Warum die Zahl der Generäle so stark schwankte
Man muss sich das mal vorstellen: Die Wehrmacht war organisatorisch starr, aber personell unglaublich flexibel – oder besser gesagt, sie musste es sein. Die Verluste, besonders ab 1942 an der Ostfront, waren brutal hoch. Wenn ein Generalmajor im Kampf fiel oder schwer verwundet wurde, musste sofort nachgerückt werden. Das bedeutet, dass die Anzahl der *aktiven* Generäle zu einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht bei 250 lag, aber die Gesamtzahl der Menschen, die diesen Rang jemals innehatten, viel höher war.
Ich denke, das ist der Kernpunkt, den viele übersehen. Es geht nicht nur um die Spitze der Pyramide an einem Stichtag, sondern um die Durchlässigkeit des Systems. Viele Offiziere wurden erst spät im Krieg befördert, oft in verzweifelter Lage, und hatten dann nur wenige Monate Zeit, diesen Rang zu tragen, bevor sie selbst fielen oder der Krieg endete. Das verzerrt die Statistik, wenn man nur eine Momentaufnahme betrachtet.
Der Unterschied zwischen Beförderung und aktiver Dienstzeit
Ein interessantes Detail, das ich bei meiner Recherche fand, betrifft die Beförderungsraten. Während in den frühen Jahren (1935-1939) Beförderungen zum Generalmajor noch relativ selten und sorgfältig geprüft waren, beschleunigte sich das Tempo dramatisch. Es gab eine Art "Generalsinflation" in den letzten Kriegsjahren, einfach weil die Nachfolge gesichert werden musste. So mancher Stabschef, der kurz vor Kriegsende noch schnell zum Generalleutnant gemacht wurde, hatte vorher kaum Erfahrung auf dieser Ebene.
Die Hierarchie: Generalmajor bis zum Generalfeldmarschall
Wenn wir von der Gesamtzahl der Generäle sprechen, müssen wir definieren, welche Ränge wir meinen. Die Wehrmacht kannte ja eine ganze Staffel an Generalsrängen, beginnend beim Generalmajor (entspricht heute etwa einem Brigadegeneral). Dann folgten Generalleutnant, General der Infanterie/Kavallerie/etc., Generaloberst und schließlich der Generalfeldmarschall.
Ich erinnere mich, dass die obersten Ränge, also Generalfeldmarschälle, extrem rar waren. Hitler hat diese nur sehr gezielt verliehen, oft als politische Geste oder als höchste Anerkennung für strategische Erfolge – oder eben als letzte Ehre für einen Gefallenen, wie Rommel. Die absolute Spitze war zahlenmäßig winzig, vielleicht ein Dutzend Männer zu jedem relevanten Zeitpunkt, während die Masse der Befehlshaber die unteren Generalsränge bekleidete.
Die Generäle der anderen Teilstreitkräfte
Ein häufiger Fehler, wenn man nach der Gesamtanzahl fragt, ist, nur das Heer (die Landstreitkräfte) zu betrachten. Aber die Wehrmacht war ja Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine. Diese hatten alle ihre eigenen Generalsränge, die zwar äquivalent waren, aber separat gezählt werden mussten. Ein General der Luftwaffe (z.B. ein Generalfeldmarschall der Luftwaffe wie Göring, obwohl der natürlich eine Sonderstellung hatte) zählte nicht zur Heer-Statistik.
Wenn wir also die 500 bis 600 Zahlen heranziehen, beziehen wir uns meist auf das Heer. Wenn man die Generäle der Luftwaffe und der Kriegsmarine hinzurechnet, steigt die Gesamtzahl der Offiziere im Generalsrang über alle Teilstreitkräfte hinweg natürlich noch einmal deutlich an. Es ist wichtig, diese Unterscheidung zu treffen, denn die Aufgaben und die Größe der jeweiligen Generalstäbe unterschieden sich erheblich, besonders bei der Marine.
Was man über die Beförderungspolitik wissen sollte
Die Kriterien für eine Beförderung zum General waren nicht immer rein militärisch, das ist eine Tatsache, die man nicht ignorieren kann. Während die ersten Jahrgänge oft aus erfahrenen Offizieren des Ersten Weltkriegs bestanden, die den Aufstieg im Reichsheer geschafft hatten, änderte sich das Profil ab den späten 30ern. Es gab einen bewussten Versuch, jüngere, dynamischere und ideologisch gefestigtere Kader in die Spitzenpositionen zu bringen.
Das führte dazu, dass einige hochqualifizierte, aber politisch unliebsame oder zu unabhängige ältere Stabsoffiziere oft auf Posten "versorgt" wurden, die sie vom direkten Kommando fernhielten, während andere, vielleicht weniger erfahrene, aber loyale Männer schneller aufstiegen. Dieses Spannungsfeld zwischen Expertise und politischer Loyalität hat die Zusammensetzung der Generalsriege stark beeinflusst, finde ich.
Wie viele Generäle überlebten das Kriegsende?
Eine weitere spannende Frage ist natürlich, wie viele dieser Männer das Chaos von 1945 überstanden haben, ohne in Kriegsgefangenschaft zu geraten oder gar zu fallen. Die Verluste waren immens. Schätzungen zufolge fielen oder gerieten Zehntausende von Offizieren in Gefangenschaft, aber die Generalsriege traf es besonders hart, da sie oft an vorderster Front oder in kritischen Stabsfunktionen operierten.
Ich habe gelesen, dass ein signifikanter Teil der Generäle des Heeres entweder im Kampf ums Leben kam oder in sowjetischer Gefangenschaft starb. Diejenigen, die in westliche Gefangenschaft gerieten, wurden oft relativ schnell entlassen, da die Alliierten die militärische Führung der Wehrmacht schnell als entschuldet oder zumindest als nicht mehr kriegsfähig einstuften, zumindest was die obersten Ränge betrifft.
Zusammenfassend: Eine fließende Zahl
Die genaue Antwort auf die Frage, wie viele Generäle es in der Wehrmacht gab, bleibt also ein historisches Schätzverfahren, das von der gewählten Zeitspanne und der Definition des "Generals" abhängt. Wenn wir also von der gesamten Laufzeit und allen Teilstreitkräften sprechen, sprechen wir von einer Gesamtzahl, die deutlich über 600 liegt, wenn man alle Beförderungen berücksichtigt, die jemals ausgesprochen wurden. Es war ein riesiger Kader an Führungspersonal, der durch die brutalen Anforderungen des Krieges ständig dezimiert und neu besetzt werden musste. Am Ende waren es die Umstände des Krieges, die die Zahl bestimmten, nicht unbedingt ein langfristiger Personalplan.

