzehnt.
Warum scheiterte der Anschluss-Versuch nach dem Ersten Weltkrieg?
1918 proklamierte die Deutschösterreichische Republik den Anschluss an Deutschland per Gesetz vom 12. November, unterstützt von 99 Prozent in Volksabstimmungen in Tirol und Salzburg. Doch der Vertrag von Saint-Germain 1919 verbot es Artikel 88: „Die Vereinigung mit Deutschland ist ausgeschlossen.“ Alliierte Druck – Woodrow Wilsons 14 Punkte priorisierten Kleinstaaten – blockierte 65 Prozent der Bevölkerung.
Sozialdemokraten in Wien fürchteten Berliner Dominanz; Separatisten in Vorarlberg votierten Schweiz. Hyperinflation 1921-1923 hätte Österreichs Krone (1 Milliarde) verdampft. Scheitern sparte 20 Prozent BIP-Verluste durch Integration.
Ein Hauch Ironie: Hätte es geklappt, gäbe es heute kein Bundesland Salzburg – oder doch?
Der Anschluss 1938: Wann und unter welchen Bedingungen?
Am 12. März 1938 marschierte Wehrmacht in Österreich ein, Seyß-Inquart übernahm Kanzlei nach Schuschniggs Rücktritt. Das Anschluss-Gesetz vom 13. März vereinte beide Reiche unter Hitler; eine Plebiszit 10. April 1938 ergab 99,7 Prozent Ja – unter totaler Propaganda, mit 4,5 Millionen Stimmen. Österreich verlor Souveränität vollständig, wurde Ostmark-Provinz mit 6,5 Millionen Einwohnern.
Dauer: 7 Jahre, 3 Monate bis 1945. Wirtschaftlich fusionierte: Rüstungsausstoß stieg 300 Prozent, Zwangsarbeit mobilisierte 1,2 Millionen. Politisch löschte Nazis Opposition aus – 80.000 Sozialdemokraten emigrierten oder starben.
Militärisch: 1,3 Millionen Österreicher dienten in Wehrmacht, 260.000 fielen. Alliierte Deklaration Moskau 1943 als Opferstaat half später. Der Anschluss war völkerrechtswidrig, Straßburger Prozesse 1946 verurteilten ihn.
Post-1945: Potsdamer Konferenz teilte Österreich in vier Zonen, Unabhängigkeitsvertrag 1955 beendete Besatzung nach 10 Jahren – 80 Prozent Neutralitätspflicht als Preis.
Vergleich: Österreichische und deutsche Staatsbildung seit 1866
Deutschland vereinte 1871 kleindeutsch mit 25 Bundesstaaten, BIP-Wachstum 4 Prozent jährlich bis 1914; Österreich-Ungarn zerfiel 1918 in 7 Nachfolgestaaten, Wirtschaft schrumpfte 40 Prozent. Kaiserreich baute Flotte (24 Schlachtschiffe), Österreich priorisierte Landheer (52 Divisionen 1914).
NS-Zeit: Deutschland annektierte 500.000 km², Österreich nur Südtirol-Ansprüche. Nachkriegs-Wirtschaftswunder: BRD-Wachstum 8 Prozent 1950-1960, Österreich 5 Prozent – doch Pro-Kopf-BIP Wien 1960 bei 1.200 Dollar, Berlin 1.000.
Heute: EU-Mitgliedschaft seit 1995 angleicht, aber Österreichs Neutralität blockt Eurofighter-Käufe, die Deutschland 100 Maschinen bestellte. Bevölkerung: Deutschland 83 Millionen, Österreich 9 Millionen – 9-facher Unterschied.
Häufige Irrtümer in der österreichisch-deutschen Geschichtsbetrachtung
Viele verwechseln Habsburger-Reich mit Deutschland – falsch: Ungarn machte 45 Prozent aus. Der „Anschluss“ war kein freier Wille, sondern Terror: Gestapo verhaftete 76.000 Oppositionelle in Wochen. Vermeiden Sie Pan-Germanismus-Romantik; Quellen wie Pirenne zeigen Reich als romanisch-germanisch.
Praktisch: Lesen Sie Primärquellen wie Metternich-Memoiren, nicht Wikipedia. Vergleichen Sie Daten: Reichsbevölkerung 1786 26 Millionen, Österreich 10 Prozent – kein Monolith. Ignorieren Sie Mythen wie „ewige Einheit“; Grenzen verschoben sich 12 Mal seit 962.
FAQ: Wann endete die Zugehörigkeit Österreichs zu Deutschland?
Wann hat Österreich offiziell zu Deutschland gehört?
Nur 1938-1945 als Ostmark; zuvor lose Bünde. Saint-Germain 1919 und 1955-Vertrag bestätigen Unabhängigkeit. Dauer: 2.735 Tage exakt.
Warum durfte 1918 kein Anschluss erfolgen?
Alliierte verboten es, um Mittelmächte zu schwächen – Versailles diktierte 440 Artikel. Österreichs Armut (Inflation 14.000 Prozent 1923) qualifizierte nicht.
Gab es Pläne für einen Großdeutschen Staat nach 1945?
Nein, Kanzler Figl priorisierte Souveränität; 65 Prozent Österreicher lehnten 1955 Integration ab. Heute EU-Kooperation ersetzt das.
Die Phasen der Nähe zwischen Österreich und Deutschland – vom Heiligen Römischen Reich über Deutschen Bund bis Anschluss – dauern kumuliert 950 Jahre, doch Souveränität Wiens siegte immer. 1866 trennte Bismarck endgültig, 1955 besiegelte Neutralität Unabhängigkeit. Heute teilen beide EU und Euro, doch kulturelle Differenzen (Wien-Walzer vs. Berlin-Techno) überwiegen. Historiker einigt: Keine ewige Einheit, sondern episodische Allianzen. Für Tiefe: Studieren Sie Rathenau-Tagebücher oder Dollfuß-Akten – Zahlen lügen nicht, Mythen schon.

