Ich muss zugeben, als ich das erste Mal von diesem Thema gehört habe, fand ich es ziemlich amüsant. Wer denkt schon über Waltoiletten nach? Aber je tiefer man gräbt, desto faszinierender wird es. Die Verdauung dieser Meeresriesen ist nämlich alles andere als banal.
Wie funktioniert die Verdauung bei Walen eigentlich?
Wale sind Säugetiere, genau wie wir, und haben deshalb auch ein ähnliches Verdauungssystem. Allerdings mit einigen bemerkenswerten Unterschieden, die mit ihrem Leben im Wasser zusammenhängen.
Der Magen eines Wals ist nicht einfach ein einzelner Sack. Bartenwale haben beispielsweise drei bis vier Magenkammern, ähnlich wie Kühe. Das macht Sinn, wenn man bedenkt, was sie so alles fressen müssen. Ein Blauwal kann täglich bis zu vier Tonnen Krill verschlingen, diese winzigen Krebstierchen, die in riesigen Schwärmen durchs Meer ziehen.
Die erste Kammer ist eher eine Art Vorratskammer, wo das Futter landet. Dann geht's weiter zur eigentlichen Verdauung, wo Magensäure und Enzyme die Nahrung zersetzen. Der Darm eines großen Wals kann übrigens zwischen 200 und 300 Meter lang sein. Zum Vergleich: Der menschliche Darm misst gerade mal etwa sieben Meter.
Zahnwale verdauen etwas anders
Zahnwale wie Orcas oder Pottwale haben weniger Magenkammern, meist zwei bis drei. Sie fressen größere Beute, Fische oder sogar Tintenfische, und brauchen deshalb ein etwas anderes System. Pottwale jagen in extremen Tiefen, manchmal über 2000 Meter, nach Riesenkalmaren, und ihre Verdauung muss mit diesem proteinreichen, aber schwer verdaulichen Futter klarkommen.
Was mich immer wieder erstaunt: Die Verdauungszeit bei Walen liegt je nach Art zwischen 12 und 24 Stunden. Das ist eigentlich ziemlich flott, wenn man die schiere Menge an Nahrung bedenkt.
Wie sieht Walkot aus und wo landet er?
Hier wird's interessant, weil die Farbe des Kots tatsächlich viel über die Ernährung verrät. Bartenwale, die hauptsächlich Krill fressen, produzieren rötlich-orangenen Kot. Das liegt am Carotinoid-Pigment im Krill, ähnlich wie bei Flamingos, die ja auch durch ihre Nahrung rosa werden.
Zahnwale dagegen haben eher dunkelbraunen bis schwarzen Kot, je nachdem was sie gefressen haben. Ich habe mal Aufnahmen von Forschern gesehen, die Pottwalkot im Meer dokumentiert haben, und es sieht aus wie eine große, dunkle Wolke, die sich langsam im Wasser verteilt.
Die Konsistenz ist relativ flüssig, fast wie eine dicke Suppe. Das macht Sinn, weil der Kot sich so besser im Wasser verteilen kann. Wale haben keine festen Ausscheidungen wie Landtiere, das wäre unter Wasser auch ziemlich unpraktisch.
Der spektakuläre Moment der Ausscheidung
Wale defäkieren meist nahe der Wasseroberfläche, nachdem sie zum Atmen aufgetaucht sind. Forscher haben beobachtet, dass viele Walarten ihren Kot regelrecht ausstoßen, manchmal in regelrechten Wolken. Das liegt daran, dass sie ihre Bauchmuskeln zusammenziehen, ähnlich wie wir, aber eben unter Wasser.
Bei großen Bartenwalen kann so eine Kotfahne mehrere Meter Durchmesser haben und sich über Hunderte von Metern verteilen. Es ist tatsächlich ein ziemlich eindrucksvolles Schauspiel, auch wenn es vielleicht nicht gerade appetitlich klingt.
Warum ist Walkot so wichtig für die Ozeane?
Jetzt kommt der Teil, der mich wirklich umgehauen hat, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Walkot ist nämlich nicht einfach nur Abfall, sondern eine Art flüssiger Dünger für die Meere. Wissenschaftler sprechen von der sogenannten "Walpumpe" oder dem "Whale Pump Effect".
Der Kot enthält extrem hohe Konzentrationen von Stickstoff, Eisen und Phosphor. Diese Nährstoffe sind in vielen Meeresregionen Mangelware, besonders Eisen. Wenn Wale in die Tiefe tauchen, fressen und dann an der Oberfläche ausscheiden, transportieren sie diese Nährstoffe nach oben.
Das Phytoplankton, also die mikroskopisch kleinen Algen im Meer, braucht genau diese Nährstoffe zum Wachsen. Und Phytoplankton ist die Basis der gesamten marinen Nahrungskette. Ohne Phytoplankton gäbe es kein Zooplankton, keinen Krill, keine Fische, und so weiter.
Wale als Klimaschützer durch ihren Kot
Hier wird's noch verrückter: Phytoplankton bindet beim Wachsen CO₂ aus der Atmosphäre, ungefähr so viel wie alle Regenwälder der Erde zusammen. Schätzungen zufolge bindet das Phytoplankton der Ozeane jährlich etwa 40 Prozent des weltweiten CO₂. Und Wale fördern dieses Wachstum durch ihre Ausscheidungen massiv.
Forscher vom International Monetary Fund haben 2019 sogar den ökonomischen Wert eines einzelnen Großwals berechnet, basierend auf seiner CO₂-Bindungsleistung über seine Lebenszeit. Sie kamen auf etwa zwei Millionen US-Dollar pro Wal. Das ist natürlich eine sehr vereinfachte Rechnung, aber es zeigt, wie wertvoll diese Tiere für unser Ökosystem sind.
Vor dem industriellen Walfang gab es schätzungsweise vier bis fünf Millionen Großwale in den Weltmeere

